«An schlimmen Tagen haben wir eine Million Franken pro Stunde verloren»

Livetickeraktualisiert am Donnerstag, 10. September, 2020

SBB-Chef«An schlimmen Tagen haben wir eine Million Franken pro Stunde verloren»

Die SBB präsentiert heute ihr Halbjahres-Ergebnis. Wie stark traf der Einbruch der Passagierzahlen während des Lockdowns die Bundesbahnen finanziell? Und wie reagiert SBB-Chef Vincent Ducrot auf den Einbruch?

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Donnerstag, 10.09.2020
10:28

Zusammenfassung

Hier noch einmal die wichtigsten Punkte der Halbjahres-Medienkonferenz der SBB:

  • «Die Lage ist ernst», stellte CEO Ducrot von Anfang an klar. Die SBB verlor im ersten Halbjahr 479 Millionen Franken. Normalerweise wäre ein Gewinn von 250 Millionen zu erwarten gewesen, besonders weil in den Monaten vor Corona ein starkes Wachstum zu verzeichnen gewesen war.
  • Der Einbruch bei den Passagierzahlen betrug zeitweise 90 Prozent. Die Lage habe sich wieder erholt, aber man sei im Vergleich von zum Vorjahr erst bei 80 Prozent der Auslastung.
  • Es gibt auch Positives zu vermelden: Die Pünktlichkeit hat um 2 Prozent zugenommen, die Passagierzufriedenheit um 1,1 Prozent.
  • Für den akuten Lokführermangel entschuldigt sich Ducrot. Man habe vor zwei Jahren verpasst, rechtzeitig zu rekrutieren. Bis Ende Jahr werden weiter Züge ausfallen, eine Entspannung sei Mitte 2021 zu erwarten.
  • Die SBB haben ein Sparprogramm lanciert, bei IT, Innovation und Energie wolle man 250 Millionen sparen.
  • Wegen Home Office ist derzeit die Zugsauslastung sehr unterschiedlich: Montag und Freitag seien die entspanntesten Tage, am Dienstag sei der Andrang klar am höchsten. Die SBB appelliert daran, die Home-Office-Tage besser zu verteilen.

10:16

Ende

Damit ist die Pressekonferenz beendet.

10:16

Ausblick

«An den schlimmen Tagen haben wir wohl eine Million pro Stunde verloren», so Ducrot, «Mittlerweile erholt sich die Lage.» Für das zweite Halbjahr sind sowohl Ducrot als auch Hammer zuversichtlich. Man hoffe, dass man sich an die Break-Even-Kurve angleichen könne. Eine konkrete Voraussage treffen die beiden aber nicht.

10:14

Ferienkürzungen

Ein Journalist erkundigt sich, ob etwas an der Information dran sei, dass Mitarbeitenden teilweise die Ferien gestrichen werden. «Viele haben Ferien eingegeben und dann nicht bezogen», so Ducrot. «Wir sitzen darum jetzt auf einem Ferienberg.» Es sei klar, dass die Leute ihren Urlaub jetzt nicht nehmen wollen: «Das ist nicht besonders lustig.» Man befinde sich darum im Gespräch mit den Sozialpartnern um eine Lösung zu finden.

10:12

Fernverkehr

«Wir tragen die Verluste im Fernverkehr selber», sagt Ducrot. «Das sind 261 Millionen Franken.» Im Regionalverkehr sei es nicht möglich Gewinne zu machen. Sollte die SBB dennoch Gewinne machen, würden diese in die Rückzahlung der Kredite geben.

10:09

SBB arbeitet an Pünktlichkeit

Die Pünktlichkeit sei besonders bei den Regionalzügen gut, bei den längeren Strecken sei die Pünktlichkeit mit 93 Prozent noch zu tief, sagt Ducrot. Das habe technische und strukturelle Gründe. Man sei gerade dabei, das Informationssystem abzuändern, damit die Passagiere angemessen über Verspätungen informiert werden.

10:05

Keine weitere Rabatte

Weitere Kompensationsmassnahmen für das GA wird es nicht geben. «Wir haben aber sehr viel positives Feedback bekommen», so Ducrot.

10:03

Kein Apéro für Journalisten

Ein Journalist fragt, ob noch weitere Sparmassnahmen geplant sind. «Ja, wir können bei so einem Verlust nicht schlafen», so Ducrot. Die 250 Millionen, die eingespart werden sollen, sind damit ein erster Schritt. «Wir sparen, wo wir können. Sie bekommen heute einfach ein Wasser und keinen Apéro, auch das ist ein Weg zum Sparen!»

10:01

Mangel an Lokführern kostet

Gemäss Ducrot gibt es klare Regeln zum Umgang mit dem Lokführermangel. «Das kostet!» Die SBB muss bei Zugsausfällen teilweise Ersatzbusse organisieren, kommunizieren und so weiter. Wie viel der Lokführermangel die SBB kosten wird, ist bisher nicht bekannt. «Die Kosten der Ersatzbusse sind marginal. Zwei bis drei Millionen, maximal. Wir haben einen Umsatz von 10 Milliarden Franken, dieses Jahr vielleicht 9 Milliarden», so Ducrot.

09:59

Fragestunde

Die Fragerunde beginnt.

09:58

Dienstag ist der stärkste Tag

«Es war ein schlechtes halbes Jahr, aber das haben wir auch erwartet», bilanziert Ducrot. «Aber wir sind zuversichtlich, dass sich das bis Ende Jahr einpendeln wird.» Er empfiehlt den Arbeitnehmenden zudem, Home-Office besser zu verteilen. Aktuell sei vor allem der Dienstag der Tag, an der die meisten Menschen auf dem Weg ins Büro seien.

09:56

Positives

Vincent Ducrot bedankt sich bei den Passagieren. Obwohl die Maskenpflicht schon lange gelte, würden sich die Leute immer noch daran halten. Derzeit liegt die Auslastung im Vergleich zum Vorjahr bei 80 Prozent.

09:53

Situativ handeln

«Es gibt keinen Königsweg», sagt CFO Christoph Hammer. Man versuche sich auf die jeweiligen Herausforderungen situativ einzustellen. «Corona wird auch die kommenden Jahre stark prägen.»

09:50

CFO erklärt die Zahlen

Christoph Hammer erläutert die Zahlen eingehend. Der Rückgang ist im Personenverkehr besonders hoch und beträgt 517 Millionen. Bei den Partnern an Bahnhöfen ist der Ertrag um 29 Prozent zurückgegangen, ebenso bei den Immobilien. Der Güterverkehr musste ebenfalls leiden. SBB Cargo verliert 27 Millionen Franken.

Die Verschuldung der SBB beträgt total 9,5 Milliarden.

Man wolle total 250 Millionen sparen, vor allem in den Bereichen IT, Innovation und Energie.

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09:44

Fehler bei Rekrutierung

Vincent Ducrot gibt einen klaren Planungsfehler zu: «Wir haben zu wenige Lokführer! Dafür kann ich mich nur entschuldigen.» Man habe vor zwei Jahren die Zeichen nicht erkannt und auf dem Arbeitsmarkt zu defensiv agiert. Und das Coronavirus habe die Situation noch verstärkt. Das Problem sei erkannt, «aber wir können auch nicht zaubern.»

Besonders betroffen vom Lokführermangel sind zwei Regionen: Genf und Aarau/Olten. Wegen des Mangels werden bis Ende Jahr einige Züge ausfallen.

Bitte Mitte nächstes Jahr soll sich die Situation entspannt habe.

09:42

Pünktlichkeit nimmt zu

Ein positiver Punkt, den Ducrot vermeldet: Die Pünktlichkeit der SBB habe um 2 Prozent zugenommen. Die Zufriedenheit der Passagiere um 1,1 Prozent. Man wolle dieses Niveau in Zukunft trotz Anstieg der Passagierzahlen halten.

09:40

Durchschnitt sank

1,3 Millionen Menschen fahren pro Tag Zug. Im abgelaufenen Halbjahr waren es nur 810'000 Passagiere pro Tag. Und dies, obwohl sich zu Jahresbeginn (vor Corona) diesbezüglich ein starkes Wachstum angezogen hatte.

09:39

Rabatte für Mieter und Passagiere

Man sei sowohl den Passagieren (vor allem den GA-Kunden) als auch den Geschäftsmietern entgegengekommen. Dies, obwohl man selber in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Die SBB gehört zu den grössten Vermietern der Schweiz.

09:37

Einbruch war dramatisch

Ducrot betont noch einmal, dass die Passagierzahlen um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind. Sie hätten sich zwar in den letzten Monaten erholt, aber vom Normalzustand sei man noch ein Stück entfernt.

09:36

SBB braucht Hilfe

Es sei wichtig, dass die SBB ihr Angebot aufrechterhalten könne, auch wenn man reduzieren haben müsse. Ducrot ist froh um die Unterstützung durch Bundesrat und Parlament. Er richtet zudem seinen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SBB.

09:34

Die Pressekonferenz beginnt

«Die Lage der SBB ist, wie bei vielen Firmen, sehr ernst», sagt CEO Vincent Ducrot. Die SBB machte im ersten Halbjahr einen Verlust von 479 Millionen Franken. Normal für diesen Zeitpunkt im Jahr wäre ein Gewinn von rund 250 Millionen Franken.

09:21

Was entscheidet das Parlament?

Die Pressekonferenz fällt zusammen mit der Nationalrats-Debatte über die Unterstützung des öffentlichen Verkehrs in der Covid-19-Krise. 700 Millionen sollen für die Deckung des Ertragsausfalls im regionalen Personenverkehrt eingesetzt werden. Nicht jedoch für den Fernverkehr, da soll die SBB ihren Verlust selber decken.

09:14

Die Ausgangslage

Die SBB gehört in der Covid-Pandemie zu den besonders Gebeutelten. Während des Lockdowns verloren die Bundesbahnen vorübergehend bis zu 90 Prozent ihrer Passagiere, reduzierte ihr Angebot im Personenverkehr aber nur um 25 Prozent – um nicht zu riskieren, dass systemrelevante Angestellte nicht mehr zur Arbeit fahren können. Ein riesiges Minusgeschäft.

Der Bundesrat griff der SBB Anfang Juli darum mit zusätzlichen 550 Millionen Franken unter die Arme. Zusamen mit der bisherigen Obergrenze von 200 Millionen dürfen die Bundesbahnen Darlehen von bis zu 750 Millionen aufnehmen.

Nach Ende des Lockdowns kehrten in der Schweiz viele Firmen vom Homeoffice zum Normalbetrieb zurück. Zusammen mit der Maskenpflicht (ab dem 6. Juli) führte das dazu, dass die SBB wieder mehr Passagiere verzeichnen konnte. Dennoch wird davon ausgegangen, dass bis Ende Jahr rund 6 Prozent weniger GAs im Umlauf sein werden.

08:59

Die Pressekonferenz der SBB beginnt um 09.30 Uhr. Es informieren CEO Vincent Ducrot und CFO Christoph Hammer.

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