SuchtverhaltenAlkohol, Drogen, Glücksspiel: So süchtig ist die Schweiz
Herkömmliche Zigaretten und Alkohol sind eher out, dafür wird mehr gekokst, um Geld gezockt und gedampft. Das zeigt der neueste Bericht von Sucht Schweiz.
Darum gehts
Der tägliche Konsum von Alkohol geht zurück, dafür ist das Rauschtrinken beliebter geworden.
Beim Nikotinkonsum verschiebt sich das Suchtverhalten von klassischen auf E-Zigaretten.
Immer mehr Schweizer nehmen Kokain, besonders der Konsum von Freebase ist beliebt.
Sucht Schweiz hat heute das neueste Suchtpanorama veröffentlicht (siehe unten). Das sind die wichtigsten Fakten.
Alkohol: Jeder vierte 15-Jährige trinkt sich regelmässig in den Rausch
Zwischen 1992 und 2022 ist der Anteil an Personen, die täglich Alkohol trinken, um fast die Hälfte zurückgegangen. Bei den Männern trinken noch zwölf Prozent täglich, bei den Frauen fünf Prozent. 19 Prozent der Männer trinken mindestens einmal im Monat mehr als vier Gläser Alkohol bei derselben Gelegenheit, bei den Frauen sind es elf Prozent. Gleichbleibend hoch ist dieses Verhalten laut Sucht Schweiz bei den 15-Jährigen: Fast jeder Vierte (23 Prozent) trinkt sich mindestens einmal im Monat einen Rausch an.
In 27 Prozent der Fälle wurde illegal Alkohol an Minderjährige verkauft.
2022 gab es 30 Prozent mehr schwere alkoholbedingte Verletzungen im Strassenverkehr.
50 Prozent der Eintritte in Suchthilfeeinrichtungen sind alkoholbedingt.

Insgesamt wird weniger getrunken: Pro Kopf wurden 2022 noch rund 8,4 Liter reiner Trinkalkohol getrunken.
Nikotin: Raucher steigen auf E-Ziggis um
Es wird weniger geraucht und auch das Passivrauchen nimmt ab, dafür sind E-Ziggis, darunter auch Vapes auf dem Vormarsch. Bei 15-Jährigen hat der Konsum von E-Ziggis ähnlich wie bei der Gesamtbevölkerung eine zusätzliche Gruppe von Nikotinkonsumierenden geschaffen. Im Unterschied zum Rest der Bevölkerung rauchen die Jungen aber noch gleich viel. Rund ein Drittel der befragten 15-Jährigen konsumieren gelegentlich ein Nikotinprodukt.
24 Prozent der Bevölkerung raucht.
Inlandverkäufe von konventionellen Zigaretten haben seit 2016 um zehn Prozent abgenommen.
8.6 Milliarden konventionelle Zigaretten wurden im Jahr 2022 verkauft.
Der grösste E-Zigaretten-Hersteller IQOS hatte 2023 unter den Tabakprodukten einen Marktanteil von elf Prozent.
Es wird doppelt so viel Snus wie 2021 importiert.
Cannabis: Die Schweiz kifft konstant
Der Cannabiskonsum in der Gesamtbevölkerung bleibt relativ stabil, rund vier Prozent der Befragten kiffen gelegentlich, 4,7 Prozent kiffen täglich. Auch bei 15-Jährigen hat sich mit einem Anteil von zehn Prozent der gelegentliche Konsum gegenüber den Vorjahren nicht gross verändert. Etwa ein Prozent der 15-Jährigen konsumiert an mindestens zehn Tagen pro Monat Cannabis.
Laut Abwasseranalysen wurde 2023 am meisten in Genf gekifft.
77% der Personen die wegen Cannabissucht in Behandlung gehen sind Männer.
Cannabissuchtpatienten sind durchschnittlich 25 Jahre alt.
Für Haschisch wird durchschnittlich 13 Franken, für Marihuana 11 Franken pro Gramm bezahlt.
15'329 Anzeigen gab es wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Kokain und Crack: Mehr Konsum in der Öffentlichkeit
Etwa ein Prozent der Bevölkerung hat letztes Jahr gekokst. Das ist nur wenig mehr als 2017, seit 2007 zeichnet sich aber eine stetige leichte Zunahme ab. 2023 war laut den Autoren geprägt von einer Zunahme von einer steigenden Sichtbarkeit des Drogenkonsums im öffentlichen Raum und zunehmendem Konsum von Kokain Base, also Crack oder Freebase.
In Zürich wurde 2023 laut Abwasseranalysen am meisten gekokst.
77% der Personen die wegen Kokainsucht in Behandlung gehen sind Männer.
Therapienachfragen für Kokainprobleme sind seit rund acht Jahren am Steigen.
Kokainsuchtpatienten sind durchschnittlich 34 Jahre alt.
Für Kokain wird durchschnittlich 94 Franken pro Gramm bezahlt.

Der vermehrte Konsum von Kokain, insbesondere in seiner rauchbaren Form Crack und Freebase, wird immer beliebter.
Symbolbild/IStockGlücksspiele: Rekordsummen werden verzockt
Glücks- und Geldspiel ist in der Schweiz weit verbreitet: Jeder zweite 15- bis 24-Jährige hat schon einmal um Geld gespielt, bei der älteren Bevölkerung sind es gar zwei Drittel.
Nicht selten wird dieses Verhalten zum Problem: Fast eine halbe Million Menschen in der Schweiz hatten im Laufe ihres Lebens schon einmal Probleme mit dem Glücks- und Geldspiel. Der Verlustbetrag, der jährlich von Spielsüchtigen verspielt wird, war 2022 mit zwei Milliarden Franken so hoch wie noch nie.
Betroffene in der Schuldenberatung haben im Schnitt 88'000 Franken Spielschulden.
Im Jahr 2022 wurden 12’142 Spielsperren verhängt.
Lotteriegesellschaften und Casinos, dazu zählen auch Online-Casinos, sind seit 2019 um 16 Prozent gewachsen.
Auch beim Online-Spiel sei die Situation alarmierend. Der Anteil der Online-Spieler mit sehr problematischem Glücks- und Geldspielverhalten hat sich gegenüber 2021 verdoppelt.
Das ist das Suchtpanorama 2024
Jährlich veröffentlicht die Organisation «Sucht Schweiz» aktuelle Zahlen zum Suchtverhalten der Schweizer Bevölkerung. In dieser wurden Daten aus der Gesundheitsbefragung, des BAG, des Bundesamts für Zoll und aus eigens durchgeführten Studien zusammengetragen.
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