Schüler beschweren sich: Schule schraubt WC-Türe ab – «Wir trauen uns kaum mehr zu pinkeln»

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Schüler beschweren sichSchule schraubt WC-Türe ab – «Wir trauen uns kaum mehr zu pinkeln»

Weil die Schüler das Pissoir nicht treffen oder WC-Papier an die Wände kleisterten, hat die Sportschule Kriens kurzerhand die WC-Türe abmontiert. Die Schüler sind empört, die Schule rechtfertigt sich.

In der Sportschule Kriens (LU) fehlt seit Montag die Eingangstür der Herrentoilette. Diese wurde abmontiert, nachdem angeblich die Schüler neben die Pissoirs urinierten und Toilettenpapier an die Wand klebten.
«Für die Schüler der Sportschule sei die fehlende Tür äusserst unangenehm», erzählt einer der Schüler. (Symbolbild)
Durch den offenen Eingang haben die Schüler und Schülerinnen freie Sicht auf die Pissoirs. Zudem seien die Schuhe unterhalb der Kabinentüre sichtbar – so erkenne man, wer gerade auf der Toilette sitzt.
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In der Sportschule Kriens (LU) fehlt seit Montag die Eingangstür der Herrentoilette. Diese wurde abmontiert, nachdem angeblich die Schüler neben die Pissoirs urinierten und Toilettenpapier an die Wand klebten.

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Darum gehts

Seit Montag fehlt in der kantonalen Sportschule Kriens (LU) die Türe im Eingang der Herrentoilette. Diese sei am Freitag nach Schulschluss abmontiert worden – ohne offizielle Begründung oder Information, schildert eine Gruppe von Schülern, die die Sportschule besuchen. Erst auf Nachfrage erklärten Lehrpersonen, dass die Türe aufgrund wiederholter «Vorfälle» abmontiert wurde.

So würde etwa neben, statt ins Pissoir uriniert, es klebe Toilettenpapier an den Wänden oder aber die Schüler stünden auf dem WC-Ring und würden so ihr Geschäft verrichten. «Das stimmt aber nicht: Die Schüler stellen sich nur auf die Toilette, um über den Rand der Kabine zu sehen», sagt einer der Schüler.

Schüler nehmen Regelverstoss in Kauf, um öffentliches WC zu nutzen

Der Sportschüler erklärt, dass sich gegenüber der Toilette zwei Klassenzimmer befänden. «Sitzt man im Schulzimmer in der ersten Reihe, sieht man direkt in die WC-Anlage.» Vielen sei die Situation sehr unangenehm: «Es geht hier fast niemand mehr auf die Toilette», erzählt der Schüler, der anonym bleiben möchte. «Freunde von mir erzählen, dass sie abwarten und erst auf dem Nachhauseweg, zum Beispiel im Zug, aufs WC gehen.»

«Ich fühle mich extrem eingeschränkt», sagt der Sportschüler. Da er viel Wasser trinke, gehe er im Normalfall in den Kurzpausen immer auf die Toilette. «Nun warte ich immer bis zur Mittagspause ab, um in der Mensa auf die Toilette zu gehen.» Eine Alternative stehe den Schülern nicht zur Verfügung. Bei einem nahegelegenen Fussballfeld gebe es zwar eine öffentliche Einzeltoilette – da die Schüler sich nicht vom Schulareal entfernen dürften, gelte ein Besuch dieser Toilette als Regelverstoss.

«Dass die Türe wieder montiert wird, steht ausser Frage»

Die Sportschule Kriens bestätigt die Entfernung der Aussentür der Herrentoilette. «Seit einiger Zeit kämpfen wir gegen Vandalismus im Knaben-WC», sagt Schulleiter Timo Zemp. So sei etwa nasses Toilettenpapier grossflächig auf dem Boden verstreut und neben die Toilette uriniert worden. «Dieses unhygienische Verhalten ist inakzeptabel», sagt Zemp. Mehrere Versuche, die Schüler zu sensibilisieren, seien gescheitert. Von anderen Schulen habe man erfahren, dass sie mit der Entfernung der WC-Tür gute Erfahrungen gemacht hätten.

«Dass die Türe wieder montiert wird, steht ausser Frage», so der Schulleiter. Die Betroffenheit der Schüler habe mit der Massnahme stark zugenommen: «Genau das war unser Ziel», so Zemp. Für Schüler, die sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlten, verweist der Schulleiter auf die WC-Anlage am Mittagstisch und eine rollstuhlgängige Toilette. 

«Verhältnismässigkeit ist fraglich»

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