ZinsentscheidSchweizerische Nationalbank erhöht Leitzins auf ein Prozent
Die Leitung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat sich in Bern zur geldpolitischen Lagebeurteilung getroffen. Sie hat den Leitzins auf ein Prozent erhöht.
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Warum geben viele Banken die höheren Zinsen nicht an Kundschaft weiter?
«Das ist eine Entscheidung jeder einzelnen Bank», sagt Jordan. Die Banken stünden im Wettbewerb untereinander, und die SNB wolle sich bei diesem Thema nicht einmischen, so Jordan. Dass die Depositensätze nicht 1:1 und sofort ansteigen, sei aber nicht verwunderlich. Langfristig werde der Wettbewerb dafür sorgen, dass sich die Zinssätze da einpendeln, wo es sinnvoll sei.
Wie würde sich die Inflation ohne die neue Leitzinserhöhung entwickeln?
«Ohne Leitzinserhöhung würde sich die Inflation über die Zeit wieder erhöhen», sagt Jordan. Die Teuerung würde auf einen Horizont von vier bis acht Monaten wieder ansteigen, weil dann die Geldpolitik zu expansiv wäre. Der neue Zinsentscheid wirke nicht sofort, so Jordan.
Bild aus Bern

Die SNB informiert in Bern über ihre Zinserhöhung.
SNBBargeld einschränken?
Die SNB-Führung spricht sich gegen eine Einschränkung des Bargelds in der Schweiz aus. Auch die 1000er-Note soll es weiterhin geben.
Löhne und Lohn-Preis-Spirale
Steigen die Preise, erhalten Konsumentinnen und Konsumenten weniger für ihr Geld. Sie verlangen dann höhere Löhne, um ihren Lebensstandard halten zu können. Um diese zu bezahlen, erhöhen Firmen ihre Preise. So entsteht eine sogenannte Lohn-Preis-Spirale.
«Wie gross ist das Risiko dafür in der Schweiz?», fragt ein Journalist. Jordan sagt, dass man die Lohn-Preis-Spirale zwar «nicht aus dem Auge lassen könne», das Risiko dafür aber eher gering sei. Schlegel ergänzt, dass die SNB nicht für die Festlegung der Löhne in der Schweiz verantwortlich sei. Bei einer Lohn-Preis-Spirale müsste die Bank aber reagieren.
Frage zur Credit Suisse
«Ist die Credit Suisse (CS) noch sicher?», fragt ein Journalist. «Das kommentieren wir grundsätzlich nicht», sagt Jordan – und äussert sich dann doch. Man begrüsse die strategische Transformation der CS und sei zuversichtlich, dass die Restrukturierung erfolgreich sein werde.

Inflationsprognose der SNB

SNB zu Hypotheken und Mehrfamilienhäuser
Sowohl bei den Hypothekarkrediten als auch bei den Preisen für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sei das Wachstum über die letzten Quartale weitgehend unverändert geblieben, während bei den Preisen für Mehrfamilienhäuser Anzeichen einer Verlangsamung sichtbar seien. Die SNB werde die Entwicklung auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin genau beobachten, schreibt die Bank in ihrer Medienmitteilung.
Grosse Unsicherheit
Wie für das Ausland unterliege auch die Prognose für die Schweiz grosser Unsicherheit, so die SNB. Negativ auswirken könnten sich insbesondere ein starker konjunktureller Einbruch im Ausland oder eine ausgeprägte Energieknappheit im Inland.
Bruttoinlandsprodukt wächst 2022 um zwei Prozent
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz dürfte dieses Jahr um zwei Prozent wachsen. Die schwächere Nachfrage aus dem Ausland und die hohen Energiepreise dürften jedoch die Wirtschaftsaktivität im kommenden Jahr merklich dämpfen. Vor diesem Hintergrund erwartet die Nationalbank für 2023 noch ein BIP-Wachstum von rund 0,5 Prozent.
Positive Lage am Arbeitsmarkt
Am Arbeitsmarkt blieb die Lage positiv. Die Beschäftigung in der Schweiz wuchs weiter, und die Arbeitslosigkeit nahm nochmals leicht ab. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten waren bis zuletzt gut ausgelastet, wie die SNB sagt.
Andréa Mechler übernimmt
Nun spricht die SNB-Direktorin Andréa Mechler.

SNB spricht über Bargeld
Wenn die Zinsen tief oder negativ seien, sei es nicht attraktiv, Bargeld zu halten, sagt die SNB. Darum erhöhe sie nun die Zinsen. Seit Juni gebe es einen Rückgang im Notenumlauf, so die SNB. Seit Anfang des Jahres sei die Nachfrage nach kleinen Noten wieder gestiegen. Die SNB untersuche nun, wie sich die Nutzung von Bargeld verändere. Die Ergebnisse wolle die Bank im Frühling vorstellen, so SNB-Direktoriumsmitglied Martin Schlegel.

SNB verkauft Devisen
Die SNB habe in den letzten Monaten Devisen verkauft, um der Inflation entgegenzuwirken, sagt Jordan.
«Für eine Entwarnung ist es zu früh»
«Für eine Entwarnung ist es zu früh», sagt Jordan. Es bestehe die Gefahr, dass die Inflation in der Schweiz mittelfristig erhöht bleiben könne. Das Ziel der SNB sei, die Inflation zurück zur Preisstabilität zu bringen.
Medienkonferenz beginnt
Nun beginnt die Medienkonferenz in Bern.

Verhaltene Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz
Das Szenario der SNB für die Weltwirtschaft unterliege bedeutenden Risiken, sagt die Bank. Die Energiesituation in Europa könne sich abermals verschärfen. Gleichzeitig könnte sich die hohe Inflation verfestigen und nochmals stärkere geldpolitische Reaktionen im Ausland erfordern. Auch die Corona-Pandemie bleibe ein Risiko für die Weltwirtschaft.
In der Schweiz nahm das BIP im dritten Quartal annualisiert um ein Prozent zu. Damit blieb die Wirtschaftsdynamik ähnlich verhalten wie in den Vorquartalen. Während sich viele Dienstleistungsbranchen günstig entwickelten, ging die Wertschöpfung in der Industrie erneut leicht zurück.
Inflation wird nicht so schnell verschwinden
Die SNB erwartet in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft, dass diese herausfordernde Situation vorerst bestehen bleibt. So dürfte das globale Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen schwach ausfallen, und die Inflation bleibt vorläufig erhöht. Mittelfristig sollte die Inflation im Ausland aber wieder auf moderatere Niveaus zurückkehren, nicht zuletzt aufgrund der vielerorts zunehmend strafferen Geldpolitik, so die SNB.
Nicht nur die SNB strafft die Geldpolitik
Die globale Wachstumsdynamik habe sich weiter verlangsamt, schreibt die SNB. Gleichzeitig liege die Inflation in vielen Ländern merklich über den Zielwerten der Zentralbanken. Darum hätten auch andere Zentralbanken ihre Geldpolitik weiter gestrafft.
SNB geht weiter von hoher Teuerung aus
«Die Teuerung dürfte vorerst erhöht bleiben», schreibt die Bank. Ende Jahr soll sie bei drei Prozent liegen. Die neue Inflationsprognose beruhe auf der Annahme, dass der Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei einem Prozent liegt. Bis Anfang 2023 liege die Prognose aufgrund des etwas tieferen Erdölpreises unterhalb derjenigen von September.
Ab Mitte 2023 sei die neue Prognose höher als die vom September. Dann soll die Inflation noch bei 2,1 Prozent liegen. Die Gründe für die leichte Anhebung der Prognose sind der stärkere inflationäre Druck aus dem Ausland und die breiten Preiserhöhungen über die verschiedenen Güterkategorien im Konsumentenpreisindex.
Gemäss neuer Prognose beträgt die Inflation im Jahresdurchschnitt 2,9 Prozent für 2022, 2,4 Prozent für 2023 und 1,8 Prozent für 2024.
Inflation im November bei 3 Prozent
Die Inflation ist über die letzten Monate leicht zurückgegangen. Im November lag sie bei drei Prozent. Dennoch bewege sich die Inflation weiterhin «deutlich oberhalb des Bereichs, den die SNB mit Preisstabilität gleichsetzt», schreibt die Bank in ihrer Medienmitteilung.
Abgestufte Verzinsung
Die Zinsänderung gilt ab 16. Dezember. Ab dann verzinst die SNB Sichtguthaben der Banken bis zu einer bestimmten Limite mit einem Prozent. Für Guthaben unter der Limite gibt es 0,5 Prozent Zins. So stelle man sicher, dass die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinsen nahe beim SNB-Leitzins liegen, so die Bank.
Weitere Zinserhöhungen sind nicht ausgeschlossen
«Es ist nicht auszuschliessen, dass zusätzliche Zinserhöhungen nötig sein werden, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten», schreibt die SNB in ihrer Medienmitteilung. Um für «angemessene monetäre Bedingungen» zu sorgen, sei man zudem bereit, bei Bedarf in den Devisenmarkt einzugreifen.