BaselRentnerin kauft sechs Jacken von Trickbetrüger
Anna Lutz (88) ist sauer: Ein Trickbetrüger verwickelte ihren an Alzheimer erkrankten Mann auf der Strasse in ein Gespräch und schwatzte dem Paar überteuerte Kleider auf.
«Ich weiss alles noch haargenau, bis ins kleinste Detail», sagt Anna Lutz. Die 88-Jährige wurde Ende April Opfer eines Trickbetrügers, der ihr und ihrem Ehemann sechs Jacken aufschwatzte, wofür sie 1200 Franken bezahlte. Wert sind die Jacken aber nur einen Bruchteil des Betrages. Sie sei nicht leichtgläubig, betont Lutz. Gegen Telefonbetrügereien ist die rüstige Pensionärin gefeit: Sie kennt solche Maschen aus den Nachrichten. Und ihr Gatte war schliesslich Kommissär bei der Polizei.
Das alles nützte aber nichts, als ihr Mann am 24. April in der Clara-Migros von einem Unbekannten angesprochen wurde. Ihr Mann leidet an Alzheimer. Der Unbekannte gab sich gegenüber dem 90-Jährigen als ehemaliger Arbeitskollege aus. «Er duzte ihn und sie redeten über die Polizei. Ich dachte wirklich, es sei ein Ex-Kollege», erzählt Lutz. Er habe aufgehört bei der Polizei, erzählte der Mann, und betreibe nun eine Kleiderfabrik in Spanien. Als Andenken wolle er dem Ehepaar zwei Jacken schenken. Sie folgten ihm zu seinem Auto.
«Sie haben sicher noch mehr Geld»
Sie könnten die Jacken unmöglich nach Hause tragen, sagte der Mann dort: Er fahre sie. Danach stand der gepflegte Herr mit italienischem Akzent plötzlich in der Wohnung des Ehepaars. Dort wollte er ihnen dann zehn Jacken andrehen. Eine allein koste sonst über 3000 Franken, er gebe ihnen aber alle für nur 1500 Fr. «Er bedrängte uns richtig», erzählt Lutz. Als sie 1000 Franken holte, fuhr sie der Mann an: «Sie haben sicher noch mehr im Portemonnaie. Gehen sie nochmal schauen.» Sie kramte weitere 200 Franken hervor. Dafür bekam sie sechs Jacken, der Mann zog ab. Am gleichen Tag noch stellte sie bei der Polizei Anzeige.
Gemäss Kriminalkommissär René Gsell werden immer wieder ähnliche Vorfälle angezeigt. «Es gibt diverse Vorgehensweisen, wie Betrüger Druck auf ältere Menschen ausüben, um an ihr Geld zu kommen», sagt Gsell. Von einer Häufung könne derzeit aber nicht die Rede sein.
Betrüger suchen gezielt Senioren
Auch Andreas Blaesi von der Kriminalprävention der Basler Kantonspolizei bestätigt: «Es ist enorm, welchen Druck die Täter teilweise auf ältere Leute ausüben.» Mit seinem Team geht er regelmässig in Altersheime oder Senioren-Treffs, um die älteren Leute auf die Maschen potenzieller Betrüger hinzuweisen. «Das Feedback ist durchwegs positiv», sagt Blaesi. Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat zum Thema auch eine Präventions-Broschüre veröffentlicht. Diese enthält Verhaltenstipps, um etwa Enkeltrick-Betrüger oder Trickdiebe auflaufen zu lassen.
Anna Lutz kann noch immer kaum glauben, wie dreist der «Gangster» vorgegangen ist. «Ich hoffe, dass so etwas nicht noch anderen passiert.» Nach dem Vorfall wurde sie sofort aktiv und warnte über einen Aushang in der Nachbarschaft vor dem Trickbetrüger.
Doch dieser ist wohl längst weitergezogen. Zwei Tage nach dem Vorfall klingelte bei Anna Lutz das Telefon. «Du weisst doch, wer ich bin», sagte ein Mann. Anna Lutz legte auf.