StudieMonopolist Google sahnt ab – Schweizer Medien entgehen 150 Millionen
Über 150 Millionen Franken: So viel Geld müsste Google laut einer neuen Untersuchung den Schweizer Medien zahlen, weil der Internetkonzern als Monopolist einseitig von den Medieninhalten profitiere.
Darum gehts
Laut einer Studie tragen Medieninhalte massgeblich zur Attraktivität der Google-Suche bei.
Weil ein grosser Teil der User bei Google hängenbleibt und gar nicht erst zu einem Medium weiterklickt, verdiene Google viel Geld mit Werbung.
Die Studie, die der Verlegerverband in Auftrag gegeben hat, kommt zum Schluss, dass der Gesetzgeber eingreifen müsse.
Wer bei Google beispielsweise nach Infos zum Absturz der Credit Suisse sucht, bekommt eine Vielzahl von Schlagzeilen und aktuelle Berichte von Schweizer Medien angezeigt. Eine Studie im Auftrag des Verlegerverbandes hat nun erstmals untersucht, wer davon mehr profitiert: die Medien oder der Internetkonzern.
Dazu haben Verhaltensökonomen des Beratungsunternehmens FehrAdvice eine Google-Suche mit oder ohne Medieninhalten nachgebaut und 1573 Internetnutzer aus der Deutsch- und Westschweiz damit suchen lassen. Das Ergebnis des Experiments: Die Inhalte der Medien sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Attraktivität von Google, das mit Suchmaschinenwerbung allein in der Schweiz pro Jahr circa eine Milliarde Franken Umsatz erzielt.
Medien machen Google attraktiv
Die Studie kommt zum Schluss, dass Medieninhalte Nutzer in das Google-Ökosystem zögen, wo sie mehrheitlich auch hängenblieben. Aus dem Verhalten der User lasse sich ableiten, dass eine Google-Suche mit Medieninhalten 16 Prozent mehr Geld wert ist als eine Suche ohne Medieninhalte. Nicht zuletzt deshalb, weil die Suche dank den Medieninhalten auch als vertrauensvoller bewertet werde. Zudem wird Google laut den Autoren öfter und intensiver genutzt, wenn Berichte von Medien eingebunden sind.
Die Autoren folgern daraus, dass eine Abgeltung der Leistungen der Medien, wie sie in zahlreichen europäischen Ländern, darunter Deutschland und Frankreich, schon beschlossen ist, auch in der Schweiz nötig sei. Sie schätzen den gerechten Betrag, den Google den Medien und Medienschaffenden entrichten sollte, auf mindestens 154 Millionen Franken.
Sollen Google und Co. zur Kasse gebeten werden?
Die Schweizer Verlage haben die Studie nicht ohne Grund in Auftrag gegeben. Sie gibt ihnen Munition in der Debatte um das sogenannte Leistungsschutzrecht, die in Bundesbern läuft. Derzeit bereitet der Bundesrat eine entsprechende Gesetzesrevision vor. Zu regeln ist, wie journalistische Leistungen künftig besser geschützt und wie Leistungen abgegolten werden sollen.
Für den bekannten Ökonomen Ernst Fehr von der Universität Zürich, der an der Studie mitgearbeitet hat, ist klar: «Wir sehen hier ein Marktversagen, bei dem es eine Regulierung braucht. Google nutzt seine Monopolstellung aus.» Er sieht die Schweizer Medien in ihrer Existenz bedroht. «Der Erhalt der Medienvielfalt ist ein unglaublich wichtiges öffentliches Gut, das die Schweizer Referendumsdemokratie stützt. Ohne diese Stütze würde sie nicht so gut funktionieren», sagte Fehr bei der Vorstellung der Studie.
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