Familie protestiert für Freilassung der Menendez-Brüder

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Menendez-FallFamilie und Aktivisten protestieren für Freilassung der Brüder

Eine Netflix-Serie über Lyle und Erik Menendez machte auf den Fall aufmerksam. Nach 35 Jahren kämpfen Angehörige und Aktivisten um eine zweite Chance.

Darum gehts

  • Die Brüder Erik und Lyle Menendez wurden 1986 wegen Mordes an ihren Eltern zu lebenslanger Haft verurteilt.

  • Sie gaben die Tat zu, behaupten jedoch, sie hätten aus Angst vor den missbrauchenden Eltern gehandelt.

  • Die Familie protestierte nun in Los Angeles für ihre Freilassung und eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

  • Eine Netflix-Serie hat den Fall wieder ins öffentliche Interesse gerückt.

Nachdem die wegen Mordes verurteilten Brüder Erik und Lyle Menendez in ihrem Kampf um eine Freilassung herbe Rückschläge einstecken mussten, hat die Familie am Donnerstag mit einem Protest erneut auf den Fall aufmerksam gemacht. Angehörige der Brüder wiesen die Behauptungen des Staatsanwalts von Los Angeles zurück, der zuvor angeprangert hatte, dass die beiden im Laufe des Prozesses in den 80er Jahren keine Verantwortung für ihre Taten übernommen hätten. «Kinder lügen, wenn sie Angst haben, wenn sie sich eingeschüchtert fühlen und wenn sie traumatisiert sind. Sie lügen, wenn sie nicht wissen, wem sie vertrauen können. Aber sie werden erwachsen, sie lernen, und sie übernehmen Verantwortung», sagte Tamara Goodell, eine Cousine der Brüder, auf der Kundgebung am Donnerstag.

Rund 50 Unterstützer der Menendez-Brüder marschierten mit Schildern um das Strafjustizzentrum in der Innenstadt und skandierten: «Woran glauben wir? Zweite Chancen!» Die Kundgebung wurde auch von Strafrechtsorganisationen wie der Anti-Rückfall-Koalition und Latino Justice unterstützt.

Der Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles hat sich gegen ein neues Verfahren ausgesprochen: Erik (links) und Lyle Menendez vor Gericht. (29. Dezember 1992)
Die Brüder erschossen vor über 35 Jahren ihre Eltern José und Mary Louise Menendez in ihrem Haus in Beverly Hills.
Die Staatsanwaltschaft warf den Brüdern vor, aus Habgier gehandelt zu haben, da sie vom Familienvermögen ausgeschlossen werden sollten. Sie wurden 1996 zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung verurteilt.
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Der Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles hat sich gegen ein neues Verfahren ausgesprochen: Erik (links) und Lyle Menendez vor Gericht. (29. Dezember 1992)

AFP/Vince Bucci

Der Protest sollte eigentlich mit einer Anhörung vor Gericht zusammenfallen, die den Fall nochmal aufrollen sollte und dazu führen könnte, dass die Brüder nach 35 Jahren hinter Gittern auf Bewährung entlassen werden können. Die Anhörung wurde allerdings auf April verschoben, nachdem der Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles, Nathan Hochman, angekündigt hatte, dass sein Büro den von seinem Vorgänger George Gascón eingereichten Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zurückziehen würde. Obwohl es für den Richter möglich ist, den Fall ohne die Unterstützung des Staatsanwalts zu verhandeln, sagen Rechtsexperten, dass die Erfolgschancen der Brüder durch Hochmans Entscheidung enorm gesunken sind.

Brüder hatten Angst vor Eltern

Die Brüder waren wegen der Erschiessung ihrer Eltern Jose und Kitty Menendez im Jahr 1986 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der damals 21-jährige Lyle und der damals 18-jährige Erik gaben die tödlichen Schüsse zu. Sie erklärten aber, sie hätten grosse Angst gehabt, dass ihre Eltern sie töten wollten, um zu verhindern, dass der langjährige Missbrauch an Erik durch den Vater bekannt werde. Die Staatsanwaltschaft gelangte damals zu der Einschätzung, es gebe keine Beweise für einen Missbrauch. Das Brüderpaar sei auf das millionenschwere Vermögen der Eltern aus gewesen.

Glaubst du, dass die Menendez-Brüder eine zweite Chance verdient haben?

Der Versuch der Brüder, doch noch Freiheit zu erlangen, begann in den vergangenen Jahren, nachdem laut ihren Anwälten neue Beweise für den sexuellen Missbrauch durch den Vater aufgetaucht waren. Diese wurden von Hochman ebenfalls in Zweifel gezogen. Der Grossteil der Familie aber unterstützt die Brüder.

Der Fall hat durch die Netflix-Serie «Monsters: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez» neue Aufmerksamkeit erlangt. (wy)

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