BAG-Analyse - So hoch ist der Anteil der Ungeimpften auf den Intensivstationen wirklich

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BAG-AnalyseSo hoch ist der Anteil der Ungeimpften auf den Intensivstationen wirklich

Eine exklusive Auswertung des BAG belegt, dass schweizweit vor allem ungeimpfte Corona-Erkrankte auf der Intensivstation liegen. Auch sind mehr junge Menschen als über 80-Jährige betroffen.

Die vierte Corona-Welle trifft vor allem ungeimpfte Covid-Patientinnen und -Patienten schwer.
Regelmässig für Furor sorgten Angaben von Spitälern, wonach rund 90 Prozent der Erkrankten nicht gegen das Virus geimpft seien.
 44 Personen wurden zwischen dem 19. Juli und dem 15. August wegen Covid auf Intensivstationen behandelt.
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Die vierte Corona-Welle trifft vor allem ungeimpfte Covid-Patientinnen und -Patienten schwer.

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • Regelmässig für Furor sorgten Angaben von Spitälern, wonach rund 90 Prozent der Erkrankten nicht gegen das Virus geimpft seien.

  • Exklusive Zahlen des BAG bestätigen jedoch, dass 89 Prozent der Covid-Patientinnen und -Patienten ungeimpft sind.

  • Betroffen sind mehr junge als alte Menschen. «Die meisten waren vor der Corona-Erkrankung kerngesund und sind nun am Beatmungsgerät», sagt der Präsident der Chirurgischen Fachgesellschaften.

Das Personal auf den Intensivpflegestationen (IPS) kämpft seit Wochen mit einer heftigen Welle von Corona-Patientinnen und -Patienten. Regelmässig für Furor sorgten Angaben von Spitälern, wonach rund 90 Prozent der Erkrankten nicht gegen das Virus geimpft seien. Geimpfte könnten am Virus ebenso erkranken und vor allem alte Menschen lägen im Spital, behaupteten dagegen Kritikerinnen und Kritiker.

Ein User schrieb in einem Kommentar etwa: «Warum will man uns offenbar nicht mitteilen, wie alt diese Covid-Patienten sind und was für Vorerkrankungen sie haben? Soll mir keiner erzählen, dass ungeimpfte gesunde junge Menschen auf den Intensivstationen liegen!» Auf Twitter warf den Spitälern jemand «frei erfundene» Zahlen vor.

Auch Vergleiche mit Israel machten die Runde, wo offiziellen Daten zufolge am 15. August 60 Prozent der Patientinnen und Patienten geimpft gewesen seien. Exklusive Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) bestätigen jedoch, dass in allen Schweizer Spitälern tatsächlich vor allem ungeimpfte Patientinnen und Patienten mit Covid liegen.

Ein Fünftel der Erkrankten unter 40-jährig

Ausgewertet wurden die Einweisungen von schweizweit 21 Spitälern im Zeitraum zwischen dem 19. Juli und dem 15. August. 44 Personen wurden damals wegen Covid auf Intensivstationen behandelt. 89 Prozent (39 Personen) von ihnen waren nicht immunisiert. Lediglich 11 Prozent (fünf Personen) waren zum Zeitpunkt des Spitalaufenthalts vollständig geimpft.

Die Zahlen widersprechen auch der Behauptung, dass vor allem alte Menschen betroffen seien. 22 Prozent der Patientinnen und Patienten waren unter 40:

«Waren vor Erkrankung kerngesund»

«Auch jetzt behandeln wir auf den Intensivstationen vor allem ungeimpfte Corona-Patientinnen und -Patienten», sagt Michele Genoni, Präsident des Dachverbands der Fachgesellschaften der invasiv und akutmedizinisch tätigen Spezialärztinnen und Spezialärzte (FMCH). Diese Tatsache zeige, dass die Impfung gegen schwere Verläufe wirke.

Besonders grosse Sorgen bereiteten die vielen jungen Erkrankten, sagt Genoni. «Die meisten waren vor der Corona-Erkrankung kerngesund und sind nun am Beatmungsgerät.»

Zurzeit stagniert die Zahl der Corona-Patienten auf den IPS laut Genoni auf hohem Niveau. «Wir hoffen sehr, dass sich die Situation in den Spitälern bald entspannt.» Mit der Zertifikatspflicht und mobilen Impfangeboten liefen in der Schweiz wichtige Bemühungen, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Genesen, gestorben oder verlegt

Die Daten stammen von Spitälern, die sich an der Sentinel Spital-Überwachung beteiligen. Berücksichtigt werden nur «abgeschlossene» Fälle. Dabei handelt es sich um Patientinnen und Patienten, die entweder genesen oder gestorben sind. Auch eingeschlossen sind solche, die verlegt wurden und deren Informationen zum Verlauf der Hospitalisation vollständig vorliegen. Aus diesem Grund könne das BAG auch keine Aussagen über die derzeitigen Intensivpatientinnen und -patienten machen, so das BAG.

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