Ski-Ass Schütter«Dass er für seine Gewalt gefeiert wird, ist ein Armutszeugnis»
Julian Schütter ist Klima-Aktivist, Veganer und Skirennfahrer im Weltcup. Jetzt äussert er sich ausführlich.
Hier flippte Henrik Kristoffersen aus und ging auf die Klima-Aktivisten los. Diese Wut versteht Julian Schütter nicht.
SRFDarum gehts
Der Österreicher Julian Schütter gibt im Ski-Weltcup zu reden.
In einem Interview kritisiert er nun Henrik Kristoffersen scharf.
Auch spricht er über seinen Aktivismus und seinen veganen Lebensstil.
Vor einem Jahr die Tragik. Mit der drittbesten Zwischenzeit wurde Österreichs Abfahrer Julian Schütter bei der Kitzbühel-Abfahrt abgewunken.
Einen Tag später verletzte er sich bei der zweiten Abfahrt schwer. Schütter riss sich das Kreuzband. Diese Saison ist er wieder zurück, bisher aber noch mit sehr mauen Resultaten, derzeit fehlt er. Nun gibt der 25-Jährige in einem Interview mit «Heute» Einblick in sein Innenleben. Schütter über ...
... sein derzeitiges Fehlen
«Mein Knie ist wieder stabil. Es ist noch nicht bei hundert Prozent, ab und zu ist es ein bisschen empfindlicher. Beim Skifahren geht es ziemlich gut. Ich habe aber Rückenprobleme. Wenn ich den Sport noch länger betreiben will, komme ich auf Sicht an einer Bandscheiben-OP kaum vorbei.»
... seinen Aktivismus
Schütter erklärt, dass der Umwelt-Aktivismus sein grösster Antrieb sei. «Ohne den Aktivisten gäbe es keinen Rennfahrer Julian Schütter mehr. Ich will besser werden, um mehr Leute zu erreichen. Ich stehe auf der richtigen Seite der Geschichte», sagt er.
Zu den Beleidigungen, die er deshalb erhält, sagt er: «Natürlich polarisiert das Thema. Dadurch gibt es viele, die mich beschimpfen – und die sind oft die Lautesten. Das ist manchmal anstrengend.» Meistens könne er damit gut umgehen. Oft kämen diese Menschen auch nicht mit richtigen Argumenten. «Das macht es leichter, das zu ignorieren.» Schütter ist Mitglied der Klimaschutz-Bewegung «Protect Our Winters» und solidarisierte sich zuletzt auch mit Klima-Klebern. Auch befürwortet er das Gendern.
... seinen Veganismus
«Als ich aufhörte, Fleisch zu essen, fühlte ich mich leistungsfähiger. Das einzige Problem kann sein, wenn die Gastronomie in irgendeinem Tal nicht darauf eingestellt ist», so der Österreicher. Gemäss ihm klappt es meist aber ganz gut. «Im Notfall kaufe ich Konserven, lasse sie mir im Hotel aufwärmen.»
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... Henrik Kristoffersen
Bevor sich die besten Athleten letzten November den Hang für den zweiten Slalom-Lauf in Gurgl hinunterstürzten, kam es im Zielbereich zu einem Protest von Klima-Aktivisten. Diese verstreuten Farbe im Zielbereich. Ganz zum Unmut des Norwegers Henrik Kristoffersen. Dieser schimpfte wie wild, stürmte auf die Aktivisten los und musste von Betreuern zurückgehalten werden. Nachher sagte er: «Solche Menschen sollten wir nicht auf der Welt haben, sie sollten verschwinden.»
Hierzu sagt Schütter nun: «Ich verstehe die Wut der AthletInnen und die Verzweiflung der Aktivisten.» Die Aktion lobte er als «gut geplant». Harte Worte wählte er hinsichtlich der Kristoffersen-Wut: «Dass Henrik so reagiert, kann man mit dem Adrenalin direkt nach seinem Lauf noch irgendwie erklären. Dass er sich danach nicht entschuldigt und für die Gewalt auch noch gefeiert wird, ist ein Armutszeugnis für den Skisport.»
... den Vorwurf der Inkonsequenz
«Es ist mir echt schon ziemlich lästig, mich immer wieder dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich einen Beruf ausführe, den ich gern mache und in meinen Augen auch nicht so schlecht», sagt Schütter.
Und weiter: «Dafür, dass ich mich gleichzeitig dafür einsetze, dass auch der Skisport noch länger existieren kann. Ganz zu schweigen davon, dass wir generell keinen Zusammenbruch unserer Zivilisation wegen der Klimakrise erleben.» Schütter selbst reist teilweise mit dem ÖV zu den Trainings. Er sagt: «Ich habe ein Klimaticket. Das ist viel feiner.»
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