Schweizer vererben ihr Geld lieber dem Zoo als der Flüchtlingshilfe

Publiziert

250 Millionen FrankenSchweizer vererben ihr Geld lieber dem Zoo als der Flüchtlingshilfe

Gemeinnützige Institutionen erhalten jedes Jahr Geld durch Erbschaften. Dabei hinterlassen die Schweizer ihr Vermögen am liebsten Organisationen, die sich für Tier-, Natur- und Umweltschutz einsetzen.

Rund jeder fünfte Schweizer vererbt Geld an gemeinnützige Organisationen.
So wurden 2019 rund 250 Millionen Franken an gemeinnützigen Institutionen vererbt.
Erblasser vererben ihr frei verfügbares Vermögen am häufigsten für Tier-, Natur- und Umweltschutz.
1 / 8

Rund jeder fünfte Schweizer vererbt Geld an gemeinnützige Organisationen.

KEYSTONE

Darum gehts

  • In der Schweiz muss ein Pflichtteil des Vermögens an die gesetzlichen Erben vererbt werden.
  • Den frei verfügbaren Teil des Erbes hinterlassen Schweizer gerne gemeinnützigen Institutionen.
  • Zuoberst auf der Liste dafür stehen Tier-, Natur- und Umweltschutz.

Rund 250 Millionen Franken haben die Schweizer letztes Jahr an gemeinnützige Institutionen vererbt. Besonders gerne vererben Erblasser hierzulande ihr frei verfügbares Vermögen Tier-, Natur- und Umweltschutz: In durchschnittlich 11,5 Testamenten wurden solche Organisationen berücksichtigt, wie eine Umfrage des Vereins DeinAdieu.ch zeigt.

Auf dem zweiten Platz landen gemeinnützige Vereinigungen, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzen. Im Schnitt wurden dafür 8,6 Testamente eröffnet. Ungern hinterlassen die Schweizer ihr Geld Organisationen für Entwicklungszusammenarbeit und Flüchtlinge mit 3,2 Testamenten.

Kein emotionaler Bezug zur Entwicklungsarbeit

Dass die Schweizer ihr Geld lieber dem Zoo als der Flüchtlingshilfe hinterlassen, habe mit der Greifbarkeit der Themen zu tun: «Entwicklungszusammenarbeit und Flüchtlinge sind meist nicht Teil der eigenen Lebenswelt und eher abstrakt», erklärt Nicolas Gehrig, Geschäftsführer von DeinAdieu.ch.

Es sei schwieriger, einen emotionalen Bezug zu solchen Themen herzustellen. Zudem gehe es vielen Menschen beim Vererben auch darum, die eigene Wertvorstellung indirekt an die Nachkommen weiterzugeben. «Hier eignen sich heimatverbundene Organisationen überdurchschnittlich gut», so Gehrig.

Mehr Geld nach Erbrecht-Revision

Durchschnittlich haben Non-Profit-Organisationen letztes Jahr 223'000 Franken pro Erbschaften erhalten. Ein Ausreisser ist die Glückskette: Sie erhielt eine Zuwendung in der Höhe von über 14 Millionen Franken. Nächstes Jahr könnte sogar noch mehr Geld an gemeinnützige Institutionen vererbt werden.

Dann wird über das neue Erbrecht abgestimmt: «Mit dem revidierten Erbrecht sollen Erblasser
in Zukunft mehr Spielraum bei der Verteilung ihres Nachlasses erhalten», erklärt Gehrig. Zudem ist rund ein Drittel der Schweizer bereit, wohltätige Organisationen im Testament zu berücksichtigen.

Jeder hat im Schnitt 300 Franken gespendet

2019 haben Schweizer Hilfswerke 1,91 Milliarden Franken Spenden erhalten. Das ist so viel wie nie zuvor. Im Schnitt wurde pro Haushalt also 300 Franken im Jahr gespendet. DeinAdieu.ch hat 122 wohltätigen Schweizer Organisationen zum Thema Erbschaft befragt und ausgewertet. Die Online-Plattform wurde 2015 gegründet und trägt mithilfe von Ratgeber-Texten, Reportagen und Online-Hilfen sowie ausgewählten Dienstleistern dazu bei, dass Menschen in der Schweiz ihre Selbstbestimmung wahrnehmen und ihr Vermächtnis für einen guten Zweck einsetzen.

Deine Meinung zählt