Schwerbewaffneter Soldat in BelgienTarnprofi auf der Flucht – hunderte Polizisten können Conings nicht finden
Mit einem massiven Aufgebot suchen belgische, niederländische und deutsche Polizisten in Belgien nach dem rechtsextremen Soldaten Jürgen Conings. Der 46-Jährige wurde bei der Armee in Tarntechniken ausgebildet.
Darum gehts
Belgien sucht seit Tagen den rechtsextremen Berufssoldaten Jürgen Conings.
Der 46-Jährige droht mit Anschlägen.
Belgische, deutsche und niederländische Soldaten können ihn nicht finden – der Soldat wurde in Tarntechniken ausgebildet.
Conings hatte direkten Zugang zur Waffenkammer seiner Einheit und gilt auch jetzt als bewaffnet.
Auch am vierten Tag fehlt vom rechtsextremen Berufssoldaten Jürgen Conings jede Spur. 400 belgische Polizisten und Soldaten mit Unterstützung durch die GSG9 der deutschen Bundespolizei sowie von niederländischen Sicherheitskräften können den 46-Jährigen nicht finden.
Kein Wunder: Conings wurde von der belgischen Armee unter anderem in Tarntechniken ausgebildet. Er stand schon im Kosovo, im Irak und in Afghanistan im Einsatz. «Wahrscheinlich befindet sich Jürgen Conings in einem unterirdischen Loch und hat genug Wasser und Nahrung, um noch ein paar Tage durchzuhalten», vermutet ein Militärexperte gegenüber der Zeitung «Nieuwsbladet». Er beschreibt den Soldaten als einen Mann ohne Schwachstellen – «Abgesehen von seinem psychischen Zustand».
Was weiss man am Freitag Neues?
Conings wurde zuletzt im Nationalpark Hoge Kempen vermutet, der in der Nähe der niederländischen Grenze, aber auch nicht weit von der deutschen Grenze entfernt liegt. Die belgische Polizei und die Armee haben eine Zone von 20 Kilometern im Park akribisch durchsucht, aber ohne Erfolg. «Wir hatten konkrete Hinweise, dass er im Park war. Die Tatsache, dass er nicht gefunden wurde, muss nicht bedeuten, dass er nicht in der Gegend ist oder war», verteidigte der zuständige Staatsanwalt gegenüber VRT die Operation.
Warum fahnden die belgischen Behörden so intensiv nach Conings?
Vor seinem Verschwinden hatte Conings zwei Drohbriefe in seinem Haus hinterlassen: Einen gegen Vertreter des belgischen Staates, den anderen gegen den bekannten belgischen Virologen Marc Van Ranst. Zuvor hatte Conings Morddrohungen gegen Van Ranst ausgesprochen. Der 55-jährige Virologe ist erklärter Gegner der Corona-Leugner und nimmt in den sozialen Medien auch regelmässig Stellung gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
In seinem Brief an den Virologen schrieb der Berufssoldat, er wolle «nicht länger in einer Gesellschaft leben, in der die Politiker und Virologen uns alles weggenommen haben». Van Ranst lebte bereits unter Polizeischutz und wurde nun mit seiner Familie an einen sicheren Ort gebracht. Nach Angaben des belgischen Justizministers Vincent Van Quickenborne soll sich Conings am Montag zwei Stunden lang in der Nähe des Hauses eines seiner potenziellen Ziele aufgehalten haben.
Wie tickt der Mann?
Conings ist einer von rund 30 Mitgliedern der belgischen Armee, die nach offiziellen Angaben vom Geheimdienst wegen rechtsextremer Ansichten überwacht werden. Aus demselben Grund steht er seit drei Monaten auch auf einer Liste der belgischen Antiterror-Behörde Ocam. Die belgische Armee hatte gegen ihn bereits 2020 Strafen verhängt und sogar eine Anzeige erstattet, die folgenlos blieb.
Auf Social Media präsentiert sich Conings als Fitnessfreak. Immer wieder postete er islamfeindliche und rechtsextreme Kommentare. Während seine Familie den fast zwei Meter grossen Soldaten als «Muskelpaket mit weichem Herz» darstellt, beschreiben ihn Kollegen bei der Armee als «rechtsextremen Waffennarr, der nicht vor Gewalt zurückschreckt», wie die Zeitung «Het Laatste Nieuws» berichtet.
Was macht ihn so gefährlich?
Als Ausbilder von Rekruten für Auslandseinsätze und Waffeninspekteur hatte der Rechtsextremist trotz der Untersuchung der Antiterror-Behörde weiter Zugang zu Waffen, wie Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder beklagte. Die Behörden vermuten, dass Conings schwerbewaffnet auf der Flucht ist.
Dedonder kündigte nun im Rundfunksender RTBF eine Gesetzesänderung an, um Soldaten mit Zugang zu sensiblen Informationen oder Waffen gründlicher überprüfen zu lassen. Belgiens Regierungschef Alexander de Croo bezeichnete die Situation als «untragbar». Am Freitag ordnete er einen Bericht über Extremismus in den Reihen der belgischen Polizei, der Streitkräfte und des Zolls an. Noch im kommenden Monat will er demnach einen «Aktionsplan» vorlegen.
(Mit Material von AFP und DPA)

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