Doktor Sex«Seit er im Militär ist, hat er keine Lust auf Sex!»
Seit Nurias Freund Dienst leistet, läuft am Wochenende nichts mehr – weder im Bett noch sonst. Kann sie ihm helfen?

Der eintönige Alltag im Militär kann auf die Stimmung drücken.
Frage von Nuria (22) an Doktor Sex: Mein Freund ist seit Januar im Militär und wird seinen Dienst noch bis im November absolvieren müssen. Deshalb sehen wir uns meist nur am Wochenende. Diese Begegnungen waren bisher eigentlich immer sehr schön und wir genossen die Zeit sehr, die wir dann zusammen verbringen konnten.
Leider geht es ihm aber im Moment gar nicht gut. Er hat praktisch nichts zu tun unter der Woche und ist daher weder geistig noch körperlich gefordert. Dies wirkt sich zunehmend auf seine Befindlichkeit aus und diese wiederum immer mehr auf unsere Beziehung. Am Wochenende hat er auf nichts Lust, nicht mal auf Sex.
Ich würde ihm gern helfen, weiss jedoch nicht, wie. Auch für mich ist die Situation sehr schwierig, da ich schlechte Erfahrungen mit Fernbeziehungen gemacht habe. Ich vermisse ihn sehr, auch wenn ich mich unter der Woche ablenke. Und ich habe grosse Angst, dass wir das nicht durchstehen bis November. Hast du einen Rat?
Antwort von Doktor Sex
Liebe Nuria
Während sich Ferien häufig positiv auf die Befindlichkeit auswirken, hat der Militärdienst bei Männern einen gegenteiligen Effekt: Er führt zu Trägheit, Langeweile und Lustlosigkeit. Manche behaupten sogar, dass der Dienst Potenzprobleme zur Folge habe, da dem Essen ein Anaphrodisiakum beigemischt werde – also ein Mittel, das den Geschlechtstrieb dämpft.
Diesen Mythos gibt es wohl in fast jeder Armee der Welt. Im deutschsprachigen Raum wird in diesem Zusammenhang oft von «Anti-Bock» oder «Hängolin» gesprochen. Konkret sind es Natron, Jod und insbesondere Bromide – dies sind Salze des chemischen Elements Brom –, denen nachgesagt wird, eine lusthemmende Wirkung zu haben.
Bromide sind sedierend. Ihre Einnahme macht schläfrig und antriebslos. Sie wurden deshalb im 19. Jahrhundert zappeligen Kindern zur Beruhigung verschrieben. Dass auch die Armee solche Stoffe verabreicht, bezweifle ich aber. Wer hätte schon ein Interesse daran, dass die Soldaten nur noch schlaff und schläfrig herumhängen?
Ich kann gut verstehen, dass deinem Freund der sinnentleerte Alltag im Militär zu schaffen macht und seine gedrückte Stimmung eure Beziehung beeinträchtigt. Wichtig scheint mir trotzdem, dass ihr nun den Kopf nicht hängen lässt. Auch wenn der November noch weit weg zu sein scheint: Das Ende ist absehbar.
Meine Erfahrung als Paarberater zeigt, dass es in einer belasteten Beziehungssituation erst einmal wichtig ist, zu sich selber zu schauen, statt sich um den Partner oder der Partnerin zu kümmern. Solche Hilfsangebote sind zwar gut gemeint, letztlich lenken sie aber nur von den eigentlich zu bearbeitenden Themen ab.
In der Regel handelt es sich dabei um Inhalte, welche die Beteiligten als Einzelne betreffen. In deinem Fall scheint es mir um die schlechten Erfahrungen zu gehen, die du bereits mit Fernbeziehungen gemacht hast. Mache dir bewusst, dass die Vergangenheit vorbei ist, und lasse nicht zu, dass sich die alten Geschichten mit der aktuellen Situation vermischen.
Indem du auf die Gegenwart fokussierst, kannst du deinem Freund ein starkes und selbstverantwortliches Gegenüber sein. Ihm empfehle ich, über seine Gedrücktheit mit einem Vorgesetzten oder dem verantwortlichen Truppenarzt zu sprechen. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, ihm eine sinnvolle Aufgabe zu übertragen. Alles Gute!
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