Preisvergleich mit DeutschlandBis zu 400 Prozent teurer – «wir zahlen viel zu viel für Medikamente»
Teure Medikamente treiben die Krankenkassenprämien nach oben. In der Schweiz kosten die Arzneimittel zum Teil deutlich mehr als im Ausland. 20 Minuten hat den Vergleich gemacht.
Darum gehts
Ein Grund für die hohen Kosten der Krankenkasse sind teure Medikamente.
Diese sind oft teurer als im Ausland, wie der Preisvergleich zeigt.
Das BAG schlug Preissenkungen vor.
Im Herbst droht der nächste Prämienschock. Der Krankenkassenverband Santésuisse warnte kürzlich vor einem Anstieg der Prämien um 7,5 Prozent. Treiber seien insbesondere die Medikamente und Pflegeleistungen in Heimen.
Die Medikamentenkosten stiegen mittlerweile auf rund neun Milliarden Franken pro Jahr, sagt Santésuisse-Sprecher Matthias Müller zu 20 Minuten. Das sei fast ein Viertel der gesamten Prämienlast der Grundversicherung.
Ein Grund für die hohen Kosten: «In der Schweiz zahlen wir viel zu viel für Medikamente im Vergleich zum Ausland», so Müller. Der Fabrikabgabepreis für patentgeschützte Originalmedikamente sei im Ausland neun Prozent und bei patentabgelaufenen Originalmedikamenten 15 Prozent günstiger. Generika (siehe Box) seien gar nur halb so teuer wie in der Schweiz.
Das sind Generika
Neu entwickelte Arzneimittel sind 20 Jahre lang durch Patente geschützt. Nach Ablauf des Patentschutzes muss der Hersteller des Originals die Forschungsergebnisse veröffentlichen, damit andere den Wirkstoff ebenfalls produzieren und als Generikum auf den Markt bringen können, wie Netdoktor.ch schreibt. Mittlerweile gibt es für fast jedes Medikament mit abgelaufenem Patentschutz ein oder mehrere Generika.
Überrissene Margen etwa von Apotheken führten, dazu, dass der Preisunterschied schlussendlich noch deutlich höher liege. Müller sieht bei den Margen ein Einsparpotenzial von bis zu 400 Millionen Franken. Auch Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly hält das Margensystem für ein Problem. Aktuell entscheidet der Bundesrat über ein neues Margenmodell.
Zum Teil deutliche Preisunterschiede zeigt auch der Preisvergleich von 20 Minuten in Apotheken und Onlineshops in der Schweiz und Deutschland auf (siehe Bildstrecke).
Der Apothekerverband Pharmasuisse verweist auf Anfrage darauf, dass sich die Margen auf alle Vertriebskanäle beziehen, also auch auf Ärzte und Spitäler. Die Apotheken geben laut Kommunikationsleiterin Stéphanie Logassi Kury Medikamente im unteren Preissegment ab.
Marge zu tief?
Über 60 Prozent der abgegebenen Medikamente hätten einen Fabrikabgabepreis unter 15 Franken. Die gesetzlich geregelte Marge reiche in diesem Segment nicht aus, um die Kosten für Infrastruktur, Logistik und Personalkosten zu decken, so Logassi Kury.
Darüber hinaus erbrächten Apotheken viele Leistungen ohne Entgelt wie die Suche nach Alternativen bei Medikamenten mit Lieferengpässen oder der Beratung von Patientinnen und Patienten. Durch die Senkungen der Medikamentenpreise vom BAG falle ausserdem auch die Marge.
BAG: 1,2 Milliarden Franken eingespart
Beim BAG heisst es auf Anfrage, das Amt schöpfe alle rechtlichen Möglichkeiten für Kostendämpfungen aus. Das BAG verhandle die Preise aller kassenpflichtigen Medikamente mit der Pharmaindustrie und überprüfe sie alle drei Jahre. Dadurch habe es seit 2012 Einsparungen um 1,2 Milliarden Franken erzielt. Häufigere Preisüberprüfungen würden erhebliche Ressourcen binden.
Das vom Bundesrat vorgeschlagene Referenzpreissystem für Generika und zugehörige Originalpräparate habe das Parlament leider verworfen, sagt BAG-Sprecher Andrea Arcidiacono. Nun wolle man auch die Preismodelle für neue hochpreisige Medikamente zur Behandlung von Krebs und seltenen Erkrankungen gesetzlich festlegen. Der Bundesrat habe zudem vorgeschlagen, die höheren Generikapreise zu senken, und hoffe auf eine baldmöglichste Umsetzung.
Fragst du nach Generika, wenn du Medikamente brauchst?
Felix Schneuwly von Comparis und Verena Nold von Santésuisse geben Tipps zum Prämiensparen.
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