Mutmasslicher Bombenbauer 34 Jahre nach Anschlag inhaftiert

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Lockerbie, SchottlandMutmasslicher Bombenbauer 34 Jahre nach Anschlag inhaftiert

Ein libyscher Staatsbürger, der die Bombe für den Lockerbie-Anschlag 1988 gebaut haben soll, ist nach Angaben der schottischen Justiz in den USA in Haft genommen worden.

270 Menschen kamen am 21. Dezember 1988 beim Anschlag auf ein Flugzeug der PanAm-Airline ums Leben.
Die Maschine des Fluges 103 von London nach New York explodierte über der schottischen Kleinstadt Lockerbie. 
Der beschuldigte Bombenbauer war mutmasslich auch am Anschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle» im Jahr 1986 beteiligt. Damals wurden zwei US-Soldaten und eine türkische Frau getötet.
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270 Menschen kamen am 21. Dezember 1988 beim Anschlag auf ein Flugzeug der PanAm-Airline ums Leben.

imago images / ZUMA Press

Darum gehts

  • Im Dezember 1988 explodierte über der Kleinstadt Lockerbie in Schottland ein Passagierflugzeug.

  • Auf den Flug 108 von London nach New York wurde ein Bombenanschlag verübt, bei dem 270 Menschen ihr Leben verloren.

  • Nun, 34 Jahre nach der Tat, wurde der mutmassliche Bombenbauer in Gewahrsam genommen und soll bald vor Gericht kommen.

«Die Familien der Opfer des Lockerbie-Anschlags haben erfahren, dass sich der verdächtigte Abu Agila Mohammed Masud in den Vereinigten Staaten in Gewahrsam befindet», teilte die schottische Staatsanwaltschaft am Sonntag mit.

Unter welchen Umständen Masud an die USA überstellt wurde, blieb unklar. Als vor zwei Jahren gegen ihn in den USA Anklage erhoben wurde, befand er sich in Libyen in Haft – wegen seiner mutmasslichen Beteiligung an dem Anschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle» im Jahr 1986, bei dem zwei US-Soldaten und eine türkische Frau starben. Der britische Sender BBC hatte im vergangenen Monat berichtet, Masud sei von einer libyschen Miliz entführt worden. In den USA und Schottland wird seit Jahren gegen Masud ermittelt. Der frühere libysche Geheimagent steht im Verdacht, damals die Bombe für den Lockerbie-Anschlag gebaut zu haben. Er soll zudem einer der führenden Bombenbauer des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi gewesen sein.

Passagierflugzeug explodierte über Kleinstadt

Der Lockerbie-Anschlag war der folgenschwerste Anschlag, der jemals auf dem Gebiet des Vereinigten Königreichs verübt wurde. Libyen hatte im Jahr 2003 die Verantwortung dafür übernommen und 2,7 Milliarden Dollar (etwa 2,3 Milliarden Euro) Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer gezahlt.

Bei dem Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug vor 34 Jahren waren 270 Menschen getötet worden, unter ihnen 190 US-Bürger. Die PanAm-Maschine war am 21. Dezember 1988 unterwegs von London nach New York, als sie über der schottischen Kleinstadt Lockerbie explodierte.

Interview hat Ermittlungen vorangetrieben

Bislang wurde nur ein Mensch wegen des Lockerbie-Anschlags verurteilt: 2001 erhielt der frühere libysche Geheimdienstoffizier Abdelbaset Mohamed al-Megrahi eine lange Haftstrafe, kam aber 2009 aus medizinischen Gründen aus einem schottischen Gefängnis frei und starb 2012 in der libyschen Hauptstadt Tripolis.

Ein Durchbruch bei den Ermittlungen kam, als US-Vertreter 2017 ein Exemplar eines Interviews erhielten, das der Mann 2012 libyschen Strafverfolgungsbehörden gab. Der langjährige Sprengstoffexperte des libyschen Geheimdienstes war nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi in Gewahrsam genommen worden. In dem Interview räumte er nach US-Angaben den Bau der Bombe ein und sagte, er habe mit zwei weiteren Personen zusammengearbeitet, um den Anschlag auszuführen. Der Anschlag sei vom libyschen Geheimdienst angeordnet worden, habe er erklärt und gesagt, nach dem Anschlag habe Gaddafi ihm und anderen Mitgliedern des Teams gedankt, heisst es in einer beglaubigten Erklärung der US-Bundespolizei FBI in dem Fall.

«Die schottische Staatsanwaltschaft und die Polizei werden in Zusammenarbeit mit der britischen Regierung und den US-Kollegen die Ermittlungen fortsetzen», betonte sie. Ziel sei es, alle vor Gericht zu bringen, die mit dem bislang einzigen wegen des Anschlags Verurteilten, dem Libyer Abdel Bassit al-Megrahi, zusammengearbeitet hätten. 

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