Strom fürs GebäudeSolarmodule müssen nicht schwarz und hässlich sein
Ein kleines Thuner Unternehmen stellt farbige Solarmodule her, die mehr sind als nur Stromlieferanten: Sie dienen als Fassaden, Dach oder Balkon. Ein Besuch bei einem begeisterten Solar-Visionär.
Darum gehts
Als Patrick Hofer-Noser durch die Montagehalle führt, funkeln seine Augen, als würde sich die Sonne in ihnen spiegeln. Hofer-Noser zeigt, wie in seiner Thuner Firma 3S Solar Plus Solarmodule der besonderen Art entstehen – nicht schwarze, hässliche, wie es sie günstig aus China gibt, sondern farbige und auf unterschiedliche Formen angepasste.
Hofer-Noser ist heller Begeisterung, wenn es um Photovoltaik im Allgemeinen und seine Panels im Besonderen geht. «Wir stellen keine Solarmodule her, sondern solare Bauprodukte», sagt er stolz. Er nennt die Module «funktionale Kleider für Gebäude». In den riesigen Maschinen sind Roboterarme am Werk. Sie reihen jeweils drei modulare Elemente aneinander, verlöten die Leitungen, schicken das Element zur nächsten Bearbeitungsstation, wo die Module zu grösseren Panels zusammengefügt werden.
Auch weisse Solarmodule sind möglich
«Bauprodukte» bedeutet, dass es sich nicht um herkömmliche Photovoltaik-Module handelt, die auf ein bestehendes Dach montiert werden – die Panels selber sind das Dach. Sie dienen auch als Fassaden oder Balkongeländer. «Unsere Produkte sind sehr viel stabiler als herkömmliche Produkte», führt Hofer-Noser aus. Sie würden heftigem Hagelschlag und auch einem Aufprall standhalten.
Zusammen mit Partnerfirmen hat das kleine Unternehmen in Thun Methoden entwickelt, um farbige Module herzustellen – von ziegelrot über Grünschattierungen bis zu blau und beige. Ebenfalls möglich sind entspiegelte Panels, die das gegenüberliegende Haus nicht blenden. In der Ecke seines Büros steht ein Panel, das täuschend echt eine Ziegelstruktur vorgaukelt. Zukünftig würden auch ziegelförmige Module möglich sein, sagt Hofer-Noser.
«Je heller die Farbe, umso weniger Strom erzeugen sie allerdings», gibt der gelernte Elektrotechniker zu. Zwei Methoden würden zum Einfärben angewendet: Entweder wird eine farbige Folie zwischen die Gläser gelegt oder das Glas wird ähnlich wie bei einem Spiegel mit einer reflektierenden Farbe beschichtet. Sogar weisse Panels seien möglich, allerdings produziere ein solches etwa 40 Prozent weniger Strom.
Freiheit bei der Gestaltung
Als wichtigstes Zielpublikum sieht Hofer-Noser die Architektur. Die Produkte würden mehr Freiheiten bei der Gestaltung ermöglichen. Dass die Panels von 3S in der Tat begehrt sind, zeigt sich auf dem Nationalstadion Kaohsiung in Taiwan: Das Dach besteht aus über 8000 Solarmodulen des Thuner Unternehmens.
Allerdings hat der Thuner Betrieb die Module nicht selbst hergestellt. Stattdessen verkaufte er die Produktionslinie inklusive des Wissens an die Bauherren. «Wir sind ein kleiner Betrieb», sagt Hofer-Noser. Stark würden sie durch die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen.
«Der Markt ist allerdings noch nirgendwo», sagt er, als wir am Ende der Halle ankommen. Er nimmt eines der Solarmodule in die Hand. «Wir möchten etwas bewegen», sagt er. Er wolle Probleme lösen, auch für die Zukunft seiner Kinder, ergänzt er energiegeladen – und irgendwie begeistert von seinen eigenen Produkten.