Lörrach (D): Mieter müssen für Flüchtende Wohnungen räumen

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Lörrach (D)Mieter müssen für Flüchtende Wohnungen räumen

Die Bewohner von 30 Wohnungen sollen ihr Zuhause verlassen. Der Wohnraum werde für flüchtende Menschen gebraucht, heisst es in einem Brief. Die Liegenschaften seien alt und den Anwohnern wäre sowieso bald gekündigt worden, so die Wohnbaugesellschaft.

Per Brief wurden die Bewohnerinnen und Bewohner der Wölbinstrasse 21 bis 29 in Lörrach informiert, dass sie ihr Zuhause räumen und für Flüchtende Platz machen müssen. 
40 Anwohnende der Wölbinstrasse 21 bis 29 werden aufgefordert, bis Ende Jahr ihre Wohnungen zu verlassen.
Die Betroffenen sollen in alternativen Wohnräumen wohnen können, heisst es vonseiten der Wohnbaugesellschaft.
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Per Brief wurden die Bewohnerinnen und Bewohner der Wölbinstrasse 21 bis 29 in Lörrach informiert, dass sie ihr Zuhause räumen und für Flüchtende Platz machen müssen. 

Screenshot Facebook

Darum gehts

Alle Bewohnerinnen und Bewohner der Wölbinstrasse 21 bis 29 in Lörrach, nahe der Schweizer Grenze, müssen raus aus ihren Wohnungen. Von der Massenkündigung sind 40 Personen betroffen, sie alle wurden am 15. Februar mittels Brief darüber informiert, dass sie ihre vier Wände verlassen müssen. Bis Ende 2023 soll die gesamte Wohnungsanlage für Flüchtlinge, beispielsweise aus der Ukraine, geräumt werden, heisst es im Schreiben. 

Die 30 Wohnungen in der Wölbinstrasse seien «wegen der besonderen Eignung» für die Funktion als Flüchtlingsunterkunft gewählt worden. «Bereits in Kürze werden erste Wohnungen frei und Flüchtlinge einziehen», heisst es im Schreiben der Wohnbaugesellschaft weiter. 

«Anwohner werden nicht auf  Strasse gestellt»

Der Brief verbreitete sich in den sozialen Medien rasant schnell und sorgt für Aufruhr. In der Facebook-Gruppe Netzwerk Lörrach wird das Thema hitzig kommentiert: «Unfassbar und wenn die Fakten stimmen, ist das eine Frechheit sondergleichen … hoffentlich wehren sich die Mieter», so ein User unter dem Post, dessen Kommentarfeld nun gesperrt wurde. «Einfach nur schäbig», meint ein anderer, «hier wird das Wertvollste des Menschen angegriffen, sein Zuhause. Schämt euch.»

Jedoch sind auch mildere Stimmen anzutreffen: «Leute, jetzt macht mal halblang. Die Bewohner werden ja nicht auf die Strasse gesetzt, sie bekommen Ersatzwohnungen.» Man solle den «Unmut» nicht gegen die Flüchtenden, sondern eher gegen die lokalen Politiker wenden, schreibt ein anderer User.

Wohnungen werden bald abgerissen

Wie im Brief zu lesen ist, werden den Betroffenen «geeignete Wohnräume» angeboten. Auf Anfrage von 20 Minuten verweist die Wohnbaugesellschaft auf eine Publikation der Stadt Lörrach. Die betroffenen Liegenschaften wurden in den 1950er-Jahren gebaut und stehen «am Ende ihres Lebenszyklus». Ein Abbruch und Ersatzneubau seien für die nächsten Jahre vorgesehen, schreibt die Stadt. «Den Mieterinnen und Mietern werden zeitnah modernere und bezahlbare Wohnraumangebote entsprechend der persönlichen Situation unterbreitet», heisst es dort.

«Wir sind uns der Verantwortung unseren Kundinnen und Kunden gegenüber bewusst und werden für jeden Einzelnen eine individuelle und gute Lösung finden. Auch der Umzug wird vonseiten der Wohnbau Lörrach logistisch und finanziell unterstützt», so Thomas Nostadt, Geschäftsführer der Städtischen Wohnbaugesellschaft Lörrach.

«Vorgezogene Todesanzeige»

«Wir brauchen ein ganzes Bündel an Massnahmen, um unserer kommunalen Aufgabe der Anschlussunterbringung der Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nachkommen zu können», sagt Oberbürgermeister Jörg Lutz in der Meldung der Stadt. 

Für den 78-jährigen Anwohner der Anlage in der Wölbinstrasse Klaus Kilchling sei das Umziehen «unmöglich», wie er gegenüber der «Basler Zeitung» gesteht. Ihm liegen das Quartier und die Anwohner am Herzen. Obwohl sich nach Angaben Kilchlings noch kein «organisierter Widerstand» gebildet hat, überlegen sich einige Anwohnende, «einen Anwalt beizuziehen». Für den Rentner, der mit knapp 1000 Euro im Monat zurechtkommen muss, sei die Verkündung der Räumung «eine vorgezogene Todesanzeige». Wie er der BaZ erzählte, falle es ihm nach einem Schlaganfall schwer, sich im Alltag zurechtzufinden. 

«Wir brauchen ein ganzes Bündel an Massnahmen, um unserer kommunalen Aufgabe der Anschlussunterbringung der Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nachkommen zu können», sagt Oberbürgermeister Jörg Lutz in der Meldung der Stadt.  

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Fragen zu Miete oder Vermietung?

Hier findest du Hilfe:

Mietrecht.ch, Schlichtungsstellen nach Region

Mieterinnen- und Mieterverband, Tel. 0900 900800 (kostenpflichtig)

Casafair, Hauseigentümerverband

HEV Schweiz, Hauseigentümerverband

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