Illegaler HandelSo einfach kann man auf Facebook gefälschte Uhren kaufen
Obwohl Import und Handel mit gefälschten Produkten in der Schweiz verboten sind, werden diese auf dem Marketplace von Facebook offen angeboten.
Darum gehts
- Handel und Import von gefälschten Produkten sind in der Schweiz verboten.
- Im Marketplace von Facebook werden solche Produkte offen angeboten.
- B. T.* hat sich so eine Fake-Luxusuhr gekauft.
- Uhrenläden wollten ihm dann mit der gefälschten Uhr nicht weiterhelfen.
Einmal im Leben eine Luxusuhr im Wert von über 60'000 Franken besitzen. Was sich höchstens Topbanker und Superstars leisten können, bleibt für die meisten Normalsterblichen ein unerfüllbarer Traum. Leser-Reporter B. T.* wollte trotz fehlendem Kleingeld nicht auf sein Wunschmodell verzichten. Im Marketplace von Facebook wird er schnell fündig.
Ein Verkäufer bietet das Objekt seiner Begierde, ein Modell einer bekannten Schweizer Luxusuhrenmarke, an. Beim angebotenen Produkt handelt es sich um eine Kopie. T. sagt: «Ich habe dem Verkäufer eine private Nachricht auf Facebook geschrieben. Das Treffen fand dann über Mittag an einem öffentlichen Platz statt.»
Sie seien zusammen ein paar Schritte gelaufen, und dann konnte T. die Uhr schliesslich begutachten: «Für 200 Franken habe ich sie dann gekauft. Bestimmt könnte man sie im Ausland noch günstiger erwerben, aber so spare ich mir das Risiko, am Zoll erwischt zu werden.»
Uhrmacher lehnt Dienstleistung ab
Weil er das Uhrenband habe kürzen wollen, ist T. auf die Suche nach Uhrengeschäften in Zürich gegangen. In der Bijouterie Hiltmann in Zürich sei der Schwindel jedoch bereits nach dem ersten Anfassen der Uhr erkannt worden. Obwohl das Geschäft die betroffene Marke selber nicht im Sortiment führt, sei jegliche Dienstleistung kategorisch abgelehnt worden.
20 Minuten hat Jürg Hiltmann, den Inhaber der Bijouterie, später kontaktiert. Er sagt: «Als Uhrmacher habe ich einen Berufsstolz. Ich finde es eine Sauerei, dass in Fernost kopiert wird und unsere Branche darunter leiden muss. Wenn man schon ein Design klaut, dann sollte man mindestens die Marke weglassen.»
Früher seien ihm Kopien noch häufiger untergekommen, und er habe sich jeweils rechtfertigen müssen, wenn er seine Dienstleistung abgelehnt habe. Seit das Gesetz den Import von gefälschten Produkten verbiete, sei jedoch auch eine gewisse Sensibilisierung bei den Konsumenten erkennbar.
Erst im vierten Geschäft wird er bedient
Beim Gang in das nächste Fachgeschäft wurde die Uhr laut T. zwar interessiert unter die Lupe genommen und die Fälschung als «gut gemacht» bezeichnet, aus Angst vor einem Reputationsschaden sei aber auch dort eine Dienstleistung abgelehnt worden. Auch im nächsten Geschäft habe man ihn aus dem gleichen Grund nicht bedienen wollen.
Erst beim vierten Anlauf ist T. in einem Uhrengeschäft schliesslich trotz Fälschung bedient worden. Zwar habe sich die Miene des Inhabers verfinstert, als er die Fake-Uhr in den Händen gehalten habe, für 20 Franken habe er jedoch das Uhrenband gekürzt.
Die gesetzliche Lage in der Schweiz
Entdeckt der Zoll grosse Sendungen, bei denen der Verdacht besteht, dass jemand Fälschungen gewerbsmässig in die Schweiz einführen wollte, so muss der Staat von Amtes wegen tätig werden. Grosshändlern drohen fünf Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe von bis zu 1,08 Millionen Franken.
Anders sieht es bei den Internet-Auktionshäuser aus, wo auch private Anbieter und Kleinhändler versuchen, gefälschte Uhren zu verkaufen. Hier muss der Rechteinhaber der betroffenen Marke aktiv werden.
Die Uhrenindustrie fahndet nach Onlinehändlern
Yves Brouze, Head of Online Enforcement beim Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH, fahndet gezielt nach den Anbietern von Fake-Uhren im Netz. Er erklärt, warum es so schwierig ist, dem illegalen Treiben ein Ende zu setzen: «Wenn wir ein solches Inserat entdecken, liegt es an uns, dieses dem betroffenen Internet-Auktionshaus zu melden.»
Die Händler wenden allerei Tricks an, damit Bildsoftwares die Fakes nicht erkennen. «Dazu gehört zum Beispiel, dass der Markenname auf dem Foto des Produkts unkenntlich gemacht wird. Ausserdem werben die Anbieter nicht mit der Marke, sondern benutzen Codewörter.»
«Wir leiten rechtliche Schritte ein»
«Stellen wir fest, dass jemand wiederholt und im grösseren Stil gefälschte Uhren anbietet, versuchen wir, diese Person aufzuspüren, und leiten rechtliche Schritte gegen sie ein. Wir arbeiten auch eng mit dem Verein Stop Piracy zusammen, der mit Kampagnen und dem öffentlichen Vernichten von gefälschten Produkten die Problematik in den Fokus der Öffentlichkeit rückt», sagt Yves Brouze. Er betont auch, dass der Verband mit Facebook in regem Kontakt stehe und die Zusammenarbeit gut funktioniere.
*Name der Redaktion bekannt
Uhrenindustrie in der Schweiz
21 Milliarden Franken
Schweizer Luxusuhren sind nicht nur ein Statussymbol, die hiesige Uhrenindustrie ist vor allem ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Schweizer Uhrmacher exportierten 2019 Uhren im Wert von mehr als 21 Milliarden Franken. Die Branche beschäftigt in der Schweiz rund 60’000 Menschen und investiert Millionen in Forschung, Werbung und Sponsoring. Schätzungen zufolge wird pro produzierter Schweizer Uhr irgendwo auf der Welt gleichzeitig eine Fälschung hergestellt. Der Uhrenindustrie entgehen so jährlich Einnahmen in Milliardenhöhe. Zwar weisen die grossen Schweizer Internet-Auktionshäuser in ihren AGBs darauf hin, dass Inserate, in denen Fake-Artikel angeboten werden, verboten sind und gelöscht werden, laut dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH rutschen jedoch auch dort immer wieder Angebote von gefälschten Uhren durch die Sicherheitsnetze.