Kununu-UmfrageSo benoten Schweizer Lehrlinge ihre Arbeitgeber
Angesehener Mitarbeiter oder billige Arbeitskraft? Eine neue Erhebung zeigt, wie Auszubildende ihre Lehrzeit bei Schweizer Betrieben bewerten.
Die Lehre – für die einen ist sie eine motivierende Zeit, für die anderen die reine Tortur. Das zeigt auch eine neue Auswertung des Onlineportals Kununu, auf dem Angestellte ihre Firma benoten und von ihren Erfahrungen berichten können. Das Portal hat 500 Bewertungen von Schweizer Lehrlingen genauer unter die Lupe genommen, um zu sehen, wie sie ihren Ausbildungsbetrieb erleben.
Die Bandbreite der auf Kununu geteilten Erfahrungen ist gross. Ein Confiseur-Lehrling schreibt etwa, dass er sich als günstige Arbeitskraft missbraucht sah, anstatt ausgebildet zu werden. Ein anderer junger Mann, der sich zum Mediamatiker ausbilden liess, beschreibt seine Lehrzeit als «Jahre des puren Horrors». Eine weitere Auszubildende wiederum fühlt sich in der Lehre gelangweilt und spricht von «täglich absolut identischen Aufgaben».
Schöne Zeit oder blanker Horror: Wie hast du deine Lehre erlebt? Erzähl uns von deinen Erfahrungen!
Lehrlinge fühlen sich respektiert
Doch auch positive Erfahrungen sind beim Bewertungsportal eingegangen – wie etwa «Ich gehe gern zur Arbeit» oder «Ich darf selber entscheiden, wann ich komme». «Die Wahrnehmung ist sehr unterschiedlich», sagt Sarah Müller von Kununu, die die Auswertung am Montag am Lehrlingsmarketing-Tag in Baden vorgestellt hat.
Unterm Strich zeichnet die Studie ein positives Bild: Schweizer Lehrlinge bewerten ihre Betriebe im Schnitt mit knapp 4 von 5 Punkten. Die besten Noten erteilen die Auszubildenden in der Kategorie Respekt. «Dass sie sich so stark respektiert fühlen, ist eine gute Nachricht für den Standort Schweiz», so Studienautorin Müller.
«Fehlende Betreuung, mangelnde Unterstützung»
Gute Rückmeldungen erhalten die Betriebe auch in der Kategorie Arbeitszeiten – sie landen auf dem dritten Platz. Dass gerade die Arbeitszeiten so positiv bewertet werden, kann Kathrin Ziltener, Jugendsekretärin der Gewerkschaft Unia, nicht nachvollziehen. Es gebe viele Lernende in der Schweiz, die unter zu langen Arbeitszeiten leiden. «So müssen sie etwa an Tagen Spätschichten machen, auf die ein Tag Berufsschule folgt – das wäre eigentlich verboten», so Ziltener.
Auch vonseiten der Ausbilder – Platz zwei im Ranking – fehle es oft an Aufmerksamkeit. «Die jungen Auszubildenden beklagen sich oft über fehlende Betreuung und mangelnde Unterstützung beim Lernen.» Unterm Strich hänge es aber stark von der Branche ab, ob sich ein Lernender wohl fühle. In sozialen Branchen, etwa in der Pflege oder Betreuung, liege vieles im Argen, so Ziltener.
Weniger Klagen hört die Jugendsekretärin über die Entlöhnung – «obwohl auch diese unserer Meinung nach zu tief ist». Den Lernenden sei offenbar bewusst, dass der Lohn während der Lehre nicht das ausschlaggebende Kriterium sei.
Viele Schwergewichte in den Top 10
Ausgewertet hat Kununu zudem die Bewertungen der einzelnen Lehrbetriebe. Auf die Plätze eins bis drei schaffen es Unternehmen aus der IT-Branche. Doch auch grosse Banken und Versicherungen, die Migros oder die Swisscom sind in den Top 10 zu finden: