Trotz Sanktionen: Schweizer Medikamenten-Handel mit Russland boomt

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Trotz SanktionenSchweizer Pharma-Exporte nach Russland erreichen Rekord-Niveau

Der Ukraine-Krieg hat wenig Auswirkungen auf die Schweizer Exporte nach Russland. Die Exportvolumen für Medikamente erreicht gar ein Rekord-Niveau. 

Die Nachfrage nach hochpreisigen Medikamenten ist in der russischen Bevölkerung gewachsen. 
Der Schweizer Pharma-Gigant «Novartis» exportiert vermehrt Medikamente nach Russland. 
Auch in der Vergangenheit ist der Konzern immer wieder in die Kritik geraten, beispielsweise für eine geplante Änderung des Patentrechts in Indien, die die günstige Reproduktion von Medikamenten verhindert hätte. 
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Die Nachfrage nach hochpreisigen Medikamenten ist in der russischen Bevölkerung gewachsen. 

IMAGO/Steinach

Darum gehts 

  • Die Schweiz hat in den vergangenen zwölf Monaten Waren im Wert von 2,9 Milliarden Franken nach Russland exportiert,

  • Zwei Drittel davon sind pharmazeutische Produkte. 

  • Die Schweiz hatte sich bereits im März 2022 den Sanktionen der Europäischen Union gegenüber Russland angeschlossen, die auch das Export-Verbot bestimmter Güter einschliessen. 

Seit über einem Jahr herrscht Krieg in der Ukraine, fast genauso lange gelten die Sanktionen, die die Europäische Union (EU) gegen Russland verhängt hat. Auch die Schweiz hat sich dazu entschlossen, dass der Angriffskrieg Russlands nicht folgenlos bleiben soll und sich den Sanktionen angeschlossen.

Die beinhalten neben eingefrorenen Vermögen und Reisesanktionen auch das Exportverbot verschiedener Güter, zum Beispiel Waffen, Kohle oder Luxusgüter. Aber: Bestimmte Dinge dürfen eben doch noch exportiert werden. Und deren Export ist so rentabel wie nie.  

Pharma-Branche profitiert

Die «NZZ am Sonntag» wertete jüngst die Daten des Schweizer Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit aus und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der Gesamtwert der exportierten Ware sank zwar von 3,5 (vor den Sanktionen) auf 2,9 Milliarden Franken (nach den Sanktionen). Dafür, dass aber jede Menge Güter gar nicht mehr exportiert werden dürfen, ist das kein bemerkenswerter Rückgang.

Und es gibt einen klaren Profiteur, und zwar die Pharma-Industrie. Die hat im Zeitraum von März 2022 bis Februar 2023 Waren im Wert von zwei Milliarden Franken nach Russland exportiert. Im Vorkriegsjahr waren es nur 1,4 Milliarden Franken. Aber wie lässt sich der Zugewinn erklären?

Russen horten Medikamente

Ein Grund für die satte Exportsteigerung sei der Trend zu höherpreisigen Medikamenten in der russischen Bevölkerung, sagt Reto Föllmi, Professor für Internationale Ökonomie an der Uni St. Gallen (HSG), im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Das Pharma-Unternehmen Novartis, das zu den Haupt-Exporteuren gehört, gibt an, dass viele Russen während der Pandemie nicht zeitkritische medizinische Behandlungen aufgeschoben haben.

Ausserdem führe der andauernde Krieg in der Ukraine zu Vorratsbildung. Die russische Bevölkerung habe Angst, möglicherweise ganz vom Medikamenten-Markt abgeschnitten zu sein. Das ist bisher aber nicht geschehen: Neben Novartis exportiert auch das Pharma-Unternehmen Roche fleissig weiter. Nicht-Schweizer Pharma-Unternehmen wie Pfizer oder Eli Lilly haben den Handel nach Russland nicht eingestellt, haben aber angekündigt, die gesamten Gewinne spenden zu wollen. 

Andere Branchen liegen brach

Auch wenn der Medikamenten-Export nach Russland boomt – die meisten Branchen haben sich – gezwungenermassen – komplett aus dem Geschäft zurückgezogen, beispielsweise Lindt & Sprüngli, die Coop-Tochter Transgourmet oder ABB. 

Sollte man weiter Medikamente nach Russland exportieren?

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