Denner-Weine auf WebsiteMigros umgeht Alkohol-Verkaufsverbot im Tessin
Die Migros betreibt im Tessin eine Wein- und Spirituosenkette. So sollen Kunden bald über die Migros-Website Denner-Weine kaufen können. Damit weicht der Konzern das Alkoholverkaufsverbot auf.
Darum gehts
Die Migros umgeht im Tessin das Alkoholverkaufsverbot.
So vertreibt eine Tochter-Firma der Migros dort Weine und Spirituosen.
Damit umgeht die Migros gekonnt die Statuten.
Die Wein- und Spirituosenkette Enoteca Vinarte wirbt auf ihrer Website für gute Weine zu bezahlbaren Preisen. Was aber nicht erwähnt wird, ist dass Enoteca Vinarte eine Tochterfirma der Migros Ticino ist. Dies hat die Migros auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» bestätigt.
Enoteca Vinarte verfügt über vier Filialen, die sich alle in oder neben einem Migros-Shoppingcenter befinden. Und über den Delivery-Dienst Smood kann man sich die Spirituosen nach Hause liefern lassen. Mit dieser Verkaufsmethode umgeht die Migros gekonnt ihr Alkoholverkaufsverbot. Aufgrund der Migros-Statuten dürfen in Supermärkten keine alkoholischen Getränke verkauft werden. Dies sei damals aus Rücksicht auf die Gesundheit des Volkes in die Statuten aufgenommen worden.
Dass eine Regionalgenossenschaft des orangen Riesen eine eigene Weinhandlung führt, ist eine Neuheit. Und die Tessiner Regionalgenossenschaft sei die einzige der zehn Migros-Regionen, die so die Statuten umgeht.
Migros weiss, wie sie gekonnt Statuten umgehen kann
Der Grosskonzern hat bereits 2007 mit dem Kauf vom Discounter Denner eine kreative Lösung gefunden, am Geschäft mit Spirituosen und Wein mitzuverdienen. Demnach werden seit 2007 Denner-Filialen neben Migros-Filialen errichtet, sodass es Kunden nach dem Lebensmitteleinkauf nicht weit haben, um alkoholische Getränke zu kaufen.
Künftig soll auch Online das Alkoholverkaufsverbot umgangen werden, wie Migros-Direktor Fabrice Zumbrunnen gegenüber der «Bilanz» sagte. Die Website Leshop.ch, über welche Migros Lebensmittel sowie auch Alkohol bestellt werden kann, soll noch dieses Jahr abgeschaltet werden.
Auf dem neuen Portal Migros.ch sollen Kunden nebst Migros-Produkten auch Wein bestellen können. Dies aber nur dank einem Shop-in-Shop auf dem Portal. So werde man bei der Suche nach alkoholischen Getränken automatisch auf die in die Website integrierte Denner-Seite umgeleitet.
Die Duttweiler-Statuten hatte man bereits 1997 angepasst, sodass man die Warenhauskette Globus übernehmen konnte. Globus verkauft nebst Delikatessen auch Alkohol.
Wegen Lockdown grösseres Interesse am Alkoholgeschäft
Aktuell heisst es in den Migros-Statuten gemäss Artikel 16g: «Die Genossenschaften sind verpflichtet, in ihren Verkaufsstellen, die die Bezeichnung Migros tragen, auf den Verkauf von alkoholischen Getränken und Tabakwaren zu verzichten.» Im Falle der Enoteca Vinarte sieht die Migros keinen Verstoss gegen diese Grundsätze: «Das ist mit den Statuten der Migros vereinbar.»
Warum es der Konzern nun mehr und mehr ins Alkoholgeschäft einsteigen will, hat unternehmerische Gründe. Auch der Lockdown habe dabei eine Rolle gespielt. So verdiente Konkurrent Coop während des Lockdowns reichlich mit dem Verkauf von Wein und Spirituosen.
Der Detailhändler profitierte davon, dass Bars und Restaurants geschlossen waren und Alkohol nur im Supermarkt erhältlich war. Zwar verzeichnete die Migros während der Lockdown-Phase ein Wachstum bei den Lebensmitteln, doch bei den Umsatzsprüngen ihrer Konkurrenten konnte sie nicht mithalten.