LuzernKünstlerin will 24 Stunden auf Floss verharren und dabei Löwe nachahmen
Die Aktionskünstlerin Barbara Kiener möchte mit einer 24-Stunden-Performance am Löwendenkmal auf den Stillstand in der Flüchtlingspolitik aufmerksam machen.
Darum gehts
- Barbara Kiener wird sich am 30. September um 9 Uhr auf ein Floss im Weiher vor dem Löwendenkmal begeben.
- Sie will die Position des Löwen nachahmen und 24 Stunden darin verharren.
- Mit ihrer Performance will die Künstlerin auf den Stillstand in der Flüchtlingspolitik aufmerksam machen.
Zum 200-jährigen Jubiläum des Löwendenkmals in Luzern im August 2021 werden seit geraumer Zeit immer wieder Kunstinstallationen rund um das Denkmal errichtet. Jüngst organisierte das Künstlerkollektiv «Das Biotop der Relevanz» das Projekt «Whitening Out» um auf das Korallensterben aufmerksam zu machen.
Nun folgt eine Ausstellung der Aktionskünstlerin Barbara Kiener. Sie ist schweizweit unterwegs und möchte mit ihren Aktionen auf verschiedene Probleme der Welt aufmerksam machen. So hat Kiener schon Kuhmist in der Berner Innenstadt gestapelt, einen Weihnachtsbaum aus Blutbeuteln in Zürich ausgestellt und über Nacht ein Hotel in Interlaken angemalt.
Die Performance mit dem Titel «Löwenritt» startet am Mittwoch, 30. September um 9 Uhr und dauert genau 24 Stunden. Die Künstlerin wird sich im Weiher des Löwendenkmals in Luzern auf ein Floss begeben. Das Ziel sei es, die Position des Löwen nachzuahmen und 24 Stunden in Stillstand zu verharren. Es gebe weder eine Toilette noch etwas zu Essen. «Ich habe mich seit Wochen intensiv vorbereitet und lebe nach einem strikten Ernährungsplan, bei dem ich meinen Körper und die Ausscheidungsorgane umprogrammiere. Ich werde das Floss 24 Stunden nicht verlassen», sagt die Aktionskünstlerin gegenüber Radio Central. Sie werde sich der Witterung entsprechend vorbereiten und lediglich Wasser mitnehmen, so die Künstlerin weiter.
Kritik an Stillstand in der Flüchtlingspolitik
Kiener möchte mit ihrer Kunst auf den Stillstand in der Flüchtlingspolitik aufmerksam machen. «Wir leben in Zeiten, in denen wir medial mit Bilder von schutzsuchenden Menschen auf Flössen konfrontiert werden, die ein sicheres Leben suchen und dabei nicht selten ums Leben kommen», heisst es auf der Website des Veranstalters. Barbara Kiener wolle das stille Verharren am Floss als ihre Form der Kritik am Warten auf politisch, gesellschaftlich und menschlich bessere Zeiten darstellen. Wie auch das Denkmal, erinnere sie somit an die Folgen von Krieg und die gefallenen Schweizer Gardisten.
Auf der Website heisst es weiter, dass sie vom Floss aus den Perspektivwechsel vollzieht; sie beobachtet das Publikum und das Publikum beobachtet sie. In dieser Begegnung werde die Stille zu einem bewegenden Moment, der Raum lasse um über Denkmäler, Krieg, Flosse und Flucht nachzudenken.