Mobilität der ZukunftSchweizer Velopionier lanciert E-Bike für 50’000 Franken
Es ist so etwas wie der Tesla unter den E-Bikes: der Twinner. Der Unternehmer Thomas Binggeli lanciert ein Hightech-Velo für Pendler. Wer viel zahlt, wird Mitbesitzer der Firma.
Darum gehts
Ein Computer auf Rädern: Velopionier Thomas Binggeli lanciert ein neues E-Bike.
Der Preis für die ersten 100 Velos beträgt 50’000 Franken. Für den Betrag werden die Käufer Mitbesitzer der Firma.
Binggeli will mit seinem neuen Konzept die Mobilität verändern.
Der Velo-Visionär glaubt, dass schnelle Velobahnen in den Schweizer Agglomerationen die Verkehrsplobleme lösen.
Als er sein erstes Unternehmen gegründet hat, war er noch nicht mal volljährig: Mit 17 Jahren startete Thomas «Thömu» Binggeli auf dem elterlichen Bauernhof in der Region Bern mit seiner ersten Firma. Das war 1991. Viele Jahre und einige Unternehmerpreise später lanciert Binggeli nach den Marken Thömus und Stromer die Marke Twinner.
Twinner ist Hightech 2.0 vom Bauernhof – und nach Velo-Visionär Binggeli geht es um nichts weniger als um «die Mobilität der Zukunft». «Der Twinner ist unser grösster Wurf, es ist ein Computer auf zwei Rädern», sagt Binggeli zu 20 Minuten. Das Carbon-E-Bike mit Heckmotor ist leicht und leistungsfähig: In 3,6 Sekunden beschleunigt der Twinner von 0 auf die erlaubten 45 km/h. Und dann ist da ganz viel Elektronik: für die Fahrdynamik, fürs Energiemanagement, fürs ABS.
Besitzer eines Imperiums
Bedient wird das E-Bike über ein im Vorbau eingebautes 3,5-Zoll-Display. Dazu kommt eine integrierte Heckkamera, was für die Veloindustrie ein Novum darstellt. Damit sehen die Fahrerinnen und Fahrer permanent, was sich in ihrem Rücken abspielt. Ein weiteres Feature, das vor allem in der kalten Jahreszeit Freude machen dürfte: heizbare Lenkergriffe.
«Meine Passionen sind Mobilität und Technologie», sagt Binggeli. Folglich sei der Twinner der nächste Schritt nach dem 2009 lancierten Stromer gewesen. Die populäre E-Bike-Marke haben Binggeli und seine Partner vor rund zwei Jahren an den Investor Naxicap verkauft. Binggeli verfügt heute über ein ganzes Veloimperium, ist Mitbesitzer der Bike-Sharing-Firma Publibike und hat seit 2022 einen Concept Store in Kalifornien. Sogar Leonardo di Caprio fährt ein Bike von Thömus.
Binggeli will Investoren in zwei Wochen finden
Zurück zu Twinner: Das Hightech-E-Bike gibts ab 9750 Franken. Dazu kommen je nach Ausstattung weitere Kosten. Später soll auch ein Modell mit tieferem Basispreis hinzukommen. Auf den hohen Preis angesprochen sagt der Bike-Unternehmer: «Die Anschaffungs- und vor allem Betriebskosten für ein Auto sind viel höher. Bei den schnellen E-Bikes sind wir preislich im üblichen Premium-Bereich.»
Ist für dich mit dem Velo zu pendeln eine Option?
Der stets umtriebige Binggeli hat sich neben dem normalen Kauf noch eine andere Option überlegt: Für 100 Kundinnen und Kunden gibts die «Founders Edition» für 50’000 Franken. Wer hier zugreift, bekommt neben Zusatzleistungen wie lebenslange Service Anteile an der Firma im Wert von 30’000 Franken. «Ich bin überzeugt, dass wir diese 100 Twinner-Investoren in rund zwei Wochen finden werden», so Binggeli. Bereits mit dabei ist der langjährige Swisscom-CEO Urs Schaeppi, der als Präsident des Twinner-Verwaltungsrats amtet.
«Die Leute glauben an den Unternehmer und wollen so ein Fahrzeug.»
«Das Finanzierungsmodell ist innovativ», sagt der langjährige Business Angel Johann Schlieper, der regelmässig in Start-ups investiert. Bikes sind laut Schlieper ein High-Involvement-Markt: «Es gilt, die Leute emotional zu packen.» Er sieht bei Twinner Parallelen zu den Anfängen von Tesla: «Die Leute glauben an den Unternehmer und wollen so ein Fahrzeug, auch weil es in der eigenen Community viel Beachtung findet.»
Velo-Pionier Binggeli will mit seiner neusten Marke «Teil der Mobilitätswende» sein: «Der Twinner stösst weder Treibhausgase noch Feinstaub aus und verursacht mit grünem Strom keine Emissionen.» Kommt hinzu: Die durchschnittliche Schweizer Auto-Pendlerstrecke beträgt knapp acht Kilometer – eine Distanz prädestiniert fürs E-Bike. «Immer mehr und immer längere Staus führen dazu, dass sich die Menschen für einen neuen Fahrzeugtyp entscheiden», sagt Bendicht Luginbühl, Experte für Velomobilität und Publizist (siehe Interview unten).
Cycling Superhighways als Vorbild
Binggeli geht davon aus, dass in der Schweiz künftig vermehrt Velobahnen gebaut werden, vergleichbar mit den Cycle Superhighways, wie es sie etwa in London oder Valencia bereits gibt. Ein Velo braucht laut dem Unternehmer fünf Mal weniger Platz auf der Strasse, zehn Mal weniger beim Parkieren. Noch hinkt aber hierzulande die Infrastruktur hinterher: «Wir brauchen Velobahnen entlang von Autobahnen und in die Städte hinein, damit die Menschen effizient unterwegs sein können», so Binggeli.
«Kein anderes Fahrzeug ist effizienter»
Futuristisch und mit viel Elektronik: So präsentiert sich Twinner im eigenen Video.
Twinner