SprachanalyseSchweizer enttarnen die Gründer von QAnon
Die Identität der Gründer der QAnon-Bewegung war bislang unbekannt. Zwei Forscherteams könnten jetzt die Identitäten der Anführer enthüllt haben.
Darum gehts
Die Organisation QAnon ist eine Verschwörungsbewegung mit rechtsextremem Gedankengut. Ein grosser Teil der Anhängerinnen und Anhänger ist der Überzeugung, dass «viele in der Regierung Satan anbeten» oder dass systematisch Kinder ermordet würden, um ihr Blut für ihre Zwecke zu nutzen.
Auch der ehemalige Präsident, Donald Trump, hat bei den Anhängerinnen und Anhängern einen hohen Stellenwert. Er wird von ihnen als eine Art Messias gefeiert. Die Sympathisanten der Gruppe waren massgeblich an dem Sturm vom 6. Januar 2021 auf das Kapitol beteiligt. Das FBI hat die Bewegung als potenzielle terroristische Bedrohung eingestuft. Doch wer steckt hinter dem Pseudonym?
Wie Umfragen zeigen, glauben Millionen Menschen, dass Q ein hochrangiger militärischer Insider sei, schreibt «The New York Times». Die Antwort auf die Frage nach Qs Identität fällt nach neusten Erkenntnissen ernüchternd für die Gemeinschaft aus. Zwei unabhängige Forscherteams haben mittels Sprachanalyse die Schreibweisen vom vermeintlichen Q in den Onlineforen analysiert. Das Start-up aus der Westschweiz, OrphAnalytics, und die französischen Computerlinguisten von der École des Chartes in Paris, analysierten unabhängig voneinander riesige Mengen an Texten aus verschiedenen Foren.
Journalist und Softwareentwickler
Die ersten Warnungen auf einem frei zugänglichen Internetforum tauchten im Oktober 2017 auf und wurden von Paul Furber (55) als einem der ersten gelobt und verbreitet. Furber ist nicht beim Militär. Er ist ein südafrikanischer Software-Entwickler und Technik-Journalist.
Die zwei Forscherteams, die Qs Beiträge und Texte analysierten, kamen zum Ergebnis, dass Furber, der auf die ersten Kommentare aufmerksam machte, beim Schreiben dieser selbst eine tragende Rolle gespielt habe. Die Detektive, die nach einem Gesicht hinter dem Pseudonym suchten, übersahen Furber lange Zeit und konzentrierten sich auf Ronald Watkins (34), einen rechtsextremen Amerikaner, der für den Kongress kandidiert. Auf der Webseite «4Chan», tauchten die Botschaften Qs zum ersten Mal auf. Watkins wie Furber streiten ab, hinter Q zu stecken.
Fast 100-prozentige Sicherheit
Beide Analyse-Teams kamen unabhängig voneinander zum Schluss, dass es sich bei Q um die beiden Männer handeln müsse. Das Schweizer Team konnte mit seiner Methode zu 93 Prozent nachweisen, dass sich das Duo hinter dem Pseudonym versteckt. Noch exakter fiel das Ergebnis bei den französischen Forschenden aus. Bei Watkins sind sich die Pariser zu 99 Prozent und bei Furber zu 98 Prozent sicher.
«Die blosse Tatsache, dass zwei sehr unterschiedliche Ansätze auf dieselben Personen verweisen, ist an sich schon ein starker Beweis. Da wir unsere Kräfte gebündelt haben, können wir auf unsere Ergebnisse ziemlich zuversichtlich sein», zitiert «OrphAnalytics» den CEO Claude-Alain Roten.
«Wir alle sind Q»
Paul Furber bestreitet in einem Telefoninterview mit der New York Times nicht, dass sein Schreibstil dem von Q ähnle. Er lobt die Posts von Q und sagt, sie hätten ihn beeinflusst. So habe sich auch sein Schreibstil verändert. Sie alle seien jetzt Q.
Seit Dezember 2020 ist es still um Q. In einem Interview sagte Furber: «Ich glaube, QAnon war der Anstoss für eine Bewegung, die ihren Lauf genommen hat.» Er sei nach wie vor der Überzeugung, dass das Ganze von einem Insider orchestriert worden war, um die «Menschen aufzuwecken» und, dass «die nächste Phase kommen wird.»
Wirst du oder wird jemand, den du kennst, von einer Glaubensgemeinschaft unter Druck gesetzt?
Hier findest du Hilfe:
Infosekta, Fachstelle für Sektenfragen, Tel. 044 454 80 80
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147