AuslandsabenteuerMigros droht in Deutschland eine halbe Milliarde Verlust mit Tegut
Die Genossenschaft Migros Zürich buttert Hunderte Millionen in Tegut. Nun droht ein gewaltiger Abschreiber.
Migros in Deutschland: Darum gehts
Der Migros droht ein riesiges Fiasko in Deutschland.
Die Biokette Tegut entwickelt sich zum Millionengrab.
Trotzdem will sie am Auslandabenteuer festhalten.
Die Migros will sich von zahlreichen unrentablen Marken wie Melectronics trennen und 1500 Stellen streichen. Gleichzeitig verbrennt die Genossenschaft auch nach dem Debakel in Österreich und dem 800-Millionen-Verlust mit Depot immer noch viel Geld mit Auslandabenteuern.
Ein Fiasko droht nun mit der Biokette Tegut. Seit dem Kauf vor zwölf Jahren durch die Migros Zürich schrieb Tegut laut «NZZ am Sonntag» fast durchgehend rote Zahlen. Nun könnte die Migros Zürich eine halbe Milliarde damit verbrennen, wie das Finanzportal «Inside Paradeplatz» schreibt.
Finanzspritze trotz eigenem Verlust
So gab die Migros Zürich erst gerade eine Finanzspritze und wandelte laut der «Lebensmittelzeitung» ein Darlehen über 225 Millionen Euro an Tegut in Eigenkapital um. Gemäss Geschäftsbericht besitzt die Genossenschaft weiterhin Darlehen an Tegut über 232 Millionen Euro.
Zusammen mit dem Buchwert der Tegut Ende 2023 von 315 Millionen Euro beträgt das Abschreibungsrisiko im schlimmsten Szenario 547 Millionen Euro. Allerdings hat Tegut nur schon rund um die Stadt München attraktive Ladenflächen, weshalb laut Experten ein Verkaufspreis von bis zu 200 Millionen drinliegen sollte.
Soll die Migros im Ausland expandieren?
Dazu kommt ein Fitness-Engagement in München, das die Migros Zürich vor zwei Jahren beendete und laut NZZ am Sonntag im schlimmsten Fall weitere 150 Millionen gekostet hat. Das potenzielle Gesamtverlustrisiko beläuft sich damit auf über 700 Millionen in Deutschland.
Migros-Zürich-Sprecherin Gabriela Ursprung dementiert auf Anfrage aber den 150-Millionen-Verlust, der eine reine Schätzung eines Journalisten sei. Bei Tegut sehe die Migros kein erhöhtes Abschreibungsrisiko. Die Revision habe die Werthaltigkeit der Bilanzwerte bestätigt.
Obwohl Experten zur schnellstmöglichen Trennung von Tegut raten, will die Migros laut Mediendienst daran festhalten. Auch wenn derzeit eine Kaufzurückhaltung spürbar sei, ändere das nichts am Engagement der Migros, sagt Ursprung. Höhere Preise soll es wegen der Verluste von Tegut nicht geben. «Die Migros-Preisgestaltung hat keinerlei Zusammenhang mit den Ergebnissen unserer Tochterfirmen», sagt die Sprecherin.
«Tegut-Entscheid zu 100 Prozent richtig»
Der Verantwortliche für das Tegut-Investment war Jörg Blunschi. Neulich sagte er im Interview mit der «Handelszeitung», er bereue rein strategisch gar nichts und «der Tegut-Entscheid war zu 100 Prozent richtig». Nur bei der Fitnessexpansion räumt er Fehler ein und sagt, dass «wir möglicherweise den langen Weg zum Erfolg» unterschätzten.
Blunschi ist nur noch bis Juni operativer Chef der Migros Zürich. Er soll aber in der Migros bleiben und neuer Präsident des Verwaltungsrats der Genossenschaft Aare werden. Im Juni stimmen die Delegierten darüber ab.
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