Knatsch ums Krönchen«#MeToo ist Genickschuss für Miss-Wahl»
Zur neuen Miss-Schweiz-Wahl gibt es nun doch keine 3+-Castingshow – der Event findet trotzdem statt. Eine TV-Sendung rettet den Wettbewerb auch nicht, meint ein Experte.
Endlich steht es fest. Am 10. März 2018 bekommt die Schweiz ihre neue Miss in Baden AG. Knapp zweieinhalb Jahre nachdem Lauriane Sallin (24) als Schönste der Schönen hervorging. Und es bis heute geblieben ist. Die feierliche Verkündung von Datum und Ort ging wegen einer weiteren Neuigkeit aber völlig unter: Die Miss-Schweiz-Organisation will aus dem Deal mit dem TV-Sender 3+, der im August noch gross angekündigt wurde, aussteigen.
Die geplante Castingshow über die Kandidatinnen und deren Traum vom Krönchen sowie die Live-Übertragung der Wahlnacht soll es nun doch nicht geben, wie «Glanz & Gloria» berichtete. Der Privatsender wollte alles vorproduzieren, die Verantwortlichen der Organisation dagegen wünschten sich eine Live-Übertragung des Finales.
3+ will von Kündigung nichts wissen
Pikant: 3+ will von den Neuigkeiten nichts wissen. Man sei «sehr erstaunt» über die Aussage der Organisation, lässt der Sender mitteilen. Es existiere eine schriftliche Vereinbarung, in der festgelegt sei, dass 3+ die Sendungen zum Casting sowie auch das Finale exklusiv ausstrahle. Und zwar 2018 wie auch in den Folgejahren.
Das sogenannte Termsheet zwischen dem Sender und der Miss-Organisation sei unterzeichnet und bindend. «Für eine angebliche Kündigung fehlt 3+ seitens der Miss-Schweiz-Organisatoren eine Begründung.» Dass der Sender alle Sendungen vorproduzieren wollte, sei ausserdem «unzutreffend». Im Gegenteil: Man habe «bereits viel Geld in die Planung der Produktion einer Live-Show» investiert.
Die neue Miss-Schweiz-Organisatorin hingegen bestätigt den Ausstieg auf Anfrage. «Das Termsheet mit 3+ haben wir gekündigt», so Angela Fuchs (41). «Wir hatten verschiedene Vorstellungen von der Umsetzung.» Die Wahl werde aber am TV kommen, versichert sie. Wer sie zeigt, könne sie noch nicht kommunizieren.
«Metoo-Debatte ist Genickschuss»
2014 hatte ein neues Team versucht, den Titel als karitativen Zweck – als Miss mit Herz – zu etablieren, und ist gescheitert. Eine neue Organisation sollte dem einstigen Kultformat nun wieder Leben einhauchen. Mit altem Erfolgsrezept: eine reine Schönheitswahl mit Bikini-Durchgang.
Ein überholtes Konzept, wie Markenexperte Cary Steinmann findet. Ob mit oder ohne TV-Übertragung – die Ära der erfolgreichen Missen sei vorbei. «Was einst funktionierte, funktioniert heute schon lange nicht mehr», ist sich der Markenexperte sicher. «Und spätestens die #MeToo-Debatte verpasst dem Wettbewerb den Genickschuss.»
In anderen Ländern möge das Format noch Erfolg haben. «In Frankreich zum Beispiel, wo man ein entspannteres Verhältnis zu Missen, Mode und Mannequins pflegt, ist die Wahl der Miss France am Samstagabend noch im Hauptprogramm direkt auf TF1», weiss Steinmann. «Aber hierzulande ist die Frau von gestern nicht mehr akzeptiert.»
Wahlnacht nicht in Gefahr
An der Wahl hält die Organisation nach wie vor fest. Am 10. März werden 20 junge Frauen in der Trafo-Halle in Baden AG um den Titel Miss Schweiz antreten. In einer «traditionellen Show mit Catwalk, Bikini-Durchgang und vielen Einspielern», wie es vonseiten der Organisation heisst.
Das Hickhack um die TV-Show ist nur ein weiteres Negativ-Kapitel in der jüngsten Geschichte der Miss-Wahl. Schlechte Einschaltquoten, der Ausstieg des SRF, eine gescheiterte Neupositionierung – seit Jahren kommt der Schönheitswettbewerb nicht zur Ruhe.

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