Verwesungs-ExperimenteMikroben auf Leichen verraten Todeszeitpunkt
Für eine neue Studie gingen Forscher mit Leichen auf Tuchfühlung. Zum Glück. Denn die Erkenntnisse machen Mördern das Leben noch schwerer.

Wenn der Mensch tot ist, legen die Mikroben los. Das kommt den Ermittlern zu Gute.
Man kann sie nicht sehen, doch sie sind da: In und auf unserem Körper sind Milliarden Kleinstlebewesen zuhause. Einige der Mikroorganismen sind in der Lage, Körpergewebe abzubauen. Doch unser Immunsystem hindert sie daran. Dies ist allerdings nur der Fall, solange wir leben. Nach unserem Tod gibt es nichts, was die Mikroben in Schach halten würde: Nach dem Ableben beginnen sie mit dem Zersetzen des Gewebes.
Wie das genau abläuft, haben sich Wissenschaftler von insgesamt elf verschiedenen Forschungseinrichtungen in den USA nun genauer angeschaut – an Mäuse-Kadavern sowie an vier menschlichen Leichen. Letztere waren von den betreffenden Personen zu Lebzeiten für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt worden.
Muster entdeckt
Dabei entdeckte das Team um Jessica L. Metcalf von der University of Colorado Boulder bei der Entwicklung der postmortalen Mikrobengemeinschaften bestimmte Muster, die Aufschluss über die Todeszeit geben. Ähnlich wie dies beispielsweise der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke aufgrund der Leichenbesiedlung durch Insekten macht (siehe Box).
In der Studie wurden die Leichname für unterschiedlich lange Zeiträume verschiedenen Umweltbedingungen ausgesetzt. Von ihnen sowie von dem sie umgebenden Erdreich nahmen die Forscher regelmässig Proben und dokumentierten jeweils die Mikroben-Zusammensetzungen.
Bessere Verbrechensaufklärung
So erkannten sie, dass bei beiden Arten Leichen charakteristische Muster der Entwicklung Hinweise auf den Zeitpunkt des Todes geben. Und zwar mit einer Ungenauigkeit von maximal zwei Tagen in einen Zeitraum von 25 Tagen. Darüber hinaus zeigte sich, dass eine Leiche auch die Mikrobenzusammensetzung im umgebenden Boden stark verändert. Eine wichtige Erkenntnis, denn dadurch lässt sich ein Tatort nachweisen, auch wenn der Körper anschliessend von ihm entfernt wurde.
Weil die Genauigkeit der Zeitbestimmung mit der der Schmeissfliegen-Methode vergleichbar ist, geben sich die Forscher zuversichtlich: «Wir sehen in unseren Ergebnissen grosses Potenzial für die Anwendung in der Forensik», so Metcalf in einer Mitteilung der Hochschule. «In Kombination mit anderen Nachweismethoden könnten unsere Erkenntnisse helfen, Verbrechen aufzuklären.»
Die Schmeissfliegen-Methode
Bei diesem Vorgehen, das auch als Forensische Entomologie bekannt ist, wird das Alter einer Leiche anhand der Entwicklungsstadien der Larven von Fliegen bestimmt, die an sterblichen Überresten ihre Eier abgelegen. Doch der Einsatz dieser Methode ist nicht immer möglich: So kann es vorkommen, dass Fliegen keinen Zugang zu einer Leiche haben.