Schweizer fahren lieber Automat

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Bequem statt sportlichSchweizer fahren lieber Automat

Autofahrer mögens bequem: Laut Autoportalen und Händlern überholt die Automatik die manuelle Schaltung. Die Gründe liegen beim gesteigerten Komfortbedürfnis.

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Im Rückwärtsgang: Autos mit manueller Schaltung werden immer weniger verkauft.

Im Rückwärtsgang: Autos mit manueller Schaltung werden immer weniger verkauft.

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Noch nie waren in der Schweiz Autos mit Automatik-Schaltung so beliebt. Auf dem Online-Marktplatz Autoscout24.ch waren im November erstmals praktisch gleich viele Automaten wie handgeschaltete Autos zum Verkauf angeboten.

Von den rund 155'000 inserierten Neuwagen und Occasionen waren im November fast die Hälfte (49,5 Prozent) mit Automatikgetriebe ausgestattet, wie Autoscout24.ch mitteilte. «Komfort spielt beim Autokauf eine immer wichtigere Rolle», begründet AutoScout24-Direktor Christoph Aebi den Trend. Die Hersteller passten sich diesem Bedürfnis mit einem erweiterten Angebot an Automaten an.

Kunden wechseln nicht mehr zurück

Marco Belfanti von Auto Höngg bestätigt dies: «Der Anteil der Automaten beträgt mittlerweile mehr als die Hälfte unserer Autos.» Vor allem bei den mittleren und oberen Preisklassen seien fast nur noch Automaten zu finden. «Es gibt Autos, die in der Schweiz gar nicht anders erhältlich sind, ein Range Rover oder der Audi A6 zum Beispiel», sagt Belfanti.

Die manuelle Schaltung sei aber bei den kleineren Autos, «bei den Stadtflitzern wie VW Golf oder Toyota Yaris», noch immer vorherrschend. «Ich glaube, diese Entwicklung ist dem gesteigerten Komfortbedürfnis geschuldet.» Viele Kunden, die früher manuell geschaltet und danach auf Automatik umgestellt hätten, würden nicht mehr zurückwechseln, sagt er.

Ausländer fahren lieber mit manueller Schaltung

Belfanti beobachtet auch einen Stadt-Land-Graben. «In bergigeren Gebieten ist die manuelle Schaltung wohl noch mehr verbreitet, während im Stadtverkehr mit den Staus die Automatik deutlich komfortabler ist.» Weiter beobachtet der Händler, dass es vor allem Schweizer seien, die auf Automatik wechseln. «Deutsche, Spanier oder Italiener fahren immer noch lieber mit manueller Schaltung.»

Bei anderen Portalen wie Autoricardo.ch und Car4you.ch macht man ähnliche Beobachtungen: «Das Angebot an automatisch geschalteten Fahrzeugen ist hauptsächlich in der Premium- und Luxusklasse überdurchschnittlich gross», sagt Marcel Stocker, Managing Director bei Autoricardo.ch.

Gesucht wird nach Automaten

Autoricardo.ch hat für 20 Minuten eine Auswertung ihrer Suchabfragen erstellt. Sie zeigt, dass der Anteil der Suchabfragen, die «Automat» als explizites Kriterium beinhalten, im Vergleich zum letzten Jahr um 47 Prozent gestiegen ist. Bei der Auswertung der Inserate machten bei Wagen bis 100 PS die manuellen Schaltungen noch 80 Prozent aus. Bei Autos, die über 200 PS vorweisen können, ist es umgekehrt: Dort machen die Autos mit Automatik-Schaltungen 79 Prozent aus.

Auch die Auswertung von Autoscout24.ch zeigt, dass der Anstieg insbesondere auf das boomende SUV-Segment zurückzuführen ist. Demnach sind knapp 70 Prozent der Geländelimousinen auf Autoscout24.ch mit Automatik-Getriebe ausgestattet und die Anzahl inserierter Fahrzeuge hat sich innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt.

Technik mit enormen Fortschritten

Beim Autohändler AMAG werden verschiedene Gründe für die rasante Zunahme der Autos mit Automatik-Getriebe genannt. Zum einen der höhere Fahrkomfort, aber auch dass stärkere Motorisierungen ausschliesslich mit dem bei VW, Skoda, Seat und Audi verbauten Doppelkupplungsgetriebe erhältlich seien. Sprecher Livio Piatti erwähnt zudem noch, dass neue Technologien wie Plug-in-Hybride nicht manuell geschaltet werden können.

«Die Bedeutung von Automatik-Autos wird sicherlich weiter zunehmen», prognostiziert AutoScout24-Direktor Christoph Aebi. Die Technik habe in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Die Schaltvorgänge seien exakter und ohne Verzögerung. Auch beim Treibstoffverbrauch könnten sich Automatik-Autos unterdessen mit handgeschalteten Fahrzeugen messen.

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