NachhaltigkeitLernen, wie man mit Nachhaltigkeit Geld verdient
In Chur kann man seit kurzem Sustainable Business Development studieren. Cool! Nur was heisst das? Studienleiter Dieter Conzelmann gibt Auskunft.

In Graubünden kann man lernen, wie man Nachhaltigkeit in Unternehmen umsetzt.
Herr Conzelmann, an der FH Graubünden kann man seit letztem Herbst Sustainable Business Development studieren. Was lernt man da?
Wie man das Thema Nachhaltigkeit in Firmen bringt und dort bei der Transformation mitwirkt. Denn wirklich nachhaltig zu wirtschaften, bedeutet einen Transformationsprozess in Gang zu bringen.
Wie ist der Studiengang entstanden?
In Bezug auf Nachhaltigkeit redet man ja immer von drei Dimensionen: Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Viele Experten kommen von der Umweltseite. Ich komme selbst aus der Wirtschaft, war lange Geschäftsführer und weltweit unterwegs. Deshalb wollte ich hier ein Ausbildungsangebot starten, das aus der Perspektive der Wirtschaft auf das Thema schaut.
Was bedeutet das konkret?
«Jedes ungelöste gesellschaftliche oder globale Problem ist nichts anderes als eine grosse unentdeckte Marktchance», sagte der grosse Ökonom Peter Ferdinand Drucker einst. Unternehmungen müssen Nachhaltigkeit als Chance begreifen. Wenn sie dies tun, entstehen neue Geschäftsmodelle, die sich positiv auf Gesellschaft und Umwelt auswirken.
Wer unterrichtet bei Ihnen?
Zum einen Dozierende aus der Praxis, zum anderen aus der Wissenschaft. Wir sind sehr stark praxisorientiert. Wir haben eine ganze Reihe von Partnerunternehmen für diesen Studiengang, die sich aktiv beteiligen – sei dies, indem sie Fallstudien oder Masterarbeiten begleiten.
Zum Beispiel?
Das Schweizer Fernsehen, die Post, Bündner Unternehmen wie Trumpf oder Hamilton, die Migros, Swisscom und viele weiter.
Wie ist das Feedback bis jetzt?
Extrem positiv – gerade wegen des starken Praxisbezugs. Wir sind eine kleine Hochschule. Aus Kapazitätsgründen konnten wir beim Studienstart im Herbst nicht mehr als 25 Studierende aufnehmen. Aber wir hatten weitaus mehr Anmeldungen.

Studienleiter Dieter Conzelmann setzt auf Partnerschaften mit Schweizer Unternehmen.
Sie führen eine ganze Reihe von Berufen an, die man nach dem Studium ergreifen kann: Nachhaltigkeitsexperte, Sustainable Transformation Consultant, Product Manager, Energiemanager und so weiter. Was würden Sie machen, wenn Sie noch mal 25 wären?
Product Manager! Den grössten Einfluss hat man, wenn man bei der Entwicklung eines neuen Produkts gleich den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit legt. In der Finanzwirtschaft wären Nachhaltigkeitsexperten gefragt, die zum Beispiel Liegenschaften und Investitionen jeder Art fundiert bewerten.
Ein interessanter Punkt, den wir im Rahmen von #WirsindZukunft sicher noch einige Male thematisieren werden: das Problem der Messbarkeit und Bewertung.
Zum Thema reproduzierbare Messbarkeit von Nachhaltigkeit sind bei uns derzeit mehrere Forschungsprojekte bei der Innosuisse beantragt und werden evaluiert. Heute fehlen da noch Vergleichbarkeit und Übersicht.
Wie nachhaltig ist der Studiengang selbst?
Wir lassen die Studierenden nur nach Chur anreisen, wenn es wirklich nötig ist. Aber so ein wirtschaftsnahes Studium nur virtuell zu betreiben, würde auch keinen Sinn machen. In einem nächsten Schritt werden wir den Studiengang wahrscheinlich auch auf Englisch anbieten und mehrere Kurse parallel laufen lassen.
Welche Unternehmen beeindrucken Sie in Sachen Nachhaltigkeit?
Mich beeindruckt jedes Unternehmen, das selber für sich Nachhaltigkeitspotentiale erkennt. Das müssen nicht immer ganz grosse Würfe sein. Mit dem SRF stecken wir in einem Projekt, um zu eruieren, wie in Zukunft Sendungen entstehen. Muss man da immer noch mit einem 30-Tönner durch die Gegend fahren oder reichen auch zwei, drei Minicams? Oder wir beschäftigen uns mit Reiseveranstaltern wie z. B. Hotelplan, was man im Hotelbereich noch alles nachhaltiger gestalten kann. Ich denke da nur an die Lebensmittelverschwendung und vieles mehr. Sie sehen: Unsere Studierenden werden in der Praxis dringend gebraucht!
Mehr Informationen unter www.fhgr.ch/sbd
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