ZürichPussy Riot urinieren am Theater Spektakel auf Putin-Portrait
Die Aktivistinnen aus Russland lehnen sich seit Jahren gegen das Regime Putins auf. Am Sonntag setzten sie am Zürcher Theater Spektakel ein weiteres Ausrufezeichen.
Darum gehts
Seit Donnerstag bietet das Zürcher Theater Spektakel auf der Landiwiese der internationalen Kunst- und Performance-Szene eine Bühne – nun schon zum 43. Mal. Am Sonntag hatte auch das feministische Punk-Kollektiv Pussy Riot einen Auftritt. Die Frauen fallen seit Jahren mit aufsehenerregenden Aktionen gegen das Regime Putins auf und wurden immer wieder festgenommen und gebüsst. Kurz nach Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine verliessen sie ihr Heimatland und starteten eine Europa-Tour, die nun auch in Zürich Halt machte.
Auf der Bühne in der ausverkauften Werfthalle erzählten vier Aktivistinnen der Gruppe in einer Performance ihre Geschichte. In 75 Minuten zeichneten sie die zahlreichen Proteste seit 2011 nach, erzählten von Verhaftungen, Gefängnisaufenthalten und Hungerstreiks. Die Band, die kürzlich über sieben Millionen Franken für die Ukraine sammelte, berichtete von der Brutalität und der Unterdrückung politischer Gegner in Russland – und davon, wie sie jederzeit wieder im Gefängnis landen könnten.
«Jeder ist Pussy Riot»
Von Angst war vor Ort jedoch nichts zu spüren: «Wenn du nichts falsch gemacht hast, vor was solltest du dich fürchten?», schrien die Frauen mehrmals ins Publikum. Auch dieses wurde mit einbezogen: So überschüttete das Kollektiv die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Wasser, während auf einer Leinwand im Hintergrund die auf russisch gesprochenen Parolen übersetzt wurden.
Immer wieder tauchte folgender Satz auf: «Jeder ist Pussy Riot». Die Gruppe, die in wechselnder Besetzung bei Protesten und Aktionen auftritt, betont damit, dass sich jederzeit Aktivistinnen und Aktivisten anschliessen können, aber auch, dass jede und jeder eine Stimme hat und sie nutzen sollte.
Ihre Performance schliesst die Aktivistengruppe mit einem klaren Statement: «We stand with Ukraine» – «Wir stehen mit der Ukraine» – und einem Aufruf: «Was ihr hier tun könnt, sind vollständige Sanktionen auf russisches Öl und Gas, denn dieser Krieg wird mit westlichem Geld finanziert.»
Kollektiv spendet Merchandise-Erlös an Kinderspital
In erster Linie sei Pussy Riot ein Performance-Kollektiv und als solches beim Theater Spektakel «goldrichtig», sagt der künstlerische Leiter Matthias von Hartz. Seit den Anfängen habe die Gruppe mit künstlerischen Aktionen gegen das Putin-Regime protestiert. «Dass ihre Arbeit durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine nun eine neue Brisanz bekommen hat, ist eine traurige Realität.»
Den Künstlerinnen und Künstlern von Pussy Riot sei es ein grosses Anliegen, mit der Tournee ihre Solidarität mit der Ukraine zu bekunden. So werde etwa die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf von Merchandise an das Kinderspital in Kiew gespendet, so von Hartz. «Sicherlich möchte die Gruppe damit Reaktionen hervorrufen – und das Publikum aufrütteln.»
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