Studenten betrinken sich für den Frieden

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ZürichStudenten betrinken sich für den Frieden

Eine Studentenverbindung sammelt 10'000 Franken für einen guten Zweck. Haben sie Erfolg, müssen sie 100 Liter Bier trinken. Das Blaue Kreuz findet das wenig erfrischend.

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So preist Martin Fussen auf Youtube die Wohltätigkeitsaktion der Studentenverbindung an.

Etwas Gutes tun – das wollte die Studentenverbindung Glanzenburger schon lange. Frösche über die Strasse zu tragen war den Studenten aber zu anstrengend, und Sockenstricken scheiterte an ihren Fähigkeiten. «Also machen wir das, was wir am besten können: Bier trinken.»

So preist Martin Fussen, der Altherrenpräsident der Verbindung, in einem Youtube-Video eine ungewöhnliche Spendenaktion an: Die Studenten und Abgänger der Zürcher ETH, Uni und Fachhochschulen wollen mittels Crowdfunding innerhalb von 100 Tagen 10'000 Franken für das Rote Kreuz sammeln. «Uns schwebt vor, dass das Geld in Friedensprojekte investiert wird», sagt Fussen.

Kater ist programmiert

Pro zehn gespendete Franken will die Verbindung einen Deziliter Bier an einem Abend im Juli trinken – erreichen sie ihr Ziel von 10'000 Franken, sind es insgesamt also 100 Liter: «Es könnte auch mehr sein, da wir keine Obergrenze gesetzt haben», sagt Fussen: «Der Alkohol geht natürlich auf unsere Kosten.»

Ein Brummschädel am nächsten Morgen ist da wohl programmiert, denn normalerweise kommen an solchen Veranstaltungen etwa 30 Leute zusammen: «Wie wir im Falle eines Grosserfolgs mit mehreren 100 Litern Bier umgehen wollen, wissen wir noch nicht.» Man werde wohl Verstärkung aufbieten müssen.

Studenten-Klischee zelebrieren

Doch gibt es nicht Sinnvolleres als ein durch Spenden legitimiertes Massenbesäufnis? «Sicher», sagt Fussen, «aber bei Studentenverbindungen denkt man sowieso, dass es ums Trinken geht.» Dieses Klischee möchte man aufnehmen, zelebrieren und für etwas Gutes nutzen.

Tatsächlich stossen die Glanzenburger, zu denen nur Männer gehören, laut Fussen bei ihren Treffen gerne mal mit einem Bier an, aber nicht nur: «Wir besuchen kulturelle Veranstaltungen, singen, vernetzen uns mit anderen Verbindungen oder machen etwas Wohltätiges wie jetzt.»

Blaues Kreuz: «Alkohol wird verharmlost»

Wenig erfrischend findet diese Art von Wohltätigkeit Philipp Frei. Er ist Sprecher des Blauen Kreuzes, der Organisation für Alkoholprävention: «Zwar ist die Idee witzig und es ist löblich, dass die Verbindung den Opfern des Krieges helfen will.»

Trotzdem werde sich so wohl das Image der trinkenden Studentenverbindungen noch weiter verfestigen und das Thema Alkohol verharmlost: «Alkohol wird so mit Spass verbunden – die negativen Seiten wie Sucht, Unfälle oder Vergiftungen werden dabei allzu oft vergessen», sagt Frei. Eine ähnliche Aktion sei mit den meisten anderen Drogen zumindest undenkbar.

Geld kann noch bis zum 8. Juni 2016 unter 100-days.net gespendet werden.

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