Bluewalker 3: Riesiger Satellit wird heller als jeder Stern

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Bluewalker 3Riesiger Satellit wird heller als jeder Stern

Das US-Unternehmen AST Spacemobile will künftig an jedem Ort der Welt Handyempfang bieten. Dafür will es gigantische Satelliten in die Umlaufbahn schiessen. Astronomen sind besorgt.

Der Testsatellit Bluewalker 3 ist 64 Quadratmeter gross.
Zusammengeklappt wurde der Satellit am 11. September 2022 …
… mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ins All transportiert.
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Der Testsatellit Bluewalker 3 ist 64 Quadratmeter gross.

AST Spacemobile

Darum gehts

Vergangenes Wochenende transportierte eine Falcon-9-Rakete des US-Unternehmens SpaceX den 1,5 Tonnen schweren Satelliten Bluewalker 3 in eine niedrige Erdumlaufbahn. Dabei handelte es sich um einen Testsatelliten für ein geplantes weltraumbasiertes Mobilfunknetz für herkömmliche Smartphones. Dahinter steht die texanische Firma AST Spacemobile, die damit in Zukunft an jedem noch so abgelegenen Ort der Welt Mobilfunkempfang ermöglichen will.

Die Ausmasse von Bluewalker 3 sind eindrücklich. Sind die Antennen einmal ausgeklappt, wird der Satellit 64 Quadratmeter gross sein. Grösser war bisher kein kommerzieller Satellit in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Damit dürfte der Satellit aufgrund des Sonnenlichts, das davon reflektiert wird, heller als jeder Stern am Nachthimmel leuchten. Einzig der Mond und die Internationale Raumstation ISS dürften noch heller sein, berichtet das Wissenschaftsmagazin «New Scientist» (Bezahlartikel).

Hundert Riesensatelliten

Doch Bluewalker 3 ist nur der Anfang. Im Endausbau soll das Netzwerk mehr als 100 Satelliten, Bluebirds genannt, umfassen. Diese Satelliten sollen noch einmal deutlich grösser sein. Das «New Scientist» spricht von doppelter Grösse. Diese enorme Anzahl riesiger heller Satelliten beunruhigt Astronominnen und Astronomen weltweit.

Auch Professor Thomas Schildknecht vom Astronomischen Institut der Universität Bern äussert sich besorgt: «Die Wahrscheinlichkeit, dass eine astronomische Messung, zum Beispiel ein Bild, durch eine Satellitenspur beeinträchtigt oder sogar ruiniert wird, steigt mit dem Aufkommen von sogenannten Megakonstellationen dramatisch an.»

Er bemängelt, dass das Bewusstsein für die Problematik den Satellitenbetreibern, Regulierungsbehörden und internationalen Organisationen bis vor kurzem fehlte,  aber den gleiche Stellenwert erhalten sollte wie die Eindämmung des Weltraumschrotts. Inzwischen seien Forderungen zur Eindämmung der «Verschmutzung» des Nachthimmels durch Strahlung im optischen und im Radiobereich beim Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums der UNO eingereicht worden. Zudem habe die Internationale Astronomische Union für diese Problematik eine eigene Organisation gegründet.

Für Schildknecht muss die Bewahrung eines unverfälschten Nachthimmels als Erbe der Menschheit oberste Priorität erhalten. «Es geht darum, dass Satelliten, die in grosser Zahl gestartet werden, nicht von blossem Auge sichtbar sein sollten. Es gibt sehr wohl technische Möglichkeiten dies zu erreichen. SpaceX hat mit den Starlink-Satelliten gezeigt, dass dies mittels technischer und operationeller Massnahmen erreicht werden kann», so der Astronom.

Stören dich helle Satelliten wie diejenigen von Starlink?

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