Branche in der KriseSchon vor Corona rentierten viele Restaurants nicht
Sechs von zehn Restaurants standen schon vor der Corona-Pandemie finanziell schlecht da. Viele Wirte konnten sich beispielsweise keinen Lohn auszahlen oder fürs Alter vorsorgen.

Schon vor der Corona-Pandemie ging es vielen Restaurants schlecht.
Sonja MulitzeDarum gehts
Der Gastronomie-Branche geht es während der Corona-Pandemie schlecht.
Doch Zahlen zeigen aber, dass es schon vor der Corona-Krise vielen schlecht ging.
Viele Wirte konnten sich keinen Lohn auszahlen.
Ohne sofortige finanzielle Entschädigungen gehe die Branche zugrunde, warnte der Wirteverband Gastro Suisse diese Woche. Doch schon vor der Corona-Pandemie ging es den meisten Schweizer Restaurants schlecht, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Das zeigt ein Blick in den Branchenspiegel 2020 von Gastro Suisse.
Er zeigt ein erschreckendes Bild: Nur gerade 38 Prozent der Betriebe erwirtschafteten genügend Rendite. 62 Prozent der Wirte konnten entweder das von ihnen eingeschossene Eigenkapital nicht mit einem angemessenen Zuschlag für das Unternehmerrisiko verzinsen. Oder sie konnten sich keinen Eigenlohn auszahlen, der die Lebenshaltungskosten deckt – obwohl nur ein Lohn von 40’000 Franken pro voll mitarbeitendem Eigentümer- oder Familienmitglied angenommen wurde. Oder keines von beidem.
Die Autoren des Branchenspiegels schreiben gemäss «SonntagsZeitung» dazu: «Eine fehlende Eigenkapitalverzinsung, also kein Gewinn nach Berücksichtigung eines angemessenen Unternehmerlohns, ist zwar schmerzlich, aber in Zeiten historisch tiefer Zinsen noch verkraftbar. Ein Eigenlohn, der die Lebenshaltungskosten nicht zu decken vermag, führt dagegen zu einem Abbau an Privatvermögen.» Dies bedeutet auch, dass es für betroffene Wirte unmöglich sei, sich eine Altersvorsorge aufzubauen.
Hälfte der Gastrobetriebe könnten eingehen
Auch der Branchenverband Gastrosuisse meldet sich in einer aktuellen Medienmitteilung vom Sonntag zur prekären Situation in der Gastronomie. «Bis Ende März wird die Hälfte aller Betriebe im Gastgewerbe eingehen, wenn sie jetzt keine sofortigen finanziellen Entschädigungen erhalten.» «Wenn der Bund jetzt nicht handelt, steht in der Branche eine dritte Kündigungswelle an», so Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. Die Situation für die Betriebe habe sich in den letzten Monaten verschärft, insbesondere mit dem Entscheid des Bundesrates, die Restaurants ganz zu schliessen. Die Umfrage habe nach Angaben des Verbands auch ergeben, dass 98 Prozent aller Betriebe dringend finanzielle Hilfe benötigen.
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