Zollikofen: Lokführer muss für Zugcrash bezahlen

Aktualisiert

Zollikofen BELokführer verursacht heftigen Zug-Crash – jetzt muss er bezahlen

Weil er mit seinem Lokzug in einen Güterzug fuhr, wurde ein Lokführer verurteilt. Der Crash richtete grossen Sachschaden an, der Lokführer selber kam mit leichten Verletzungen davon.

Das Video vom Bahnhof Zollikofen zeigt den Aufprall des Lokzuges auf den stehenden Güterzug.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Am 2. Juni 2022 kam es am Bahnhof Zollikofen BE zu einem Zug-Crash.

  • Der Lokführer hatte  eine Warnung und ein Haltesignal ignoriert.

  • Dafür muss er nun 4279.50 Franken bezahlen. Zudem erhält er eine bedingte Geldstrafe von 8160 Franken.

Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat den Lokführer verurteilt, der am 2. Juni 2022 seinen Lokzug am Bahnhof Zollikofen BE in einen dort stehenden Bauzug gecrasht hat. Dies geht aus dem Strafbefehl hervor, der 20 Minuten vorliegt.

Der Mann hatte bei der Einfahrt in den Bahnhof Zollikofen ein Warnsignal falsch interpretiert und war davon ausgegangen, dass er noch knapp 1,5 Kilometer zu fahren hat. Das war allerdings nicht so. Er reduzierte seine Geschwindigkeit leicht, ignorierte durch «pflichtwidrige Unvorsichtigkeit» 700 Meter weiter ein weiteres Warnsignal, das «Halt» anzeigte.

Schnellbremsung in Zollikofen kam zu spät

Er reagierte erst, als er den SBB-Güterzug vor sich sah und leitete eine Schnellbremsung ein. Doch die Reaktion kam zu spät. Wie das Video eines News-Scouts zeigt, konnte der Lokführer die Kollision nicht mehr verhindern. Sein Lokzug prallte in das hintere Ende des stehenden Güterzuges.

Durch die Kollision wurden die Lokomotive, ein Sonderfahrzeug Bau und der verladene Bagger erheblich beschädigt, wie es im Strafbefehl heisst. Zudem sei Leib und Leben von Menschen gefährdet worden.

Wie dem Untersuchungsbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) vom Dezember 2022 zu entnehmen ist, sind ausserdem «verschiedene fossile Flüssigkeiten ausgelaufen» und versickert. Zudem berührte die Lok beim Aufprall die Fahrleitung, es entstand ein «kurzer Lichtbogen», der im Video ebenfalls zu sehen ist.

Die Lok fuhr dem Güterzug hinten auf.
Der Lokführer wurde dabei leicht verletzt. Es entstand grosser Sachschaden.
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Die Lok fuhr dem Güterzug hinten auf.

20min/News-Scout

Lokführer gilt als erfahren und pflichtbewusst

Der Lokführer wurde beim Unfall leicht verletzt. Er erlitt eine leichte Schürfung am Arm und eine Prellung am Kopf. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von 0,0 Promille. Laut SUST-Bericht gilt er als erfahren und pflichtbewusst. Weshalb er nicht auf das Warnsignal reagierte, konnte er nicht erklären.  

Dazu beigetragen hatte eine Fehlfunktion eines Zugbeeinflussungssystems. Damit keine Störungen mehr angezeigt werden, schaltete der Lokführer das System aus.  Dadurch konnte das Sicherheitssystem nicht eingreifen, als der Zug am Warnsignal vorbeifuhr.  

Die BLS, der der verunfallte Zug gehört, hat nach dem Unfall die Betriebsvorschriften angepasst. Wenn die Zugbeeinflussung ausfällt, darf der Zug nur noch abfahren, wenn ein zusätzlicher streckenkundiger Lokführer im Führerstand ist. Zudem darf der Zug nur noch 40 km/h fahren, mit zusätzlichem Lokführer 80 km/h.

Nun sprach die Staatsanwaltschaft den Lokführer wegen fahrlässiger Störung des Eisenbahnverkehrs schuldig. Der Mann erhält eine Geldstrafe von 48 Tagessätzen zu je 170 Franken (total 8160 Franken) bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Er muss eine Verbindungsbusse von 2040 Franken bezahlen, dazu 2239.50 Franken an Gebühren und Auslagen, total also 4279.50 Franken. 

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