SBB und Swiss streben Personal-Sharing statt Entlassungen an

Publiziert

Piloten als LokführerSBB und Swiss streben Personal-Sharing statt Entlassungen an

Um einen Personalengpass bei den Lokführern zu verhindern, will die SBB nun mit der Swiss zusammenspannen. Das dürfte eine Win-win-Situation sein, da den Swiss-Angestellten aufgrund der Pandemie Entlassungen drohen könnten.

Der starke Passagierrückgang aufgrund der Corona-Pandemie trifft die Flugbranche hart.
Die Swiss rechnet frühestens 2024 mit einer Erholung der Passagierzahlen.
Piloten der Swiss könnten dafür bald bei der SBB als Lokführer im Einsatz sein.
1 / 6

Der starke Passagierrückgang aufgrund der Corona-Pandemie trifft die Flugbranche hart.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Bei der SBB könnten bald Swiss-Piloten in der Lokführer-Kabine sitzen.
  • Die beiden planen ein mögliches Personal-Sharing.
  • Man wolle so versuchen, Entlassungen zu verhindern.

Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche stark verändert. Besonders die Aviatik leidet unter den Folgen der Pandemie. Die Anzahl internationaler Flüge ist stark eingebrochen. Den Airlines drohen weltweit Entlassungen, so auch der Swiss. Eine Erholung der Passagierzahlen erwartet die Airline frühestens 2024.

Da die SBB mit einem Personalmangel bei Lokführern zu kämpfen hat, will sie nun mit der Swiss zusammenspannen und erörtern, ob die Piloten bald anstatt im Cockpit in der Führerkabine der SBB-Züge Passagiere sicher von A nach B bringen könnten. Das schreibt die «Luzerner Zeitung» am Samstag.

Auch wenn die Lufthansa-Tochter nach eigenen Angaben versuchen möchte, Entlassungen zu vermeiden, hat der Swiss-Chef Thomas Klühr bereits angekündigt, dass die Ausgaben der Airline bis zu 20 Prozent gesenkt werden müssen. Auch der Manager der Lufthansa, Harry Hohmeister, sagte, dass er Entlassungen für «unvermeidlich» halte.

Cockpit-Crew in erster Linie betroffen

Will die SBB künftig Personal der Swiss übernehmen? Ein Sprecher der SBB bestätigt: «Es gibt Überlegungen für mögliche Kooperationen.» Es sollen bereits erste «unverbindliche» Kontakte statt gefunden haben. Die Swiss wollte dazu keine Angaben machen.

Das Personal-Sharing solle vor allem die Cockpit-Crew betreffen. Der Präsident des Swiss-Pilotenverbandes Aeropers, Kilian Kraus, schreibt im neusten Mitgliedermagazin: «In den letzten Monaten ist dem einen oder anderen der Gedanke vom berühmten zweiten Standbein sicher wieder vermehrt in den Sinn gekommen.»

Aeropers-Sprecher Thomas Steffen bestätigt das Problem: «Piloten haben eine äusserst anspruchsvolle, aber gleichzeitig sehr fachspezifische Ausbildung», so Aeropers-Sprecher Thomas Steffen. Ein Studium gelte nicht mehr als Voraussetzung, um sich für das Swiss-Cockpit zu bewerben. Bei der Swissair wurde teils noch ein Hochschulabschluss oder eine Militärausbildung vorausgesetzt. Heutzutage sei es schwierig für Piloten, eine andere, hochqualifizierte Stelle zu finden.

SBB bekommt viele Bewerbungen aus der Flugbranche

Laut einem SBB-Sprecher gibt es bereits einige ehemalige und aktive Flugzeugpiloten, die auch als Lokführer fungieren. Es bestehe auch eine grosse Nachfrage: «Wir erhalten aktuell viele Bewerbungen aus der Flugbranche, vor allem im Grossraum Zürich.» Die Plätze für die Lokführer-Ausbildung für dieses Jahr seien bereits alle besetzt.

Für die SBB kommt die grosse Nachfrage auch wie gelegen: «Wie bekannt, haben wir den Bedarf an Lokpersonal in den vergangenen Jahren unterschätzt und die Rekrutierung zu defensiv geplant», so der Sprecher.

Wie der SBB-Sprecher gegenüber der Zeitung durchblicken lässt, wäre für Swiss-Piloten ein vereinfachtes Einstellungsverfahren möglich, auch wenn die Vorgaben für die Tauglichkeit und die Zulassung durch das Bundesamt für Verkehr erlassen würden. Das mögliche Personal-Sharing ist keine Seltenheit: So soll auch die in Deutschland bald nicht mehr existierende Lufthansa-Tochter Germanwings ihrem Personal raten, sich bei der Deutschen Bahn zu bewerben.

Deine Meinung zählt

157 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen