«70 Prozent ansteckender»Neue Corona-Mutation – Niederlande verbieten Flüge aus Grossbritannien
Millionen Menschen müssen in London und Südostengland an Weihnachten zu Hause bleiben. Die Regierung hat die Restriktionen deutlich verschärft – der Grund ist eine Mutation des Coronavirus. Die Niederlande verbieten derweil Flüge aus Grossbritannien.
Darum gehts
In Südengland breitet sich eine neue Variante des Coronavirus aus.
Grossbritannien hat deshalb einen neuen Lockdown für die Hauptstadt London verhängt.
Die Niederlande lassen Flugpassagiere aus dem Vereinigten Königreich nicht mehr einreisen.
Wegen der raschen Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus in Grossbritannien hat die Regierung einen neuen Lockdown für die Hauptstadt London verhängt. Die kürzlich entdeckte Variante sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, sagte Premierminister Boris Johnson am Samstag vor Journalisten in London. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.
«Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst», sagte Johnson. Auch eine höhere Sterblichkeit sei durch die Virus-Variante VUI2020/12/01 bisher nicht festgestellt worden. Der oberste wissenschaftliche Regierungsberater Patrick Vallance betonte, dass im Dezember 60 Prozent der Neuinfektionen in London die neue Variante betroffen hätten. «Sie breitet sich rasch aus und ist dabei, die dominierende Variante zu werden», sagte er.
Höchste Warnstufe in London
Wegen der Ausbreitung verschärfte die Regierung die Corona-Restriktionen etwa in London deutlich: Für Millionen Menschen fallen Weihnachtsfeiern mit Familien und Freunden nun aus. «Wenn das Virus seine Angriffsmethode ändert, müssen wir unsere Verteidigungsmethode ändern», sagte Johnson. «Ohne diese Massnahmen, darauf deuten die Zeichen hin, werden die Infektionszahlen in die Höhe schnellen, Spitäler würden überfordert sein und weitere Tausende Menschen werden ihr Leben verlieren.»
Statt drei Corona-Warnstufen gibt es künftig vier – in die höchste fallen ausser der Hauptstadt auch noch andere Regionen im Südosten. Dort dürfen die Bewohner nur noch aus wichtigen Gründen ihre Wohnung verlassen, etwa um zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen. Auch zu Weihnachten dürfe man keine Angehörigen anderer Haushalte treffen, betonte Johnson. «Wir opfern die Möglichkeit, unsere Lieben dieses Weihnachten zu sehen, damit wir eine bessere Chance haben, ihr Leben zu schützen, damit wir sie bei zukünftigen Weihnachten sehen können.»
«Hin und Her der Regierung alles andere als hilfreich»
Alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte sowie andere Einrichtungen wie Fitnessstudios, Friseure, Kinos oder Schönheitssalons müssen schliessen. Einwohner der höchsten Corona-Stufe 4 dürfen diese Zone nicht verlassen. Der Handelsverband BRC warnte vor schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft. «Für Unternehmen ist das Hin und Her der Regierung alles andere als hilfreich», sagte Verbandschefin Helen Dickinson. Die Entscheidung falle mitten in die wichtigste Phase des Einzelhandels vor Weihnachten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht mit Grossbritannien in engem Kontakt. Das twitterte die WHO in der Nacht zu Sonntag. Die britischen Behörden würden weiter Informationen und Ergebnisse ihrer Analysen und Studien teilen. «Wir werden die Mitgliedstaaten und die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten, sobald wir mehr über die Merkmale dieer Virusvariante und deren Auswirkungen erfahren.» Derweil werde geraten, weiter alle Schutzmassnahmen zu ergreifen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.
Niederlande verbieten Flüge
Nach der Entdeckung der neuen Variante des Coronavirus in Grossbritannien wollen die Niederlande Flugpassagiere aus dem Vereinigten Königreich nicht mehr einreisen lassen. Das Verbot des Flugverkehrs mit Passagieren aus dem Vereinigten Königreich werde ab Sonntag zunächst bis zum 1. Januar gelten, teilte die niederländische Regierung am frühen Sonntagmorgen mit. Das Institut für Umwelt und Gesundheit RIVM habe empfohlen, die Einschleppung dieses Virusstammes aus dem Vereinigten Königreich so weit wie möglich zu begrenzen, indem die Reisebewegungen aus dem Vereinigten Königreich so weit wie möglich eingeschränkt oder kontrolliert würden. Auf dieser Grundlage habe das Kabinett den Beschluss gefasst, den Flugverkehr auszusetzen.
Bereits Anfang Dezember sei bei einer Stichprobe in den Niederlanden ein Virus mit der im Vereinigten Königreich beschriebenen Variante identifiziert worden, hiess es weiter. Nach der Meldung aus Grossbritannien werde dieser Fall weiter untersucht und geprüft, wer betroffen sei, wie es zu der Infektion gekommen sei und ob verwandte Fälle bekannt seien.
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