Marco Evaristti: Künstler will drei Ferkel verhungern lassen

Publiziert

KopenhagenKünstler wollte die drei Ferkel öffentlich verhungern lassen

Der Künstler Marco Evaristti stellte drei Ferkel aus und wollte diese verhungern lassen, um auf das Tierleid in Dänemark aufmerksam zu machen. Jetzt hat jemand die Tiere gestohlen.

Im Rahmen der Ausstellung «And Now You Care?» sollten diese drei Ferkel weder gefüttert werden noch Trinken erhalten.
Die Tiere wurden in einem provisorischen Käfig, gebaut aus Einkaufswagen, gehalten.
Das Ziel des dänischen Künstlers Marco Evaristti (61) war es, auf das Tierleid in Dänemark aufmerksam zu machen.
1 / 5

Im Rahmen der Ausstellung «And Now You Care?» sollten diese drei Ferkel weder gefüttert werden noch Trinken erhalten.

AFP

Darum gehts

  • Der dänische Künstler Marco Evaristti wollte mit einer umstrittenen Ausstellung auf das Leid von Ferkeln aufmerksam machen.

  • Drei Ferkel sollten in einem Käfig ohne Nahrung und Wasser ausgestellt werden – bis sie schliesslich sterben.

  • Die Tiere wurden am Samstag gestohlen, was zur Schliessung der Ausstellung am Dienstag führte.

Der dänische Künstler Marco Evaristti (61) hat am Dienstag seine neue kontroverse Ausstellung «And Now You Care?» in Kopenhagen unfreiwillig beendet. Das Herzstück, drei lebende Ferkel, wurden geklaut.

Die Ausstellung hatte ihm zuvor seit Ende Februar jede Menge Hassnachrichten und eine Strafanzeige der Tierschutzorganisation Anima beschert. Der Plan von Evaristti sah vor, die drei Ferkel weder zu füttern noch ihnen zu trinken zu geben, bis sie schliesslich verenden.

Die Kunstaktion

Die Installation «And Now You Care?» in Kopenhagen beinhaltete einen provisorischen Käfig, gebaut aus Einkaufswagen. Darin wurden die drei Ferkel gehalten. Bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend waren sie noch wohlauf, doch sie sollten weder Futter noch Wasser erhalten und voraussichtlich innerhalb von ungefähr fünf Tagen sterben. Der Künstler erklärte, auch er wolle bis zum Ende der Ausstellung weder trinken noch essen.

Kontroverse Ausstellungen von Marco Evaristti

«And Now You Care?» ist nicht die erste Ausstellung des dänischen Künstlers, die für Aufregung sorgte. 2007 liess er 48 Fleischbällchen in seinem eigenen Körperfett, das aus einer Fettabsaugung stammte, braten. Einige Jahre zuvor liess er in zehn Standmixern Goldfische schwimmen und überliess es den Besuchern, ob sie ihn einschalteten oder nicht – einer tat es, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Das Museum musste eine Geldstrafe bezahlen. 2010 kündigte Evaristti an, einen zum Tode Verurteilten mit seinem Einverständnis zu Fischfutter verarbeiten zu lassen.

Das Ziel des 61-Jährigen: Auf kontroverse Weise die Behandlung von Schweinen in Dänemark zu thematisieren. Seinen Angaben zufolge sterben jeden Tag etwa 27'000 Ferkel aufgrund der Haltungsbedingungen.  Evaristti sei die Idee für die Ausstellung im Oktober gekommen, als er einen Zeitungsartikel zu diesem Thema las. «Ich wusste, dass in Dänemark etwas nicht stimmte, aber ich wusste nicht, dass es so schlimm war», wird er in der «New York Times» zitiert.

Marco Evaristti rechtfertigt sich

Gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau rechtfertigt Evaristti seine Aktion: «Diese drei Ferkel würden sowieso sterben, weil sie schwach sind. Sie haben in ihrem Käfig mehr Platz als in einem konventionellen Schweinestall. Hier sterben 20'000 Schweine täglich.» Er fordert die Menschen auf, ihren Fleischkonsum zu reduzieren und eine Landwirtschaft zu unterstützen, die das Tierwohl verbessert.

Strafanzeige und Diebstahl

Anima hat gegen den Künstler Strafanzeige erstattet. Die Tierschutzorganisation teilt gegenüber Ritzau mit, man teile die Kritik an der Grausamkeit der industriellen Tierhaltung, aber Tierquälerei zu nutzen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen, sei der falsche Weg.

Im Rahmen der Ausstellung «And Now You Care?» sollten diese drei Ferkel weder gefüttert werden noch Trinken erhalten.

Im Rahmen der Ausstellung «And Now You Care?» sollten diese drei Ferkel weder gefüttert werden noch Trinken erhalten.

AFP

Inzwischen hat Evaristti seine Ausstellung am Dienstag geschlossen – nicht aus Kapitulation vor seinen Kritikern, sondern weil ihm das Herzstück der Ausstellung abhandengekommen ist.

Die drei Ferkel wurden am Samstagmorgen gestohlen, wie ein Sprecher der Kopenhagener Polizei der «New York Times» bestätigte. Wer dafür verantwortlich ist, ist bisher nicht bekannt. Evaristti erzählt, an jenem Tag habe eine Tierschutzorganisation die Ferkel überprüft, kurz nachdem die Mitglieder gegangen seien, sei der Diebstahl passiert. Der Künstler meinte, eine Ausstellung ohne die Ferkel wäre «langweilig» und «künstlich».

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 0800 211 222 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

Folgst du schon 20 Minuten auf Whatsapp?

Eine Newsübersicht am Morgen und zum Feierabend, überraschende Storys und Breaking News: Abonniere den Whatsapp-Kanal von 20 Minuten und du bekommst regelmässige Updates mit unseren besten Storys direkt auf dein Handy.

Deine Meinung zählt

14 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen