Parlamentarier in der Pflicht«Das Rahmenabkommen zu beenden war ein Verfassungsbruch»
Ein emeritierter Rechtsprofessor spricht Klartext und wirft dem Bundesrat vor, gegen die Verfassung verstossen zu haben, als er die Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der EU für beendet erklärt hat.
Darum gehts
Am 26. Mai erklärte der Bundesrat die Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der EU für beendet.
Das habe gegen die Verfassung verstossen, sagt nun der emeritierte Rechtsprofessor Thomas Cottier. Das Parlament hätte dem Abbruch der Gespräche zustimmen müssen.
Der Entscheid müsse korrigiert werden – beispielsweise mittels einer parlamentarischen Untersuchungskommission, so Cottier.
Der Bundesrat habe «seine Kompetenzen überschritten», als er die Verhandlungen zum Rahmenabkommen am 26. Mai eigenmächtig beendete. Das schreibt der emeritierte Rechtsprofessor Thomas Cottier in einer soeben publizierten Studie. Der ehemalige Direktor des Worldtrade-Instituts der Uni Bern ist Spezialist für internationales Wirtschaftsrecht und führte für die Schweiz Verhandlungen mit der WTO.
Der Professor wirft dem Bundesrat vor, Artikel der Bundesverfassung und des Parlamentsgesetzes verletzt zu haben, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Parlament und Volk hätten ein Mitspracherecht gehabt.
National- und Ständerat stünden nun in der «Pflicht», den Entscheid zu korrigieren. Als mögliches Instrument nennt Cottier die schärfste Waffe des Parlaments: eine parlamentarische Untersuchungskommission PUK. Cottier argumentiert, der bundesrätliche Entscheid gehe über das Rahmenabkommen hinaus. «Er bewirkt das Ende des bilateralen Weges. Eine staatsleitende Entscheidung dieser Tragweite bedarf verfassungsrechtlich der Zustimmung des Parlaments.»
My 20 Minuten
Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!