Nach den SommerferienStadt Zürich testet Gratis-Binden und -Tampons an Schulen
In der Westschweiz gibt es bereits an mehreren Schulen Gratis-Menstruationsartikel. Nun startet die Stadt Zürich einen Pilotversuch.
Darum gehts
Die Stadt Zürich startet nach den Sommerferien einen Pilotversuch und testet Gratis-Binden und -Tampons an Schulen.
Im Herbst ist eine erste Zwischenauswertung in Bezug auf Nachfrage und Akzeptanz geplant.
Den Stadtzürcher Oberstufenschülerinnen werden nach den Sommerferien versuchsweise kostenlos Menstruationsartikel zur Verfügung gestellt. «Die Hygieneartikel stehen in Boxen in den Vorräumen der Schultoiletten zur Verfügung, sodass die Schülerinnen bei Bedarf einen unkomplizierten Zugriff darauf haben», schreibt das Schul- und Sportdepartement in einem Mail an die Eltern. Laut Sprecher Marc Caprez wird der Pilotversuch jeweils an ein bis zwei Sekundarschulen pro Schulkreis durchgeführt und dauert bis Ende Jahr. Im Oktober sei eine erste Zwischenauswertung in Bezug auf Nachfrage und Akzeptanz geplant.
Die Zürcher Gemeinderätinnen Nadia Huberson (SP) und Angelica Eichenberger (SP) hatten im März ein Postulat zur kostenfreien Verfügung von Menstruationsartikeln in den Toiletten der öffentlichen Schulen eingereicht. «Die freie Verfügbarkeit von Hygieneprodukten nimmt menstruierenden Schülerinnen Stress und Bedenken wegen unangenehmer Situationen weg und wirkt einer Tabuisierung entgegen», heisst es im Postulat. Zudem sei es gerade für Schülerinnen, respektive ihre Familien, mit geringem Einkommen eine finanzielle Entlastung. Wie das Onlineportal tsri.ch berichtet, ist das Postulat noch hängig. Voraussichtlich im Herbst sollte ein Entscheid gefällt werden.
«Richtiger Schritt» oder «keine Aufgabe der Schule»?
Bei den Juso Kanton Zürich kommt der Pilotversuch gut an, wie Präsidentin Lilli Rose Wiesmann auf Anfrage sagt: «Wir fordern schon lange, dass es in öffentlichen Toiletten gratis Hygieneartikel gibt. Das ist nun ein richtiger erster Schritt.» Die Menstruation sei ein Thema, das gerade auch an Schulen so enttabuisiert werden könnte. Wiesmann ist sich sicher, dass es eine grosse Nachfrage geben wird und es so nicht beim Pilotversuch bleibt. Zudem sei es auch eine Entlastung für Familien mit geringem Einkommen.
Für Camille Lothe, Präsidentin JSVP Kanton Zürich, ist die Bereitstellung solcher Produkte nicht die Aufgabe der Schule. «Sie hat den Auftrag, die Jugendlichen auf das kommende Leben vorzubereiten. Dieses beinhaltet nicht, dass alles immer und überall gratis zur Verfügung steht.» Gerade jungen Frauen sollte eine pragmatische Handhabung der Menstruation und den damit verbundenen Hygieneartikeln gelernt werden, sagt sie. «Viel wichtiger ist ein offenes Gespräch mit den Schülerinnen und deren Eltern.» Für die Schülerinnen erschienen die Produkte gratis, Eltern und alle anderen Steuerzahlenden müssten diese jedoch berappen.
In der Westschweiz bereits angeboten
Die Kantone Genf und Waadt bieten an mehreren Schulen gratis Hygieneartikel an. Im Jura hatte das Parlament am 31. März einen Antrag für die Installation von gratis Bindenspendern in Schulen gutgeheissen. Die Kantone Luzern, Wallis und das Bern lehnten ähnliche Vorschläge in der Vergangenheit ab. Einzig die Gemeinde Tavannes in Bern willigte ein, gratis Hygieneprodukte für ihre Schülerinnen bereitzustellen.
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