Sexismus-Vorwürfe: Frauenzentrale erzielt Erfolg gegen Erotik-Plakat

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Pfungen ZH«Wir gingen extra noch mit Filzstift Bikinis aufmalen»

In Pfungen ZH hing ein Erotikplakat mit teilweise nackten Frauen – die Frauenzentrale Zürich rief zum Protest auf. Mit Erfolg: Die Reklame verschwand kurz darauf. Ein Sprecher des Bordells nimmt Stellung.

Objekt der Empörung war dieses Plakat in Pfungen ZH von einem Erotikclub.
Die Frauenzentrale forderte ihre Mitglieder auf, bei der Lauterkeitskommission eine Beschwerde einzureichen.
Obwohl der Entscheid der Lauterkeitskommission noch aussteht, war es für die Frauenzentrale ein Erfolg: Das Plakat wurde bald darauf entfernt.
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Objekt der Empörung war dieses Plakat in Pfungen ZH von einem Erotikclub.

Privat

Darum gehts

  • Die Frauenzentrale Zürich protestierte gegen ein Bordell-Plakat in Pfungen ZH mit vielen Frauen und einigen nackten Brüsten.

  • Mitglieder wurden aufgefordert, bei der Lauterkeitskommission Beschwerden einzureichen.

  • Das Plakat wurde nach rund 100 Beschwerden entfernt.

  • Das Bordell sagt, die Kampagne sei ganz normal ausgelaufen und nicht früher beendet worden.

Im Dezember 2024 erhielt die Frauenzentrale Zürich einen Anruf. Einer Juristin war ein Plakat an einer belebten Strasse in Pfungen ZH aufgefallen, an der auch Kinder vorbeigehen.

Die Werbung für den Globe Club in Schwerzenbach, einem Bordell, zeigte über 25 Frauen in Masken und Dessous – sechs Frauen waren oben ohne. Die Ombudsstelle hatte eine Beschwerde der Juristin mit der Begründung abgelehnt, alles sei im gesetzlichen Rahmen. «Gut, dass sie sich an uns gewandt hat», schreibt die Frauenzentrale in einem Post vom Januar.

Mitglieder instruiert, wie Beschwerde gemacht wird

Die Organisation aktivierte daraufhin nämlich ihre Mitglieder. «Die Frauenzentrale Zürich konnte und wollte dieses Beispiel für die Sexualisierung und Objektifizierung von Frauen im öffentlichen Raum nicht hinnehmen», schreibt Kommunikationsleiterin Alexandra Müller im Blog. Der Gemeinderat in Pfungen habe nichts unternehmen wollen. Auch die Plakatvermarktungsfirma habe «frustrierend» reagiert: «Unser Ansprechpartner zeigte sich völlig uneinsichtig und lehnte jede Verantwortung ab.»

Also hat die Frauenzentrale seinen Mitgliedern klare Anweisungen gegeben, wie man eine Beschwerde bei der Lauterkeitskommission einreicht. «Wir ermutigten alle, aktiv zu werden», so Müller.

In den Beschwerden solle erklärt werden, warum das Plakat nicht nur anstössig, sondern auch ein Symbol für die fortschreitende Respektlosigkeit gegenüber Frauen in der Werbung ist.

Das Plakat war bald darauf verschwunden

Die Mitglieder der Frauenzentrale deckten die Lauterkeitskommission (SLK) daraufhin mit 100 Beschwerden wegen Sexismus ein. Die Lauterkeitskommission hatte den Club Globe dann zu einer Stellungnahme aufgefordert.

In ihrem Tätigkeitsbericht, den sie am Montag veröffentlichte, schreibt die Lauterkeitskommission, sie habe «noch nie so viele Beschwerdeverfahren geführt wie im vergangenen Jahr».

Für die Frauenzentrale hat sich der Aufwand gelohnt: Das Plakat sei dann innert Kürze verschwunden.

«Kampagne ist ganz normal ausgelaufen»

Gegenüber 20 Minuten sagt Ingo Heidbrink (60), der juristische Vertreter des Bordells, dass er das Plakat überhaupt nicht anstössig fand. «Wir haben das Sujet der Plakatfirma eingegeben und die hat ja mehr Erfahrung als wir. Sie meinte, das sei okay.» Mit solch einem Aufruhr habe der Club Globe nicht gerechnet.

Jemand vom Club Globe sei dann noch vor Ort gegangen und habe bei den nackten Brüsten Bikinis aufgemalt.

Jemand vom Club Globe sei dann noch vor Ort gegangen und habe bei den nackten Brüsten Bikinis aufgemalt.

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Aber: «Wir gingen dann extra noch mit schwarzem Filzstift Bikinis aufmalen.» Eingeknickt sei das Bordell aber nicht, man habe die Kampagne auch nicht vorzeitig beendet. «Sie ist ganz normal ausgelaufen», sagt Heidbrink.

Er sehe das Problem nicht. «Heutzutage laufen alle halb nackt herum. Und es gibt eine Bikiniwerbung in einem Dorf, an der ich immer wieder vorbeifahre, die sieht seit 30 Jahren etwa aus wie unsere Werbung. Und da hat sich bisher auch noch niemand daran gestört.»

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