Bundesratssitzung - Mit diesen drei Corona-Szenarien rechnet der Bundesrat im Herbst

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BundesratssitzungMit diesen drei Corona-Szenarien rechnet der Bundesrat im Herbst

Tiefe Fallzahlen, ein Anstieg der Fallzahlen oder eine neue Welle: Der Bundesrat skizzierte, was im Herbst auf die Schweiz zukommen könnte.

Den Szenarien des Bundesrats ist die Annahme gemeinsam, dass das Virus längerfristig endemisch wird.
«Die epidemiologische Lage in der Schweiz hat sich in den letzten Monaten stark verbessert», schreibt der Bundesrat nach seiner Sitzung am Mittwoch.
Szenario 1: Die Fallzahlen bleiben auf einem niedrigen Niveau. Kleinere Ausbrüche sind weiterhin möglich.
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Den Szenarien des Bundesrats ist die Annahme gemeinsam, dass das Virus längerfristig endemisch wird.

20min/Taddeo Cerletti

Die sinkenden Fallzahlen und der Fortschritt beim Impfen führen die Schweiz schrittweise aus der Corona-Krise. «Die epidemiologische Lage in der Schweiz hat sich in den letzten Monaten stark verbessert», schreibt der Bundesrat nach seiner Sitzung am Mittwoch.

Für die Entwicklung der Epidemie in den nächsten Monaten sieht der Bundesrat drei mögliche Szenarien. Allen gemeinsam sei die Annahme, dass das Virus längerfristig endemisch werde, schreibt der Bundesrat. «Das heisst, dass das Virus nicht verschwinden, sondern weiterhin in der Bevölkerung zirkulieren wird.» Die meisten Menschen kämen über kurz oder lang mit dem Virus in Kontakt und infizierten sich, seien sie nicht durch eine Impfung geschützt:

Szenario 1

Die Fallzahlen bleiben auf einem niedrigen Niveau. Kleinere Ausbrüche sind weiterhin möglich. Die Fallzahlen können saisonal bedingt etwas steigen, führen aber nicht zu einer nennenswerten Belastung des Gesundheitswesens. Die noch bestehenden Massnahmen können aufgehoben werden. Die Krise wäre zu Ende.

Szenario 2

Es kommt zu einem Anstieg der Fallzahlen spätestens im Herbst oder Winter. Dafür kann es mehrere Gründe geben, zum Beispiel der Anteil nicht geimpfter Personen, das Aufheben der Massnahmen, saisonale Effekte oder das Auftreten neuer, ansteckenderer Virusvarianten. Dieser Anstieg führt zu einer so starken Belastung des Gesundheitssystems, dass sie die Weiterführung oder Wiedereinführung gewisser staatlicher Basismassnahmen wie Maskenpflicht oder Abstandsvorschriften notwendig macht. Auffrischimpfungen können notwendig werden.

Szenario 3

Eine oder mehrere neue Virusvarianten treten auf, gegen die eine Impfung oder durchgemachte Erkrankung nicht mehr oder deutlich weniger schützen. Es kommt zu einer neuen pandemischen Welle. Ein starkes staatliches Eingreifen und eine erneute Impfung sind erforderlich.

Herausforderungen

Im Zentrum der Mittelfristplanung von Bund und Kantonen steht das Szenario 2. Laut dem Bundesrat stellen sich dabei folgende Herausforderungen:

Neue besorgniserregende Virusvarianten rasch entdecken

Je rascher neue besorgniserregende Varianten identifiziert werden, desto rascher können
Einschleppung und Ausbreitung mit gezielten Massnahmen limitiert werden. Der Bundesrat hat dazu bereits vorsorglich Massnahmen beschlossen, etwa zum Vorgehen an den Grenzen. Er hat am Mittwoch das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) beauftragt, in Zusammenarbeit mit den betroffenen Bundesstellen und den Kantonen das Überwachungssystem für das Aufspüren neuer Virusvarianten und das Monitoring ihrer Verbreitung in der Schweiz zu verstärken.

Impfbereitschaft erhöhen

Die breite Impfung der Bevölkerung ist laut dem Bundesrat entscheidend, um die Gesundheitsversorgung zu entlasten und die Epidemie zu bewältigen. Ein möglicher Wiederanstieg im Herbst wird wesentlich davon abhängen, wie hoch der Anteil geimpfter Personen in der Bevölkerung ist. Die Informationen zur Impfung werden deshalb intensiv weitergeführt. Für die mittelfristige Planung sind die Vorbereitung auf die Auffrischimpfung und die Anpassung der Impfung an neue Virusvarianten wichtig.

Auffrischimpfung vorbereiten

Derzeit gilt eine Schutzdauer von mindestens zwölf Monaten gegen milde Covid-19- Erkrankungen. Gegen schwere Verläufe und Hospitalisierungen wird von einer Schutzdauer von mehr als zwölf Monaten ausgegangen, bei gesunden Erwachsenen kann diese wesentlich länger sein. Wie lange die Impfung vor einer Übertragung schützt, ist derzeit noch nicht bekannt. Um längerfristig einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten, dürften frühestens ab dem nächsten Winter Auffrischimpfungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen oder für alle bereits geimpften Personen notwendig sein, schreibt der Bundesrat.

Der Bundesrat hat das EDI beauftragt, unter Einbezug der betroffenen Stellen bei Bund und Kantonen die Vorbereitungen für die Planung und Durchführung der Auffrischimpfungen frühzeitig an die Hand zu nehmen. Gegen die bisher aufgetretenen Virusvarianten zeigen die in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe eine sehr gute Wirksamkeit. Jedoch ist laut dem Bundesrat nicht auszuschliessen, dass das Auftreten von neuen Virusvarianten eine Anpassung der Impfstoffe notwendig macht. Die Technologie der mRNA-Impfstoffe erlaubt eine verhältnismässig einfache und rasche Anpassung an neue Virusvarianten. Bis Impfungen mit einem angepassten Impfstoff erfolgen können, werden im günstigsten Fall etwa sechs Monate benötigt.

Testen und Tracing

Im Zentrum von Szenario 2 steht auch eine angepasste Teststrategie. Der Zugang zum Testen solle weiterhin niederschwellig und für alle offen sein. Wenn alle impfbereiten erwachsenen Personen geimpft sind, soll die Teststrategie angepasst werden. Mit Beginn der Normalisierungsphase plant der Bundesrat, das präventive Testen zurückzufahren. Davon ausgenommen sind die Schulen.

Weiter hält der Bundesrat für wichtig, dass die Kantone die nötigen Kapazitäten für das Nachverfolgen von Ansteckungen erhalten oder rasch wieder aufbauen können. Auch müssen im Falle eines Wiederanstiegs der Fallzahlen ausreichend Kapazitäten vor allem in den Spitälern zur Verfügung stehen.

Neue Funktion in Covid-App

Per Anfang Juli 2021 wird die SwissCovid App um eine Check-in-Funktion erweitert. Das dezentrale System zeichnet keine persönlichen Daten auf und nutzt weder Bluetooth noch GPS. Die Check-in-Funktion soll bei kleineren Veranstaltungen eingesetzt werden – zum Beispiel bei privaten Treffen, Sporttrainings, Chorproben und kleinen Konzerten oder in Sitzungszimmern. Wird eine Person nach einer Veranstaltung positiv auf das Coronavirus getestet und gibt den Covidcode in die SwissCovid App ein, erfolgt eine automatische Benachrichtigung an alle Gäste, die im gleichen Zeitraum bei derselben Veranstaltung eingecheckt waren.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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