Falsche BestnotenMitarbeitende von Swisscom-Firma schreiben Fake-Bewertungen auf Google
Innert vier Wochen sind auf Google Dutzende 5-Sterne-Bewertungen zu Localsearch aufgetaucht. Viele davon haben eigene Mitarbeitende geschrieben. Die Swisscom-Tochter gesteht Fehler ein.
Darum gehts
Die Google-Bewertungen für Localsearch sind mies.
Daher hat die Swisscom-Tochter Massnahmen ergriffen.
Innerhalb von vier Wochen kamen auf Google Dutzende 5-Sterne-Bewertungen rein.
Doch geschrieben haben viele davon die eigenen Mitarbeitenden.
Das widerspricht den Google-Richtlinien und ist unzulässig.
Localsearch hat ein Problem mit den Kunden-Bewertungen im Internet. Auf Google können Userinnen und User ihre Erfahrungen mit der Swisscom-Tochterfirma und deren Produkten anhand einer 5-Sterne-Skala bewerten. Derzeit liegt die Note im Schnitt bei schlechten 2,6 Sternen.
Wie News-Scout M. aufgefallen ist, war diese Note erst vor rund vier Wochen noch schlechter, nämlich bei gut zwei Sternen. Möglich machte diesen Anstieg eine auffällig hohe Anzahl von 5-Sterne-Bewertungen, die seit Anfang September auf Google für Localsearch abgegeben wurden. News-Scout M. fand heraus: Viele der Bewertungen sind fake und wurden von Mitarbeitenden selber geschrieben.
Ein Blick auf die Google-Bewertungen bestätigt das. Seit Anfang September kamen mehrere Dutzend Maximal-Bewertungen rein. Davon stammen gut zwei Dutzend von Mitarbeitenden von Localsearch, wie einfache Recherchen auf Google aufzeigen.
Massnahmen gegen miese Bewertungen
Dahinter soll die Firma selber stecken. So schreibt ein User auf der Job-Bewertungsplattform Kununu.com: «Mitarbeiter werden aufgefordert, fünf Sterne beim Google-Eintrag zu setzen, da die Bewertungen so unterirdisch sind.» Mindestens zwei weitere User schreiben Ähnliches über ihre Job-Erfahrung mit Localsearch.
Die Swisscom-Tochter streitet ein solches Vorgehen ab. «Weder verlangen wir so etwas, noch fordern wir dazu auf», sagt Localsearch-Sprecher Harry Meier zu 20 Minuten. Die auffällige Ansammlung von 5-Sterne-Bewertungen auf Google sei aber eine Folge von Massnahmen, die die Firma eingeleitet habe.
«Bewertungen stammen von motivierten Mitarbeitern»
«Wir haben vor wenigen Wochen eine Initiative für mehr positive Kundenbewertungen gestartet», so Meier.
Wie eine Kundenumfrage gezeigt habe, seien viele Kunden zufrieden. «Um diese Kunden auf die Möglichkeit einer Rezension hinzuweisen, gibt unser Aussendienst nach einem Kundenbesuch einen kleinen Flyer ab mit der Bitte, uns auf Google zu bewerten.»
Und wie kommt es zu den Fake-Berichten von Mitarbeitenden? Laut Meier habe man diese «grosse Initiative» intern auf verschiedenen Kanälen kommuniziert. Es sehe danach aus, dass mehrere Bewertungen von motivierten Mitarbeitern stammen, die sich für die Reputation der Firma einsetzen wollten. «Wir hätten die Mitarbeitenden aber bei der Bewertungs-Thematik explizit ausschliessen sollen. Das haben wir nicht gemacht.»
«Mitarbeitende stehen unter Druck»
Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, geht davon aus, dass solche Fake-Bewertungen häufig sind. «Es handelt sich um ein einfaches und schnelles Mittel, wenn man unter schlechten Bewertungen leidet. Fake-Bewertungen sind deshalb verlockend», sagt er auf Anfrage.
Fake-Bewertungen von eigenen Mitarbeitenden widersprechen aber den Google-Richtlinien und sind nicht zulässig. Solche Bewertungen könnten gar als unlauterer Wettbewerb angesehen werden. «Das müsste aber eine Staatsanwaltschaft oder ein Gericht klären», so Steiger. Dafür bräuchte es eine Klage oder einen Strafantrag, was selten sei.
Firmen schaffen Anreize
Zwar forderten die Firmen ihre Mitarbeitenden oft nicht explizit dazu auf, Bewertungen zu schreiben. Doch viele Arbeitgeber schafften mit ihrer Kommunikation Anreize dafür. Hinzu kommt laut Steiger, dass für verkaufsorientierte Firmen wie Localsearch Bewertungen im Netz besonders wichtig sind. «Die Mitarbeitenden stehen unter Druck, ihre Produkte zu verkaufen, und benötigen dafür gute Bewertungen bei Google.»
Localsearch will gegen die Fake-Berichte auf Google vorgehen. «Natürlich haben wir bereits eine interne Kommunikation dazu veranlasst und die betroffenen Mitarbeiter gebeten, ihre Rezension zu löschen», sagt Firmen-Sprecher Harry Meier.
Das ist Localsearch
Localsearch ist vor allem bekannt für seine beiden Online-Verzeichnisdienste Local.ch und Search.ch. Die Marke Localsearch gehört zur Swisscom-Tochter Directories. Die Firma ist Marketing- und Werbepartner für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Schweiz. Einem Coiffeur-Salon kann Localsearch beispielsweise eine einfache Lösung bieten, um ein Termin-Buchungssystem in seiner Webseite zu integrieren. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich hat rund 800 Mitarbeitende.
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