Atomenergie: Klimaschützer fühlen sich von neuer Pro-AKW-Bewegung verraten

Aktualisiert

Neue KlimabewegungGrün und pro AKW – Schweizer Klima-Aktivisten wittern Verrat

Eine Gruppe europäischer Klimaaktivisten fordert den Ausbau der Atomenergie. Greenpeace, die Jungen Grünen und der Klimastreik zeigen sich konsterniert und enttäuscht.

Eine Gruppe europäischer Klimaaktivisten fordert den Ausbau der Kernkraft. Greenpeace solle ihre Kampagne gegen Atomenergie stoppen.
«Die Jungen Grünen sprechen sich klar gegen Kernenergie aus», sagt Magdalena Erni, Co-Präsidentin der Jungpartei.
Jonas Kampus ist ein bekanntes Gesicht des Klimastreiks. Die Organisation habe keine offizielle Position zur Atomenergie, er selbst argumentiert jedoch dagegen.
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Eine Gruppe europäischer Klimaaktivisten fordert den Ausbau der Kernkraft. Greenpeace solle ihre Kampagne gegen Atomenergie stoppen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Eine Gruppe europäischer Klimaaktivisten hat eine Petition gestartet, in der sie Greenpeace zum  Stopp ihrer Kampagne gegen Kernkraft aufruft. Diese sei sauber und karbonfrei.

  • Greenpeace wehrt sich dagegen. Atomenergie sei keine grüne Energie.

  • Auch die Jungen Grünen und der Klimastreik halten wenig von der Forderung. Die Diskussion um Atomenergie lenke vom Ausbau der Erneuerbaren ab.

Eine Gruppe europäischer Klimaaktivisten um die junge Schwedin Ia Aanstoot startete diese Woche eine Petition. Das Sonderbare: Sie richtet sich gegen die Umweltorganisation Greenpeace. Unter dem Titel «Dear Greenpeace» fordern sie den Stopp der Kampagne gegen Atomenergie.

Stattdessen solle die Kernenergie ausgebaut werden. Greenpeace sei in der Vergangenheit stecken geblieben und bekämpfe saubere, karbonfreie Kernenergie. In Deutschland habe die Abstellung der Kernkraftwerke beispielsweise zu einer viel höheren Nachfrage an Kohle geführt.

Rund 30 Prozent der in der Schweiz verbrauchten Energie wird im Inland produziert. Die vier AKW, welche noch in Betrieb sind, produzieren davon 29 Prozent. Die hierzulande bekannten Klima-Organisationen zeigen sich verärgert ob der Argumentation von Aanstoot.

Greenpeace wehrt sich

Die Schweizer Abteilung von Greenpeace stellt sich entschieden gegen einen Ausbau der Atomenergie, auch wenn man grossen Respekt habe vor «den Klimaaktivisten und -aktivistinnen, die alles tun wollen, um die Klimakrise zu bewältigen», wie es auf Anfrage heisst.

«Atomenergie auszubauen, ist schlicht keine praktikable Lösung.» Oberste Priorität müsse es sein, die Treibhausgasemissionen so schnell und idealerweise so günstig wie möglich zu senken. «Die Atomkraft versagt in beiden Punkten.»

Lange Bauzeiten und Umweltprobleme

Angesichts der langen Bauzeit eines Atomreaktors und der verschiedenen Verfahren, die vor dem Baubeginn durchgeführt werden müssen, sei es heute unrealistisch, dass eine neue Atomanlage in der Schweiz vor 2040 gebaut werden könnte.

Auch sei Atomenergie keine grüne Energie und bringe eine ganze Reihe von Umweltproblemen mit sich, darunter radioaktive Abfälle, Uranabbau, hoher Wasserverbrauch und Warmwassereinleitungen, die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen.

Junge Grüne sind gegen Kernenergie

Die Jungen Grünen zeigen sich ebenfalls konsterniert ob der Forderung von Aanstoot. «Die Jungen Grünen sprechen sich ganz klar gegen Kernenergie aus. Diese ist teuer und zudem alles andere als nachhaltig», sagt Magdalena Erni, Co-Präsidentin der Jungpartei.

Erni plädiert zum einen darauf, den Energieverbrauch zu senken. Dies zum Beispiel durch stromsparendere Geräte und bessere Gebäudeisolation. «Zum anderen solle die Produktion von erneuerbarer Energie ausgebaut werden.» Dabei verweist sie auf die von den Grünen kürzlich initiierte Solar-Initiative, welche auch bei den Jungen Grünen auf Zustimmung stosse.

«Die Diskussion um Atomenergie lenkt ab»

Der Klimastreik Schweiz habe keine offizielle Position zur Atomenergie, meint Jonas Kampus, ein bekanntes Gesicht der Organisation. Er selbst argumentiert gegen den Zubau von Atomenergie. Bis neue Kernkraftwerke in Betrieb genommen werden könnten, würde es Jahrzehnte dauern. Die Treibhausgasemissionen müssten aber sofort massiv reduziert werden.

«Die Diskussion um Atomenergie lenkt davon ab, dass Wind- und Solarenergie als nicht gefährliche und erneuerbare Energien jetzt rasch ausgebaut werden müssen», findet er.

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