«Ohne Schutz droht die Netzhaut zu verbrennen»

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Sonnenfinsternis«Ohne Schutz droht die Netzhaut zu verbrennen»

Die Sonnenfinsternis rückt näher – Augenärzte warnen vor möglichen Gefahren. Zwei von ihnen erklären, wie man sich richtig schützt.

Fee Riebeling
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Fee Riebeling
So gehts: Wer die Sonnenfinsternis ohne Risiko beobachten will, sollte sich eine Spezialbrille zulegen.
Wer keine bekommt, kann sich auch mithilfe von Karton, Bleistift und Papier eine Art Lochkamera basteln und die Verdunkelung der Sonne indirekt beobachten.
Nicht generell zu empfehlen sind Schweisserbrillen - weder für Menschen noch für Tiere.
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So gehts: Wer die Sonnenfinsternis ohne Risiko beobachten will, sollte sich eine Spezialbrille zulegen.

Keystone/AP/Joel Ryan

Vor der Sonnenfinsternis an diesem Freitag melden sich Augenärzten auf allen Kanälen zu Wort: Bloss nicht ohne Spezialbrille in die Sonne gucken, warnen sie. Doch warum ist das Betrachten der Sonne gerade am Freitagvormittag so gefährlich?

«Normalerweise hält uns das grelle Licht der Sonne davon ab, diese anzustarren», sagt Niklas Winkler von der Augenklinik des Universitätsspital Zürich. Das sei bei einer Finsternis aber nicht der Fall. Weil der Mond Teile der Sonne verdeckt, nimmt die Lichtmenge auf der Erde ab. «Das gilt jedoch nicht für die unsichtbaren UV-Strahlen und das Infrarotlicht, die trotz der Verdunkelung ins Auge gelangen und dort grossen, oft irreparablen Schaden anrichten können», so Winkler. So könnten Verbrennungen der zentralen Netzhaut entstehen, die einen Verlust der Sehschärfe mit sich bringen.

Deshalb sollten sich alle, die sich das rare Spektakel nicht entgehen lassen wollen, eine spezielle Sonnenfinsternis-Brille besorgen. Deren Gläser sind in der Regel metallbedampft und filtern – sofern sie unbeschädigt sind – die gefährlichen Strahlen heraus. In jedem Fall sollten Fans der Sonnenfinsternis auf die CE-Kennzeichnung achten, erklärt Netzhautspezialist Andreas Ebneter vom Inselspital Bern: «Nur dann ist der Schutz gewährleistet.» Das Bundesamt für Gesundheit rät auch dazu, ältere oder gar beschädigte Spezialbrillen von früheren Finsternissen nicht zu verwenden, das sie nicht mehr genügend wirksam sein könnten.

So gehts ohne Brille

Das Problem: Vielerorts heisst es bereits «ausverkauft!». Auf das Erlebnis Sonnenfinsternis muss deshalb jedoch niemand verzichten, da sind sich Winkler und Ebneter einig. Sie raten allen, die punkto Schutzbrille leer ausgehen, sich eine Art Lochkamera zu basteln. Alles was es dafür braucht sind ein Stück Karton, ein Bleistift und ein Blatt Papier. Anstatt direkt ins Sonnenlicht zu spähen, kann dieses durch ein rundes Kartonloch von drei bis fünf Millimetern Durchmesser auf eine weisse Fläche projiziert werden. Die Verdunklung der Sonne kann anschliessend laufend auf der Projektionsfläche verfolgt werden.

Von allen anderen Hilfsmitteln, zu denen unter anderem im Internet geraten wird, sollte man hingegen die Finger lassen, denn: «Nicht nur gewährleisten geschwärztes Glas, übereinander getragene Sonnenbrillen, Filmrollen oder CDs keinen sicheren Schutz, sondern sie können das Risiko eines dauerhaften Augenschadens sogar deutlich erhöhen», so Ebneter. So würden sie zwar das Licht im sichtbaren Spektrum grösstenteils herausfiltern, aber gleichzeitig auch für eine Erweiterung der Pupillen sorgen. Auf diese Weise könne mehr der unsichtbaren schädlichen Strahlung ins Auge gelangen.

Sie arbeiten in einem Optikergeschäft oder in einer Apotheke und haben noch Sonnenfinsternis-Brillen vorrätig? Dann tragen Sie sich in unserem Formular ein, damit wir die Information mit der Leserschaft teilen können.

So gelingt das perfekte Foto

Denken sie daran, niemals ohne Schutz durch den Kamerasucher in die Sonne zu schauen. Machen sie das Foto «blind» und kontrollieren sie es anschliessend auf dem Display.

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