Gazprombank-Prozess: Prozess gegen vier Gazprom-Banker – Einzelrichter fällt heute Urteil

Livetickeraktualisiert am Donnerstag, 30. März, 2023

Gazprombank-ProzessGazprom-Banker sind schuldig: Einzelrichter verurteilt die vier Banker zu bedingten Geldstrafen

Vier Banker der Gazprombank Schweiz sollen im Umgang mit einem Bankkunden Sorgfaltspflichten verletzt haben. Brisant: Der Kunde gilt als enger Freund von Wladimir Putin. Heute fällt der Einzelrichter sein Urteil.

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Donnerstag, 30.03.2023

«Das Verschulden der Beschuldigten wiegt schwer.»

Die Beschuldigten sind nicht vorbestraft, deshalb steht eine Geldstrafe im Vordergrund. «Das Verschulden der Beschuldigten wiegt schwer.» Sie hätten aber nur eventualvorsätzlich gehandelt, darum gab es eine Strafreduktion. So sei man auf die 180 Tagessätze bei drei der vier Banker gekommen. Der vierte wurde zu einer leicht tieferen Strafe von 120 Tagessätzen verurteilt. Alle vier Verteidiger melden Berufung an das Obergericht an. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich über das Urteil zufrieden. Damit ist der Prozess beendet.

Über das Urteil zeigt sich der Staatsanwalt zufrieden.

Über das Urteil zeigt sich der Staatsanwalt zufrieden.

Stefan Hohler

Kundenbeziehung individuell abklären

Jede Kundenbeziehung müsse individuell abgeklärt werden. Die Beschuldigten hätten aufgrund der hohen Vermögenswerte von über zehn Millionen Franken hinterfragen müssen, ob die Angaben zur Herkunft der Gelder plausibel sind, sagt er Einzelrichter.

Der CEO der Gazprombank (Schweiz) hätte Recherchen bezüglich des Einkommens und der Vermögenswerte von Sergei Roldugin machen müssen. «Es bestehe kein Zusammenhang mit seinem Beruf als Cellist und als Mitinhaber an einem des grössten russischen Medienunternehmens.» Auch die drei anderen Beschuldigten hätten vertiefte Abklärungen bezüglich der Gelder von Sergei Roldugin unterlassen.

Banker haben Sorgfaltspflicht verletzt

Für das Gericht ist zweifellos erstellt, dass der Cellist Sergei Roldugin nicht der wirtschaftlich Berechtigte an den Konten war. Die Gazprom-Banker hätten trotz Ungereimtheiten nicht abgeklärt, wer der wirtschaftlich Berechtige ist und somit die Sorgfaltspflicht verletzt.

Einzelrichter verurteilt die Beschuldigten zu bedingten Geldstrafen

Das Gericht hat die vier Beschuldigten schuldig gesprochen und sie zu bedingten Geldstrafen von einmal 120 und dreimal 180 Tagessätzen zu 350, 400, 500 und 3000 Franken verurteilt. Die Anwälte werden Berufung ans Obergericht machen, dies haben sie schon im Vorfeld des Prozesses gesagt.

Mittwoch, 29.03.2023

Darum gehts

Drei Russen und ein Schweizer sind wegen mangelnder Sorgfalt bei Finanzgeschäften angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Bankern vor, dass dem russischen Cellisten und Dirigenten Sergei Roldugin auf zwei Bankkonten zwischen 2014 bis 2016 Dividenden von Firmenbeteiligungen in der Höhe rund 30 Millionen Franken überwiesen wurden. Die Banker hätten merken müssen, dass der Musiker unmöglich der tatsächliche wirtschaftlich Berechtigte an den Vermögenswerten war. Der Staatsanwalt hat bedingte Freiheitsstrafen von je sieben Monaten verlangt. Sergei Roldugin gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin und ist Taufpate von dessen erster Tochter Maria.

Die vier Beschuldigten haben sich am Prozess anfangs März nicht geäussert. Ihre Anwälte forderten Freisprüche. Gerade die enge Beziehung des Musikers zu Putin sei ein möglicher Grund, dass Sergei Roldugin zu Firmenbeteiligungen und Vermögen gekommen ist, was für einen gewöhnlichen Bürger nicht möglich ist. «Diese Günstlingswirtschaft ist zwar verwerflich, aber nicht Gegenstand der Untersuchung», sagte einer der Anwälte.

Die Anklage stütze sich auf die Enthüllung der sogenannten Panama-Papers im Jahr 2016. Die Gazprombank in Zürich wurde letzten Herbst geschlossen. Die drei russischen Beschuldigten arbeiten heute noch dort bei Abwicklung der Schliessung. Der Schweizer ist bei einer anderen Bank beschäftigt. Die vier Beschuldigten sind zwischen 42 und 56 Jahre alt und Familienväter. Die Russen wohnen seit vielen Jahren in der Schweiz. Einer der Banker sagte, dass eine Verurteilung das Ende seiner Karriere sei und zöge einen riesengrossen persönlichen Schaden nach sich.

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