Gazastreifen«Essen seit zwei Monaten Tierfutter»: Augenzeuge beschreibt Massaker
Israelische Soldaten sollen auf Menschen geschossen haben, die auf Hilfsgüter warteten. Mehr als 100 Menschen kamen demnach ums Leben.
Darum gehts
Israelische Soldaten sollen das Feuer auf Palästinenser eröffnet haben, die auf Hilfslieferungen warteten.
Mindestens 104 Menschen seien ums Leben gekommen, etwa 760 seien verletzt worden.
Das israelische Militär erklärte, Dutzende Menschen seien getötet und verletzt worden, weil sie «geschubst, niedergetrampelt oder von den Lastwagen überfahren» worden seien.
Israelische Soldaten haben nach Darstellung von Augenzeugen am Donnerstag in der Stadt Gaza das Feuer auf Palästinenser eröffnet, die auf Hilfslieferungen warteten. Dabei kamen nach Darstellung des Hamas-Gesundheitsministeriums im Gazastreifen mindestens 104 Menschen ums Leben, etwa 760 seien verletzt worden. Augenzeugen sagten, israelische Soldaten hätten das Feuer eröffnet, als Menschen sich Mehl und Konservendosen von Lastwagen gegriffen hätten.
Das israelische Militär erklärte, Dutzende Menschen seien getötet und verletzt worden, weil sie «geschubst, niedergetrampelt oder von den Lastwagen überfahren» worden seien. Aus israelischen Kreisen verlautete allerdings auch, Soldaten hätten das Feuer eröffnet, als die Menge bedrohlich auf sie zugekommen sei.
«Wir essen seit zwei Monaten Tierfutter»
Der Augenzeuge Kamel Abu Nahel sagte, er und andere seien mitten in der Nacht zu einer Verteilungsstelle gegangen, weil sie gehört hätten, dass Lebensmittel geliefert würden. «Wir essen seit zwei Monaten Tierfutter», sagte er. Israelische Soldaten hätten auf die Menschenmenge geschossen. Einige Menschen hätten sich unter Autos versteckt.
Nachdem die Schüsse aufgehört hätten, seien sie zu den Lastwagen zurückgekehrt, sagte Nahel. Die Soldaten hätten wieder geschossen. Ihm sei ins Bein geschossen worden und er sei gestürzt. Dann sei ein Lastwagen über sein Bein gefahren, als das Fahrzeug davongerast sei. Nahel wurde wegen einer Schussverletzung im Schifa-Spital behandelt. Alaa Abu Daija, ein weiterer Augenzeuge, sagte, israelische Soldaten hätten das Feuer eröffnet. Ein Panzer habe eine Granate abgefeuert.
Der amtierende Direktor des Al-Adwa-Spitals, Mohammed Salha, sagte, in seine Klinik seien 161 Verletzte eingeliefert worden. Die meisten von ihnen hätten offenbar Schusswunden. Weil der Treibstoff für den Betrieb von Notstromaggregaten zur Neige gehe, könnten nur die nötigsten Operationen vorgenommen werden.
Angriff in Gaza ist «abscheuliches Verbrechen»
Das Hamas-Gesundheitsministerium bezeichnete das Vorgefallene als Massaker. Spitalvertreter hatten zunächst von einem israelischen Angriff gesprochen.
Das Nachbarland Ägypten hat den Vorfall als «abscheuliches Verbrechen» verurteilt. «Es ist ein abscheuliches Verbrechen, friedliche Zivilisten anzugreifen, die sich beeilen, ihren Anteil an humanitären Hilfen zu erhalten», hiess es in einer Mitteilung, die das ägyptische Aussenministerium veröffentlichte. «Es ist ein eklatanter Verstoss gegen internationales Recht und das humanitäre Völkerrecht und zeigt zudem Missachtung für die Unantastbarkeit von Menschenleben.»
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Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858
Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK, Tel. 058 400 47 77
Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
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