Mit diesem Spielzeug sollte Ihr Kind nie spielen

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Wish und AliexpressMit diesem Spielzeug sollte Ihr Kind nie spielen

Der Spielwaren-Verband liess Spielzeug von Aliexpress und Wish in einem Labor testen. Die gesetzlichen Grenzwerte für Schadstoffe wurden teils massiv überschritten.

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«Eaki Fashion Surprise Doll», Preis: 8.90 Fr.: Wie das Labor schreibt, wurde eine sehr hohe Menge an Lösungsmitteln im Spielzeug gefunden. «Selbst wir Erwachsenen haben hiervon Kopfschmerzen und Übelkeit bekommen.»
Die vorgegebenen Höchstwerte bei Toluol und Cyclohexanon seien überschritten worden.
«I Love Squishy», Preis: 1 Fr..: Bei allen Squishy-Toys wurde ein erhöhter Wert an Cyclohexanon festgestellt. der Stoff kann oral, über eine Inhalation oder über die Haut aufgenommen werden.
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«Eaki Fashion Surprise Doll», Preis: 8.90 Fr.: Wie das Labor schreibt, wurde eine sehr hohe Menge an Lösungsmitteln im Spielzeug gefunden. «Selbst wir Erwachsenen haben hiervon Kopfschmerzen und Übelkeit bekommen.»

SVS

Kopfschmerzen, Schwindel, Hautreizungen oder gar Dermatitis: Spielt ein Kind mit gewissen Plastikprodukten von Aliexpress oder Wish, ist seine Gesundheit in Gefahr. Das zeigt ein Test des Spielwaren-Verbands Schweiz (SVS). Er hat bei den Onlineshops Aliexpress und Wish in der Schweiz beliebte Spielwaren bestellt und in einem Labor testen lassen. Das Fazit: «Wer über das Internet direkt in China Spielwaren einkauft, läuft Gefahr, Kinder zu vergiften.»

Sieben von zehn Spielwaren enthielten Schadstoffe, sechs davon überschritten die gesetzlichen Grenzwerte massiv. «Wasserspielzeug, sogenannte Squishies – aus Schaumstoff bestehende Spielzeuge zum Quetschen –, Stickers und Puppen – das Ergebnis ist alarmierend», sagt SVS-Sprecher Sandro Küng. «Kein einziges wäre in der Schweiz zugelassen.»

Chemiker litten unter Übelkeit und Kopfschmerzen

Was bei allen etwa fehlte, waren die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zur Alterseinstufung, Warnhinweisen oder die Adresse, damit im Problemfall jemand zur Verantwortung gezogen werden könnte. Eines der getesteten Produkte – die Kugel mit der Überraschungs-Minipuppe drin – habe gar derart viel Lösungsmittel enthalten, dass die Chemiker im Labor unter Übelkeit und Kopfschmerzen litten, so Küng weiter.

«Ein Grossteil der Bevölkerung weiss nicht, dass die Schweizer Produktsicherheitsgesetze nicht für von Privatpersonen importiertes Spielzeug gelten», sagt Küng. Es sei sehr alarmierend, dass die Gesundheit der Bevölkerung durch die unzähligen Wish- und Aliexpress-Artikel, die zu Dumpingpreisen in die Schweiz importiert werden, in Gefahr gebracht würden.

Stoff greift auf Hormonsystem von Kindern ein

Bei allen der sogenannten Squishy-Toys, die momentan sehr beliebt sind, sei ein erhöhter Wert der Chemikalie Cyclohexanon festgestellt worden, sagt Nathalie Moravetz, Leiterin des Non-Food Labors SQTS in Dietikon ZH. «Bereits bei einer Temperatur von 20°C kommt es langsam zu einer toxischen Kontamination der Luft.» Besonders beim Einatmen sei Cyclohexanon gesundheitsschädlich und könne die Schleimhaut, die Augen und die Atemwege reizen und Schwindelanfälle oder Kopfschmerzen auslösen.

Aber auch die Mehrheit des anderen getesteten Spielzeugs hätten bedenkliche Inhaltsstoffe aufgewiesen, so Moravetz. So enthalte etwa der Badedelfin für Kinder hohe Mengen des Weichmachers DEHP. «Der Stoff ist streng reglementiert, da er auf das Hormonsystem der Kinder eingreifen kann.» Einige der beanstandeten Spielwaren seien bereits von der EU verboten worden, sagt Moravetz (siehe Box). Im Internet sei der Artikel aber immer noch erhältlich – auch weil man dem Händler durch die fehlende Rückverfolgbarkeit nicht habhaft werden könne.

Kantonschemiker pocht auf Eigenverantwortung

Anders als im Spielwarenhandel in der Schweiz kontrolliere niemand die von Privatpersonen importierten Spielzeuge auf ihre Gefährlichkeit. «Das ist ein Missstand, der auch uns beschäftigt, denn hier fehlen uns schlicht die Möglichkeiten, die gesetzlichen Vorgaben durchzusetzen», sagt Peter Brodmann, Leiter des Kantonslabors Baselland, das in der Deutschschweiz auf die Kontrolle von Spielwaren spezialisiert ist.

Brodmann appelliert daher an die Eigenverantwortung der Konsumenten. «Man darf sich nicht darauf verlassen, dass die Produkte von Aliexpress und Wish die gleichen Qualitätsansprüche erfüllen wie jene aus einem Schweizer Geschäft.» Die Behörden seien heute gegenüber allfällig mangelhaften Produkten aus Fernost machtlos, sagt Brodmann. «Ich kann keine Beanstandung oder Verfügung nach China schicken.»

Dass das Bundesgesetz über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände nicht für den Online-Einkauf für den privaten Eigenverbrauch gilt, sagt auch Roger Meuwly, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. «Das BLV wird die Konsumenten besser auf die Internetproblematik sensibilisieren», so Meuwly.

Von Wish und Alibaba war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten.

Kontrollen in der EU Im vergangenen Jahr haben Kontrolleure in Europa 2257 gesundheitsschädliche Produkte aus dem Verkehr nehmen müssen – ein Drittel davon betraf gefährliche Spielwaren. Das geht aus dem Jahresbericht zum Schnellwarnsystem «Rapex» ((Rapid Alert System for Dangerous Non-Food Consumer Products) der EU-Kommission hervor. Demnach würden vor allem die sogenannten Squishy-Toys, die momentan im Trend sind, eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Die Chemikalien könnten «die Augen oder Schleimhäute reizen und zu Leberschäden führen», schreibt die Kommission. Zudem könnten Kleinteile, die nicht deklariert sind, durch Babies verschluckt werden und zum Erstickungstod führen.

Kontrollen in der EU Im vergangenen Jahr haben Kontrolleure in Europa 2257 gesundheitsschädliche Produkte aus dem Verkehr nehmen müssen – ein Drittel davon betraf gefährliche Spielwaren. Das geht aus dem Jahresbericht zum Schnellwarnsystem «Rapex» ((Rapid Alert System for Dangerous Non-Food Consumer Products) der EU-Kommission hervor. Demnach würden vor allem die sogenannten Squishy-Toys, die momentan im Trend sind, eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Die Chemikalien könnten «die Augen oder Schleimhäute reizen und zu Leberschäden führen», schreibt die Kommission. Zudem könnten Kleinteile, die nicht deklariert sind, durch Babies verschluckt werden und zum Erstickungstod führen.

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