«Oklahoma ist in den Herzen der Oberstetter verankert»

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Oberstetten SGWarum steht auf einem Schweizer Ortsschild offiziell Oklahoma?

Die Ortstafel in Oberstetten SG trägt offiziell den Zweitnamen Oklahoma. Bis heute gibt es einige Theorien, wie es zum Namen kam. Doch ganz genau weiss es keiner. Auch die Gemeinde gibt sich zurückhaltend.

Der Zweitname Oklahoma ziert offiziell die Ortstafel von Oberstetten.
Wie es zu der Bezeichnung kam, weiss keiner so genau.
Ein Gerücht besagt, dass ein Käserknecht wegen Minderwertigkeitskomplexen das Dörfchen erstmals als Oklahoma bezeichnet hat.
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Der Zweitname Oklahoma ziert offiziell die Ortstafel von Oberstetten.

Josef Bischof, hallowil.ch

Darum gehts

  • Die Ortstafel in Oberstetten trägt den Zweitnamen Oklahoma.
  • Niemand weiss genau, wie es zu diesem Namen kam.
  • Ein Gerücht besagt, dass ein Käserknecht erstmals von Oklahoma gesprochen hat.
  • Die Oberstetter stört es nicht, dass das Geheimnis nie gelüftet wurde, da sonst der Charme verloren gegangen wäre.

«Wie Oberstetten zum Namen Oklahoma kam, war schon immer ein Geheimnis. Natürlich gibt es einige Gerüchte, doch das Dorf ging diesen Gerüchten nie wirklich nach, sonst wäre es ja nicht mehr spannend gewesen», erzählt Thomas Stricker, Verwaltungsleiter der Gemeinde Uzwil, zu der das Dorf Oberstetten gehört. Er wolle nicht, das Oberstetten den Charme, den es durch dieses Geheimnis gewonnen habe, verliere. Früher hätten sich die Leute sogar umgedreht, wenn jemand nach dem Geheimnis gefragt habe. Für die Oberstetter sei es aber auch nie wirklich wichtig gewesen, den wahren Grund für den amerikanischen Zweitnamen herauszufinden. Der Fakt, dass Oberstetten ein kleines, aber selbstbewusstes Dorf sei, sei ihnen viel wichtiger.

Man wisse jedoch, dass der Name das erste Mal in den 80er-Jahren an der Ortstafel angebracht worden sei. «Anscheinend ist das ganze ein Katz-und-Maus-Spiel gewesen. Die Leute haben den Namen abgekratzt und wieder draufgeschrieben, das lief eine gewisse Zeit so», erklärt Stricker. Es habe sich schliesslich nicht gehört, einen Ortsnamen einfach so umzubenennen. Offiziell anerkannt wurde der Name dann im Jahr 2001, als man in Oberstetten Strassennamen eingeführt habe. So wurde die eigentliche Hauptstrasse zur Oklahomastrasse. «Der Name war im ganzen Dorf bekannt und hatte eine grosse Bedeutung unter den Bewohnern, also entschieden wir uns für den Namen», so Stricker. Probleme bei der Bewilligung des Strassennamens habe es nicht gegeben. «Ich denke, die Dorfbewohner waren ein wenig überrascht, als der Vorschlag tatsächlich genehmigt wurde, ein Kampf war es aber nie», so Stricker.

Oklahoma gehört mittlerweile zur Dorfkultur

Auch heute sei der Name in Oberstetten noch sehr präsent, berichtete das Medium «Hallowil.ch». Was mit einer lustigen Idee anfing, ging in die Dorfkultur ein. Der Name sei mittlerweile ein selbstverständlicher Teil von Oberstetten. «Ich denke, Oklahoma ist in den Herzen der Oberstetter verankert», so Stricker.

Objektiv könne man Oberstetten jedoch nicht mit Oklahoma vergleichen. Das kleine Dorf der Gemeinde Uzwil sei viel historischer und landwirtschaftlicher. Der Name sei jedoch auch nie durch eine objektive Vergleichbarkeit entstanden, sondern durch gewisse Leute, die eine Verbundenheit mit Oklahoma verspürt hätten. Das Geheimnis, wie Oberstetten zum Namen Oklahoma kam, bleibt also weiterhin ein Geheimnis, was das kleine Dörfchen zu etwas ganz Speziellem macht.

Der Oklahoma-Club

Der Name Oklahoma ist seit Jahren nicht mehr von Oberstetten wegzudenken. Mittlerweile gibt es sogar einen Oklahoma-Club. Der wurde von Erika Schönenberger gegründet. Jedes Jahr organisiert der Club den Maibummel, den 1. August-Funken, einen Fondue-Plausch, ein Jass-Turnier und den Samichlaus-Besuch im Wald. Sogar T-Shirts macht der Club selber. Auch die Oberstetter Alphorn-Spieler passen sich dem Namen an. Sie nennen sich Oklahoma-Alphorner.

Eine Theorie besagt jedoch, dass der Name Oklahoma durch einen Minderwertigkeitskomplex entstand. Niederstetten konnte vor rund 50 Jahren nämlich von sich behaupten, einen Fussballclub zu besitzen. Oberstetten hingegen hatte nichtszu bieten, heisst es im Artikel von «hallowil.ch». Ein Käserknecht habe sein Dörfchen deshalb nicht als Oberstetten bezeichnet, sondern von Oklahoma City gesprochen. Auch den rund 100 Einwohnern schien der neue Name zu gefallen. Denn es wird gemunkelt, dass einst vor langer Zeit einige Bürger im Restaurant Sonne beschlossen haben, ihr Dorf fortan Oklahoma zu nennen.

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