St. GallenWeniger Parkplätze, mehr Gebühren: «Eine ideologische Frechheit»
Die Parkiergebühren werden erhöht – und das, obwohl der Preisüberwacher das Gegenteil empfohlen hat. Politiker und Anwohner sind empört.
Passanten in der Stadt äussern sich negativ.
20minDarum gehts
In St. Gallen werden die Parkiergebühren ab November massiv erhöht, insbesondere nachts und im Stadtzentrum.
Trotz Empfehlung des Preisüberwachers zur Preissenkung hat der Stadtrat höhere Gebühren beschlossen. Der Abbau von Parkplätzen ist geplant.
Die Massnahmen stossen auf Kritik, da sie die Erreichbarkeit und Attraktivität der Stadt beeinträchtigen könnten.
In der Stadt St. Gallen werden die Parkiergebühren massiv erhöht. Und nicht nur das: Zusätzlich sollen weitere Parkplätze entfallen.
Der Stadtrat hat entschieden, dass das Parkieren in der Weissen Zone ab November nachts einen Franken pro Stunde kostet, vorher war Parkieren hier gratis, im Zentrum betragen die Kosten sogar 1.50 Franken pro Stunde. Tagsüber wird der Tarif um saftige 25 Prozent erhöht, von zwei Franken auf 2.50 Franken.
Wer zukünftig mehr als eine Nacht in der Blauen Zone parkieren möchte, braucht eine kostenpflichtige Bewilligung – egal, ob als Anwohner oder als Pendler. Auch bei der Pendlerbewilligung wird kräftig draufgeschlagen.

Die Tageskarte für die Blaue Zone wird unter anderem teurer.
20min/Matthias SpicherDer Preisüberwacher empfahl Preissenkung
Die Preise werden erhöht, obwohl der Preisüberwacher dem Stadtrat eine Senkung der Parkiergebühren empfohlen hat, und zwar um 37 Prozent in der Blauen Zone und in der Weissen Zone um 59 Prozent. Dabei wurde vom Kostendeckungsprinzip ausgegangen, wonach die Einnahmen aus dem Betrieb von Parkplätzen die Kosten für deren Bereitstellung decken sollen. Der Preisüberwacher teilt auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass er den Entscheid der Stadt bedauert: «Mit Gebühren sollte nicht die Staatskasse gefüllt werden.»
Dass die Preise trotz gegenteiliger Empfehlung vom Preisüberwacher von der Stadt angehoben werden, stösst nicht bei allen auf Gegenliebe. «Das ist eine absolute Frechheit und eine ideologische Zwängerei», sagt Alt-Kantonsrat Walter Locher (FDP) aus St. Gallen. «Stadtrat und Stadtparlament tun alles, um die Erreichbarkeit und die Attraktivität der Stadt zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass auf andere Zentren und Städte ausgewichen wird.» Er findet, dass die Entscheidung rechtlich überprüft werden sollte.
Findest du es gut, dass die Preise für das Parkieren angehoben werden?
Das sagen Betroffene
Christina (30) war gerade mit ihrer Mutter Rita (69) beim Arzt. Es gibt zwar Parkplätze direkt vor der Praxis, jedoch sind diese meist schon besetzt. «Es ist sowieso schon schwierig genug, in der Stadt einen Parkplatz zu finden, und wenn jetzt noch welche abgebaut werden, wird es noch mühsamer», sagt die 30-Jährige.
Dass die Preise überall steigen, ist auch Marc (38) bewusst. «Dass man das Geld einfach wieder bei den Autofahrern holt, ist immer der einfachste Weg», sagt Marc. Er meint ausserdem, dass, wenn etwas abgeschafft wird, etwas anderes dafür ausgebaut werden muss.
Auch Parkplätze sollen wegfallen
In St. Gallen sind bereits in den vergangenen Jahren viele Parkplätze weggefallen und jetzt geht es weiter. Der Stadtrat hat unter anderem jüngst die Aufhebung von Parkplätzen an der Bogenstrasse beschlossen.
Auch auf das Park & Ride-Angebot beim Parkieren in der Parkgarage der Sporthalle Kreuzbleiche will das Stadtparlament verzichten. Bisher konnte die Zone 210 während der Parkierungsdauer kostenlos genutzt werden. Dadurch war es möglich, sein Fahrzeug ausserhalb des Zentrums abzustellen und mit dem ÖV in die Stadt zu fahren, was das Verkehrsaufkommen in der Stadt selbst verringerte.
Diese Veränderungen gibt es
Durchgehende Gebührenpflicht
Nachdem der Stadtrat bereits per 1. Januar 2022 eine durchgehende Gebührenpflicht für Oberflächenparkplätze im Stadtzentrum eingeführt hat, werden diese im übrigen Stadtgebiet künftig ebenfalls durchgehend bewirtschaftet. Ab dem November gilt folglich in der Weissen Zone im übrigen Stadtgebiet ein Nachttarif sowie Sonntagstarif von einem Franken pro Stunde. Im Zentrum wird zudem der Tagestarif von zwei auf 2.50 Franken pro Stunde erhöht, der Nacht- und Sonntagstarif beträgt 1.50 Franken pro Stunde.
Neue Nacht-Parkiergebühren in der Blauen Zone
Wer mindestens zweimal pro Woche zwischen 19 und acht Uhr in der Blauen Zone parkiert, hat ab 1. November 2024 eine monatliche Gebühr zu entrichten. Wer über eine Monatsbewilligung für Anwohner oder für Pendler verfügt, bezahlt für eine zusätzliche Nachtparkbewilligung zehn Franken pro Monat. Wird lediglich eine Bewilligung für das regelmässige nächtliche Parkieren benötigt, ist hierfür eine Gebühr von 30 Franken pro Monat zu entrichten.
Tageskarte für die Erweiterte Blaue Zone
Für Besucher wird die Gebühr per November von neun Franken auf zehn Franken erhöht.
Gebührenpflicht für Carparkplätze
Auf dem Spelteriniplatz und an der Museumstrasse konnten Cars bis anhin gratis parkieren. Ab November fällt für das Parkieren ein Tagestarif von fünf Franken pro Stunde sowie ein Nachttarif und Sonntagstarif von drei Franken pro Stunde an.
Auch Pendler-Bewilligung wird teurer
Die Monatsbewilligung für Pendler für Parkplätze in der Blauen Zone wird von 133 auf 150 Franken erhöht.
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