Steigende JugendgewaltNoch nie haben Minderjährige so oft versucht, mit Messern zu töten
Gewalt mit Messern nimmt zu – insbesondere von jungen und minderjährigen männlichen Tätern. Noch nie versuchten Minderjährige so oft mit Messern zu töten, wie letztes Jahr.
Ein Vorfall von vielen: Im Mai dieses Jahres gehen 15- bis 18-Jährige vor dem Coop in Wädenswil aufeinander los. Ein 16-Jähriger wird durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt.
Video: Salvatore IulianoDarum gehts
In diesem Jahr gab es bereits zahlreiche Vorfälle mit Jugendlichen, die Messer einsetzten.
Seit 2017 nehmen versuchte oder effektive Tötungen durch Minderjährige mit Schneid- oder Stichwaffen zu.
Auch bei schweren Körperverletzungen ist bei Minderjährigen eine stetige Zunahme zu beobachten.
Mitte Mai eskaliert ein Streit zwischen Jugendlichen in Wädenswil. Im Verlauf des Streits wird ein 16-Jähriger durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt. Zwei Monate später ein ähnliches Bild: Auf der Chinawiese in Zürich wird der 16-jährige R. angegriffen, ein Täter rammt ihm ein Messer ins Bein. Im Luzernischen Geuensee kommt es Ende September zu einem blutigen Streit. Der 20-jährige A.N.* kommt dabei ums Leben: Ein Messerstich in den Oberkörper tötet ihn.
Ebenfalls Ende September artet ein Gang-Konflikt in Lausanne aus, ein 20-Jähriger wird getötet, ein 21-Jähriger schwer verletzt. «Es ist gefährlich geworden, heute sind mehr Waffen im Spiel», sagt ein Gang-Mitglied gegenüber SRF. Waren es früher «nur» Schlägereien, würden heute öfter Messer eingesetzt. Die jüngste Messerstecherei ereignet sich am letzten Samstag am Bahnhof Stadelhofen: Zwei junge Männer werden mit Stichwaffen schwer verletzt.
Versuchte Tötung mit Messern durch Minderjährige auf Höchststand
Seit 2017 nehmen versuchte oder effektive Tötungen durch Minderjährige mit Schneid- oder Stichwaffen zu. Verzeichnete die Kriminalstatistik 2017 noch lediglich drei Fälle, waren es 2020 36. Der bisherige Höchstwert seit 2009 lag bei 13 im Jahr 2011. Bei den 18- bis 24-Jährigen hatten Tötungsdelikte von 2009 bis 2015 tendenziell abgenommen. Dann hat sich der Trend umgekehrt: 2020 wurden mit 39 mehr als doppelt so viele Tötungsdelikte verzeichnet als 2015 (19). Auch bei den 18- bis 24-Jährigen ist ein Anstieg zu verzeichnen, er fällt aber nicht so extrem aus wie bei den minderjährigen Täterinnen und Tätern. Insgesamt sprang die Zahl der Tötungsdelikte von unter 24-Jährigen zwischen 2019 und 2020 von 32 auf 75 – mehr als eine Verdoppelung.
Auch bei schweren Körperverletzungen ist bei Minderjährigen eine stetige Zunahme zu beobachten – von 57 Fällen 2016 zu 111 Fällen 2020. Lediglich 2010 gab es annähernd so viele Fälle schwerer Körperverletzungen von Minderjährigen. Auffallend bei all diesen Zahlen: Zwischen 2019 und 2020 stiegen die Delikte jeweils sprunghaft an. Das zeigt sich auch bei Raubdelikten mit Messern. Sie nahmen in einem Jahr von 287 auf 359 zu.
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