Pressekonferenz«Mission von Dutti erfüllt»: So erklärt die Migros den Mega-Abbau
Die Migros will 1500 Stellen abbauen. Hotelplan, Melectronics und SportX sollen verkauft werden. An einer Pressekonferenz sprachen die Migros-Manager über die Abbaupläne.
Darum gehts
1500 Stellen fallen bei der Migros weg.
Das Unternehmen will sich auf sein Kerngeschäft fokussieren.
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Die Abbaupläne
Die Migros-Spitze um Genossenschaftsbund-Präsident Mario Irminger trat am Freitagvormittag vor die Presse und sprach über den grössten Abbau ihrer Geschichte:
Die Migros wolle sich stärker aufs Kerngeschäft fokussieren und dafür SportX, Melectronics, Hotelplan und die Industrietochter Mibelle verkaufen. Die Migros ist auf Käufersuche.
Weitere Veräusserungen sind möglich.
Bei Bestsmile kommt es ebenfalls zu Schliessungen.
1500 Stellen fallen weg, bei welchen Unternehmen lasse sich noch nicht sagen.
Unklar ist, was mit den 6500 Angestellten passiert, die bei den zu verkaufenden Tochterfirmen arbeiten.
Überraschungen könne es immer geben, sagt Migros-Chef Irminger, so wie bei Globus, dem verkauften Warenhaus, das jetzt um die Zukunft bangt.
Ende
Damit ist die Pressekonferenz vorbei. Schön, warst du dabei.
Migros Supermarkt
Was ist mit der Migros Supermarkt AG?
Irminger: «Von den bis zu 1500 Stellen, die es zu streichen gibt, ist ein Teil darunter berücksichtigt.»
Salamitaktik?
Wird es weiteren Abbau geben?
Irminger: «Wir wollen keine Salamitaktik, sondern heute kumuliert informieren. Aber es kann natürlich noch zu kleinen Anpassungen kommen.»
Bestsmile
Was ist mit dem Abbau bei Bestsmile?
Gruber: «Wir haben zu schnell expandiert, wir werden bestimmte Standorte schliessen, um die Kosten zu reduzieren. Aber Bestsmile ist ein Teil unserer Gesundheitsstrategie.»
Zukunft von 6500 Angestellten
Hoffen Sie darauf, dass die 6500 Angestellten der Firmen, die veräussert werden sollen, von selbst gehen?
Wunderlin: «Nein, unter keinen Umständen, das sind erfolgreiche Geschäfte und wir sind angewiesen auf diese Leute.»
Ein Sanierungsfall?
Ist die Migros ein Sanierungsfall?
Irminger: «Die 500 Millionen sind eine absolut materielle Wertberichtigung. Der Reingewinn wird aber positiv sein. Die Migros hat über 17 Milliarden Franken Eigenkapital, wir haben eine sehr solide finanzielle Basis. Aber wir müssen uns auch den Bedingungen stellen, um auch in den nächsten 20 Jahren erfolgreich zu sein.»
«Wir haben die Mission von Dutti erfüllt»
Mit Hotelplan schneiden Sie ein Stück der DNA der Migros ab. Hat das eine Rolle gespielt?
Gruber: «Wir haben die Mission von Dutti erfüllt, heute steht Hotelplan ganz anders da mit einem internationalen Team, als führender Ferienhausanbieter in Europa, das hat nicht mehr viel mit Dutti zu tun. Er war ein Pionier, das heisst auch, dass man loslässt.»
Wie bei Globus?
Wie wollen Sie sicherstellen, dass den Firmen nicht so ein Schicksal wie Globus droht, das nun um seine Existenz bangt?
Irminger: «Wir wollen in der Wahl der Käufer sehr sorgfältig sein, aber alle hier wissen, dass es immer wieder Überraschungen geben kann.»
Fachmärkte
Werden Sie auch alle Fachmärkte zusammen verkaufen?
Irminger: «Es gibt niemanden, der interessiert ist, alle Fachmärkte zu übernehmen, weil die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind.»
Kann Coop übernehmen?
Wie lange wollen Sie die Verkäufe prüfen und könnte auch Coop übernehmen?
Irminger: «Wir wollen bis Mitte Jahr die Verkäufe der Fachmärkte prüfen. Als mögliche Interessenten sind alle willkommen, dazu würde auch Coop gehören.»
Mögliche Hotelplan-Käufer
Wer könnte Hotelplan kaufen?
Irminger: «Die Frage nach möglichen potenziellen Interessenten stellt sich heute nicht. Wir wollten zuerst heute Morgen um neun Uhr die Mitarbeitenden informieren und anschliessend die Öffentlichkeit.»
Der stationäre Handel verliert
Wie viele Mitarbeiter sind bei den zu veräussernden Firmen?
Nold: «Das sind 6500, aber wir gehen davon aus, dass die vom Käufer übernommen werden.»
Irminger: «Wir müssen die Migros als ein Marktunternehmen betrachten, das den veränderten Bedingungen ausgesetzt ist. Die 1500 Stellen sind eine Schätzung. Das ist relevant. Der stationäre Handel verliert massiv an Gewicht. Die Migros ist aber auch Eigentümerin von Digitec Galaxus, wir haben also beide Seiten.»
Wo gibts Stellenabbau?
Bei welchen Unternehmen fallen die Stellen weg?
Irminger: «Das können wir heute nicht klar sagen, es kommt sehr darauf an, wer der Käufer ist. Bei Mibelle oder Hotelplan sollte es nicht zu einem grossen Stellenabbau kommen, aber wenn jemand SportX oder Melectronics übernimmt, verfügt er vielleicht schon über eigene Systeme und eine eigene Logistik.»
Fragen
Jetzt beginnt die Fragerunde.
Angst und Wut
Ursula Nold: «Der Stellenabbau ist leider unvermeidlich. Es gibt Angst, Wut, aber auch endlich Klarheit. Wir sind für die Angestellten da, die ihre Stelle verlieren werden.»
Migros prüft Vorwürfe gegen Ex-Manager
Ursula Nold spricht über Medienberichte über Signa-Deals des Ex-Migros-Managers Ernst Dieter Berninghaus und seiner Frau. «Davon wussten wir nichts. Wir haben eine Anwaltskanzlei beigezogen, um zu prüfen, ob es Verstösse gegeben hat.»
«Die Mibelle ist über die Migros hinausgewachsen»
Jetzt spricht der neue Leiter der Migros-Industrie Matthias Wunderlin: «Die Mibelle ist ein fantastisches Unternehmen. In den letzten zehn Jahren ist es vor allem im Ausland stark gewachsen. Die Mibelle ist über die Migros hinausgewachsen. Wir haben uns deshalb für den Verkaufsprozess entschieden. Wir trennen uns aber schweren Herzens. Die Mibelle ist seit über 90 Jahren in der Migros. Wir werden uns für den Verkauf Zeit nehmen.»
Hotelplan erfüllt den Grundgedanken von Gottlieb Duttweiler nicht mehr
Jetzt spricht Michel Gruber, Hotelplan-Chef: «Hotelplan hat im letzten Jahr ein ausserordentlich starkes Ergebnis geleistet. Wir konnten das Ergebnis um 21 Prozent steigern. Das freut mich sehr. Hotelplan ist sehr gut positioniert. Eine Veräusserung ist trotzdem die bessere Lösung. Es gibt eine Verschiebung zu grossen Plattformen. Grösse wird immer wichtiger. Gottlieb Duttweiler hat Hotelplan gegründet, um dem kleinen Mann Ferien zu ermöglichen und Schweizer Hotels zu unterstützen. Heute ist aber über die Hälfte der Reisen ins Ausland und von ausländischen Kunden. Deshalb gibt es für Hotelplan bessere Alternativen als die Migros. Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden werden.»
Wertberichtigung von 500 Millionen Franken
Irminger: Die Migros-Gruppe wird für das vergangene Jahr trotz Wertberichtigung von 500 Millionen Franken einen Gewinn ausweisen.
Für SportX und Melectronics wird der Verkaufsprozess gestartet
Irminger weiter: «Die Migros ist nicht mehr in jedem Fall für alle Firmen die geeignete Eigentümerin. Wir werden sorgfältig nach neuen Eigentümern für Hotelplan und Mibelle suchen. Für die Mitarbeiter und die Kunden ändert der Verkaufsprozess nichts.»
«Die Fachmärkte sind stark unter Druck. Sie sind in keinem ihrer Geschäfte die Nummer eins. Der Verwaltungsrat will bis Mitte 2024 die Zukunftsfähigkeit jedes Fachformats analysieren. Dazu gehört auch die Suche nach neuen Eigentümern. Für SportX und Melectronics wird der Verkaufsprozess gestartet. Für die Angestellten und Kundinnen und Kunden ändert sich nichts.»
«Über die gesamte Gruppe rechnen wir mit einem Abbau von 1500 Stellen. Die Migros wird die betroffenen Mitarbeiter aktiv unterstützen, um eine neue Beschäftigung zu finden.»
Jetzt spricht der Migros-Chef
Migros-Chef Mario Irminger sagt: «Unser Geschäft ist sehr komplex zu führen. Wir wollen Vereinfachungen realisieren. Wir werden die Komplexität reduzieren. Es kommt dem Kunden zu Gute, wenn wir einfacher werden. Der Gewinn bei der Migros ist nicht Selbstzweck. Was übrig bleibt, investieren wir wieder ins Angebot. Die Migros will in den kommenden fünf Jahren rund acht Milliarden Franken investieren, unter anderem in günstigere Preise, in die Supermärkte, in ein neues Ladenkonzept für Denner, in den Ausbau des Onlinegeschäfts und in die Migros-Industrie.»
«Unser Erfolg kommt dem ganzen Land zu Gute»
Nold weiter: «Die Supermarkt AG ist seit Januar operativ tätig. Heute wollen wir die weiteren Entscheide kommunizieren. Wir wollen die führende Position erhalten und Angebote für alle Preislagen bieten. Unser Erfolg kommt dem ganzen Land zu Gute.»
Migros verbucht Rekordumsatz
«Die Gremien der Migros-Gruppe haben zukunftsgerichtete Entscheide gefällt», sagt Ursula Nold, Präsidentin der Verwaltung des Migros-Genossenschaftsbunds. «Wir spüren die starken Veränderungen wie alle Unternehmen, ob bei der Geopolitik, der Technologie und den veränderten Lebensweisen der Menschen. Unsere Aufgabe ist es, dass sich die Migros als Genossenschaft zukunftsbereit vorbereitet. Wir wollen die Nummer eins im Schweizer Detailhandel weiter stärken. Der Umsatz 2023 konnte wiederum positiv steigen, das ist auf den Erfolg in den Kerngeschäftsfeldern zurückzuführen.»